Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
804
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804 Novellen

Alles, was ich bin. Bleibe Du meines Lebens Strahlenſonne, die ihren heiligſten Abglanz auf mich wirft, ſei Du mir ein Gott, deſſen treues Auge über mich wacht, wenn helles Licht mich blendet!

Als Angelo geſprochen, tönte ein ferner Geſang, der im Echo des Gartens verhallte.

Hörſt Du, Angelo, rief Annunziata,hörſt Du, die Stunde unſerer Trennung bricht heran. Der Menſchen Jubelſänge dringen an unſer Ohr, o daß es auch aus unſerer Seele ſo heraustönte, daß die Zukunft uns Freude brächte!

Wer weiß, Annunziata, wer weiß!

Die Künſtler führen den Vater heim der Weg geht hier durch den Garten, darum, Angelo wir müſſen ſcheiden. Hier ſie übergab ihm ein Päckchendieſer Schlüſſel führt Dich ins Freie, benutze ihn, wenn ich Dich auffordere herzukommen. Nimm noch meinen heiligſten Schwur ſie erhob feierlich die Hand zum Himmelich habe Dir⸗ mein Leben geweiht, Dir, dem Lorbeergekrönten, dem Meiſter, keinem Andern kann ich angehören ich werde Deine Gattin oder

Sprich, ſprich es aus!

Ich ſterbe! rief Annunziata feierlich.

O, daß ich Dich jetzt ſchon verlaſſen muß, ſchon!

Der Tag zeigt ſich ſchon am Himmel.

Ich fühle, Annunziata, rief Angelo,daß wir uns nie, ach nie wiederſehen werden Alles wollte ich Dir ſagen, doch Deine Nähe macht mich ver⸗ ſtummen.

Siehſt Du, ſchon leuchten durch das Buſchwerk die Fackeln! Wenn man uns fände! Verlaſſe mich beim Himmel, verlaſſe mich!

Ich gehe ich gehe.

Trennt uns das Leben, Angelo, eint uns das Grab.

So lebe wohl, meine Annunziata!

Leb' wohl, mein Angelo!

Noch einmal drückte er ſie an ſein ſtürmiſch pochendes Herz, noch einmal küßte er die Wangen der Geliebten, dann floh ſie hinein in den Palaſt er aber ſtreckte die Arme nach ihr aus und rief:Leb' wohl, leb' wohl!

Auch er verſchwand.

Bube, nun habe ich Dich ertappt, rief Zecco, der aus dem Buſchwerk hervortrat und die Fauſt ballte,das ſind Deine Wege! Des Herzogs Tochter! Heiliger Hubertus er bekreuzte ſich welche Unthat, welche Sünde! Aber ich will's dem Herzog morgen verkündigen, dem Herzog, hörſt

jetzt

Zeitung.

eben in den Garten und führten unter Fackelſchein Lorenzo in den Palaſt.

Lebt wohl, ſprach dieſer, als er die Schwelle ſeines Hauſes betrat,lebt wohl im künftigen Jahre ſehen wir uns wieder. Ziehet in die Heimath, ſchaffet neue Werke des Himmels Segen gebe Euch das Geleit!

Ein Fürſt, der die Kunſt verehrt, iſt ein Freund der Menſchheit, rief Leonardo da Vinci;ihm ſchlagen die Herzen des Volkes die Fülle des

in die Worte der Verehrung. Hoch! hoch! Lorenzo Magnifico hoch dem Gefeierten! Hoch, hoch! riefen die Künſtler.

und ſchritt in großer Aufregung auf und ab. Seine Stirn faltete ſich zuſammen, ſeine Augen rollten un⸗ heimlich in ihren Höhlen.

Glaub's, hoher Fürſt, ſprach Zecco, indem er ſich tief verbeugte,es war Angelo es war Angelo. Der Vollmond erleuchtete ſeine Züge ich hatte ihn und das Mädchen verfolgt!

Wer war die ehrloſe Dirne, die ſich zur Liebes⸗ botin hergab? donnerte Lorenzo.

Weiß ich's, Herr weiß ich's? Sie ſchritten bis zur Gartenmauer vor ſie öffneten eine Seiten⸗ pforte und traten ein. 3

Höͤlle und Teufel!

Alles Alles. Giebſt Du mir Deine Ehre zum Pfand, daß Alles wahr? Ja, Herzog. Zeecco legte ſeine Hand auf die Bruſt zum Zeichen ſeiner Betheuerung. Mein Kind verlor ich vom Vaterherzen, vom Vaterherzen die Schlange, die ich erzog, hat es mir geraubt, entriſſen! Ja, Fürſt, ſie ſagte, ſie wolle Dir trotzen i nur dem Meiſter Angelo angehören. Dem Meiſter? War das Bild ſein Machwerk? Bartoldo hat es ihm gemalt Bartoldo. Die Lorbeeren ſind unecht unecht, Herzog. Mag er auf falſchen Wegen wandeln das Bild hat er geſchaffen. Streiten will ich nicht aber ein Heuchler iſt er ein Heuchler. Du urtheilteſt immer zu gut über ihn zu gut. Leider, leider!. 3 Biſt hintergangen, betrogen! Treuloſer Bube!

Du? Er verſteckte ſich, denn die Künſtler traten

Sie wollen entfliehen.

Dankes töne heraus aus unſerer Bruſt und kleide ſich

Lorenzo Medici befand ſich in ſeinem Zimmer

Ich ſchwang mich über die Mauer ich hörte

neigt gebr dant ihm iſt h