Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
802
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802 Novellen⸗

Zecco, Girandolo und Domenico, die Schüler Bartoldo's, blieben zurück, denn ſie hatten nicht das Recht, an dem Schmauſe Theil zu nehmen. Sie ſetzten ſich an einem der Tiſche zuſammen und be⸗ obachteten Angelo, der bereits in ſeine alte Apathie verſunken war.

Seht Ihr den Narren? flüſterte Zecco,er träumt immer fort. Ich glaube, ihn plagt das Ge⸗ wiſſen, denn er hat nicht das Prämienbild gemalt.

Ich denke auch ſo, erwiderte Domenico.

Hätte er ein Jahr dazu gebraucht, aber in drei Tagen fügte Girandolo hinzu.

Kommt, laßt uns zu ihm gehen, flüſterte Zecco, und nahm dicht neben Angelo Platz. Die beiden Andern folgten.

Nun, Meiſter Angelo, begann Zecco aufs Neue, indem er ihm einen vertraulichen Schlag auf die Schulter gab,was brüteſt Du? Sind Deine Rieſen⸗ pläne fertig?

Trink! hier iſt Wein, fuhr Girandolo fort, und reichte ſeinem früheren Mitſchüler einen Becher.

Angelo ſtarrte ihn an und gab keine Antwort.

Aha, rief Girandolo,mit Schülern trinkt er nicht mehr, dem Hähnchen iſt der Kamm gewachſen, denn heute erhob ihn da Vinci zum Hahn.

Angelo ſtand auf und rief:Laßt mich allein!

Oho, wie keck! ſprach Zecco.

Nun kräht der Hahn, fügte Girandolo hinzu.

Sag', Angelo, haſt Du das Bild wirklich ge malt? fragte Zecco.

Laßt mich allein! ſchrie Angelo aufbrauſend.

Wie er ſich ſpreizt! ſagte Zecco.

Weil Ihr's verlangt, gebe ich Antwort, rief Angelo zornig.Ich ſtrebe zum Sonnenlicht empor; Ihr, die Ihr Euch in der Dunkelheit befindet, begreift mich nicht das Geiſtesleben ſondert mich von Euch mich laßt meine eignen Wege wandeln die Ziele unſeres Strebens trennen uns für immer!

Wie er's verſteht, mit erborgtem Glanze ſich zu brüſten, fiel ihm Zecco ins Wort,denn Deine Lorbeeren ſind unecht, unecht. Die Leute raunen es ſich in die Ohren, der Meiſter habe Dir das Bild gemalt.

Schurke! rief Angelo, indem er Zecco un⸗ ſanft an den Arm faßte,meine Ehre iſt nicht käuflich!

Na, na, ſo war's nicht gemeint, erwiderte dieſer ſehr kleinlaut;aber mit dem lohnt es nicht zu ſpaßen kommt, Freunde, kommt. Der brauſt und ſprudelt!

Die Schüler verloren ſich im nahen Buſchwerk.

Angelo ſtützte ſein Haupt auf ſeine Hand und ſprach:Laſter und Feigheit paaren ſich unklug iſt's,

Jeitung.

ſich dem gegenüber zu ereifern. Der Neid führt V

den Haß im Gefolge; aber was nützen mir alle Lorbeerkränze ich wünſchte, ich lebte nicht mehrt

Die Tochter Lorenzo's ein armer Bettler, der

heute einen dünnen Kranz errang welch' ein Ab⸗ ſtand! die ſchroffe Kluft iſt unüberwindlich unſer

Leben, unſer Schickſal trennt ſich. Sie wurde ohnmächtig aus dem Saal getragen, Lorenzo's Blick umlagerte tiefer Ernſt er ſprach: Knab', wa⸗

rum thateſt Du das? Du haſt mir meine Zu⸗ kunft in Zweifel geſtellt, denn Annunziata iſt dem Dogen verſprochen. So grüßt kein Bruder ſeine Schweſter warum dieſer Auftritt?« Der Wahn⸗ ſinn trieb mich aus dem Palaſte ich eilte in die Werkſtatt, dort fand ich den Meiſter. Aus⸗ hauchen möͤcht' ich meine Seele, mich ſelbſt und mein erſtes Werk vernichten!

Indem Angelo dieſes Selbſtgeſpräch hielt, be⸗ merkte er aus dem nahen Gebüſche einen Lichtſchein. Eine verhüllte Geſtalt ſchlich ſich hervor und ſchaute ſich ängſtlich nach allen Enden um.

Wer iſt da? fragte Angelo, als die Geſtalt vor ihm ſtand.

Ein leiſer Aufſchrei, der offenbar von einer Frau⸗ herrührte, ertönte die Laterne erloſch.

Biſt Du es, Annunziata? flüſterte er leiſe.

Nein, nein, um Himmelswillen nein aber Dank meinem Glücksſtern, daß ich Euch gefunden! erwiderte die Unbekannte,ich bin Fiorenza,

des Gärtners Tochter folgt mir in den Garten

Riccardi Annunziata erwartet Euch!

Ich bin bereit dazu, rief Angelo.

So kommt!

Beide verſchwanden.

Gemach, gemach, flüſterte Zecco, der aus dem nebenliegenden Buſchwerk hervortrat,ich ſah Dich hier mit einem Mädchen plaudern, das, als Du ihr nahteſt, die Laterne ausloͤſchte! Das iſt Dein Träumen,

Bube, Dein Träumen! Aber alle Welt ſoll jetzt er⸗

fahren, was Du treibſt damit ich's aber ſelbſt beobachte, ſchleiche ich Dir nach. Will ſehen, wo die Wege Dich hinführen aber, Bube zittern ſollſt Du vor mir zittern!

Zecco eilte Angelo und Fiorenza nach.

*

Der Garten Riccardi wurde durch den Vollmond, der eben hinter einer dunklen Wolke hervortrat, pracht⸗ voll erleuchtet..

Ein leiſer, melancholiſcher Windhauch bebte durch die Baumwipfel und das Buſchwerk, deſſen duftige Blüthen geheimnißvoll flüſterten und die Luft mit Wohlgerüchen erfüllten. Trat vor den Mond ein

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dan.

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