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Nicht nach der Form, welche oftmals flüchtig ſcheint, beurtheile man dieſen ſchaffenden Geiſt, man nehme ſich die lohnende Mühe, dem Wege zu folgen, auf welchem die Lenauſche Muſe dahineilt. In jenem Fauſtgedicht— nicht ein Kunſt⸗ werk, ſondern ſo viel Kunſtwerke, als es Capitel zählt— ſchildert er nicht der Menſchheit großartig trauriges Abbild, er conterfeit eine ſtolze, ſpeculirende, geiſtblitzende Perſön⸗ lichkeit von nicht minderem Reiz, eine Perſönlichkeit, welche zu trotzig iſt, den Tod, den plebejiſchen Tod gleich der Ge⸗ meinſten einem ſich aufnöthigen zu laſſen, der den befreienden Dolch ſelbſt ſenkt in die aufrühreriſche Bruſt; faſt ſcheint es, wie Anaſtaſius Grün anführt, der genaue Kenner Lenau's und der Poeſie, der Dichter ſchildre ſich ſelbſt. Der Zwei⸗ felnde will ſich, will die Welt vom Zweifel befreien, er ſchafft den„Savonarola“. Aber das folgende Werk:„Die Albi⸗ genſer“, in welchem der Zweifel für legitim erklärt wird, trägt bei weitem mehr den Stempel der Heiligung: der Him⸗ mel ſchließt ſich auf, der Geiſt Gottes, welcher ſichtbar weht, ruft zum Zweifelnden: zweifle du an deinem Zweifel! Eine wundervolle Skepſis, deren ſchließende Worte lauten wie die⸗ jenigen, welche wir oben angeführt haben!
Während Lenau formt, ſchweigen nicht der Lyra thrä⸗ nenreiche Klänge. Zwiſchen vielen Liedern möchten wir hervorheben den Romanzenkranz„Clara Hebert“.
Ein Fragment„Don Juan“ ſcheint das Reizendſte, was Lenau geſchaffen; wir müſſen lächelnd geſtehen, daß die tändelnde Converſation— beinahe— Wieland in die Schranken ruft. Es war Lenau's letzte Arbeit, deren Schluß⸗ ſeenen, als fühle ſie die nahende Kataſtrophe, die eilende Hand hinzitterte. In jenem Liede weht durchweg ein kecker Zug, da iſt wenig von jener Fiebergluth, welche den Reiz der anderen zu erhöhen ſcheint.
Ja ſie ſind krank, die Lenau'ſchen Lieder, krank bis in's Mark! Die ſtrenge Göttin, welche ſich ihm neigte, gab ihm die gluthbeſeelte Leier, um einen Himmel mächtig zu erſchaf⸗ fen— ſeine Augen thränten über dem großen Glanz, und es ergießt ſich ein Thränenſtrom weithin, überfluthend Selig⸗ keit und Himmelsfrieden.„Die ganze Welt iſt zum Ver⸗ zweifeln traurig!“.....
Wer trägt die Schuld, daß Alles weinend ſcheint?— Sie haben viel an ihm verſchuldet, die ihn grenzenlos liebten. Jedoch das Reinſte, das Gott erſchaffen, ein Frauenbild, iſt im Stande, die Schuld, die ein Jeder im anklagenden Buſen trägt, zu ſcheuchen. So ſpricht der Dichter, ſo ſpricht Fauſt:
„O Frauenſchönheit! Vieles iſt zu preiſen
An dir, in ewig unerſchöpften Weiſen;
Das iſt dein Schönſtes, daß in deiner Nähe
Auch wilde Sünderherzen weicher ſchlagen,
Daß ein Gefühl ſie faßt mit dunklem Wehe
Aus ihrer Unſchuld längſt verlornen Tagen.
Mag auch des Sünders Herz zur Luſt entflammen,
Wenn er in deine Zauberfülle blickt,
Doch ſieht er auch dein Ewiges und ſchrickt
An dir, du Himmelsabgrund! ſcheu zuſammen.“—
Iſt der Wahnſinnige verloren für das ganze ſeeliſche Leben? Weichen nicht die unmuthigen Geiſter, wenn das gebrochene Auge ſtarrt?— Wir wollen glauben, daß der Wahnwitz eine Krankheit iſt, die erzeugt wird, indem Pſyche und der umgebende Körper im Streit liegen: ſo ſteigt der befreite Geiſt aus dem Grabe, welches die Trümmer birgt des letzten Strehlenau. 6.
„Zeitung.
Marchiavelli über die Franzoſen.
„Die Franzoſen ſind,“ ſagt Macchiavelli in ſeinem Cha⸗ rakterbild von Frankreich,„ſo ſehr von Vortheil und Nach⸗ theil der Gegenwart eingenommen, daß ſie niemals Wohl⸗ thaten oder Unrecht der Vergangenheit in ihrem Gedächtniß bewahren, und ſich niemals um künftiges Leid oder Gllck kümmern. Sie ſind mehr zu Händeln und Intriguen, als zur Vorſicht und Klugheit geneigt. Ueber das, was man von ihnen ſagen oder ſchreiben mag, beunruhigen ſie ſich wenig. Sie ſind begieriger nach Reichthum als nach Blut, aber frei⸗ gebig ſind ſie nur mit ſchönen Reden.“
„Wer am Hofe zur Geltung gelangen will, muß viel Geld, Thätigkeit und Glück haben. Begehrt man von ihnen einen Dienſt, ſo denken ſie nicht zuerſt daran, ob ſie ihn zu leiſten im Stande ſein werden, ſondern nur ob ſie Vortheil davon haben können. Wenn ſie Dir nicht nützlich ſein kön⸗ nen, ſo überhäufen ſie Dich mit ſchönen Verſprechungen; können ſie Dir nützen, ſo thun ſie es mit Widerſtreben oder gar nicht. Faſt kriechend im Unglück, ſind ſie unverſchämt im Glück.“—„Sie ſind unbeſtändig und leichtfertig, ſie glau⸗ ben an nichts als an den Sieger. Sie ſind Feinde der Sprache der Römer und ihres Ruhmes.“
Und an einer andern Stelle urtheilt er über ſie als Krieger:
„Die Franzoſen ſind ihrer Natur nach mehr verwegen als kraftvoll und geſchickt; wenn man der Furie ihres erſten Angriffs widerſtehen kann, ſo erliſcht ihr Feuer bald; ſie werden dann ebenſo leicht ſchwach und muthlos, und zeigen ſich feig wie Weiber. Sie wiſſen weder Anſtrengungen noch Mißgeſchick zu ertragen, werden auch bald ſorglos, und dann i*ſt es leicht, ſie zu überraſchen und über ſie zu ſiegen. Die Kriege, welche ſie im Königreich Neapel geführt, bieten dafür eine Menge von Beiſpielen dar, und ein neueres ſah man erſt kürzlich bei Garigliano. Ihre Armee war faſt das Doß⸗ pelte ſtark als die der Spanier, und man glaubte jeden Au⸗ genblick, daß ſie dieſelben verſchlingen müſſe; als aber der
Winter ſich einſtellte und die großen Regengüſſe ihnen fühl⸗
bar wurden, zogen ſie ein Trupp nach dem andern fort, um ſich behaglicher einzurichten, ſo daß die Spanier mit Leichtig⸗ keit, was man nie für möglich gehalten, Sieger wurden.“
„Wer die Franzoſen beſiegen will,“ fährt er bald darauf fort,„muß nur ihrem erſten Anfall auszuweichen wiſſen. Aber man verſtehe es nur ſie hinzuhalten, und man iſt dann ſicher, den Sieg über ſie davonzutragen, wie Cäſar ſagte: Die Gallier waren anfangs mehr als Männer, aber zuletzt wurden ſie weniger als Weiber.“
Die Sternſchnuppen und Meteoriten als ein Quell der Erdbefruchtung.
A. von Humboldt—, ſo ſagt Profeſſor Dellmann— hat in ſeinem vortrefflichen„Kosmos“ eine Ueberſicht gege⸗ ben über die Unterſuchungen, welche den in der Ueberſchrift genannten Gegenſtand betreffen; ſein Bericht geht bis zum Jahre 1851. Hier ſollen Reſultate geliefert werden, welche eine Fortſetzung bilden von jenem Berichte.
Der nordamerikaniſche Schiffscapitän Callum befand ſich am 14. November 1856 mit ſeinem Schiffe 50 deutſche Meilen ſudöſtlich von Java, als auf das Verdeck ein ſchwar⸗ zer Staub fiel, von welchem er eine Partie ſammeln ließ, welche er bei ſeiner Ankunft in Waſhington Herrn Maury übergab, der ſie Herrn Ehrenberg ſchickte. Herr Ehrenberg erklärte den Staub für ein vulcaniſches Produet. Gegen
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