Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
797
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Vierte Folge.

je zumeiſt in des Dichters Werken vermißt. Es klingt faſt vie Hohn, daß derjenige, welcher willenlos einem Künſtler lleicht, zum Dilettanten wird, wenn er Künſtler zu ſein mit jer Gluth ſeiner Seele ringt!

Wir wollen nicht ſchmeicheln. Wir ſind innig überzeugt, ſaß es unſerer Verehrung keinen Abbruch thut, wenn wir be⸗ vnen, daß Nicolaus Lenau über den Dilettantismus nicht ſinausgekommen iſt. Ein Dilettant von ſolchem Genie hätte unter anderen Verhältniſſen ein Gott werden können! Nicht planlos ſchreitet ſeine ſeeliſche Kraft, alle Phaſen der Empfindung durchtoſend, von Gipfel zu Gipfel, und als ſie den Ton leidenſchaftlichſter Beredſamkeit anſtimmt, leiſe kla⸗ jend bald, bald prophetiſch jubelnd, da tritt mit verzerrtem Geſicht das wilde Verhängniß, das beſchworene, hinzu weinend weicht die Muſe und der Abgrund gähnt.

Man zeihe nicht die Göttin der Schuld. Denn das Mal der Dichtkunſt iſt kein Kainsſtempel! Und trotz allem ein Unglücklicher war Lenau nicht! Wenn er mit der Welt in Zwieſpalt ſich befand, wenn Zweifel ihn umkrallte, er hat s nie gewagt, die Göttin anzuklagen, ſie war ihm ſtets die oheitblickende, ſtolze, geheiligt heiligende, er fühlte ſich ihr Prieſter und er betete.

Weit zurück müſſen wir gehen, um den krankhaften Keim aufzufinden, der ſein Leben wie auch das Spiegelbild ſänes Lebens, ſeine Lieder, durchweht und ſich weiten ſollte zwum vollendetſten Wahnſinn. Sein Vater war ein Elender, dem gegenüber ſelbſt ein milder Beurtheiler in Verſuchung ommt, ihn Verbrecher zu tituliren; nur der Knabe kannte ihn; jedoch dieſer Gewiſſenloſe trägt ohne Zweifel die Schuld, daß die heißblütige Mutter, die ihre Liebe wie ihren mütter⸗ lchen Stolz bis tief in's Herz verletzt ſah, all' ihr Gluthge fühl wild geſteigert auf den Knaben übertrug, deſſen kindli⸗ hes Antlitz des Vaters Züge wiedergab. Die Welt urtheilt nicht nach Maßgabe mütterlicher Zärtlichkeit, ſie fordert, ſie ſt rauh und grenzenlos kalt. Wehe dem verzärtelten Herzen, das den Stürmen nicht zu trotzen vermag, welche es umbrau⸗ ſem! Und wenn der Jüngling reine Liebe wähnte, wenn er ſein ganzes Sein einem Mädchen hingab, das kaum mehr umfzuweiſen hatte als Schönheit und lüſtern wilden Sinn,

o mußte das Erwachen aus erregtem Traum ein Gefühl zu⸗

rücklaſſen, das ſelbſt die Dichtkunſt zu verdrängen nicht im Stande war. Unglückliche Liebe iſt das herbſte Weh, das iine Menſchenbruſt faſſen kann aber was iſt ſie gegen dus niederdrückende Gefühl, da verachten zu müſſen, wo man zrenzenlos zu lieben ſich gezwungen fühlt! Das faßt das Herz nicht. Als edlere Geſtalten, idealere Schönheiten, nugendhaftere Seelen das männliche Herz erfüllten, überkam e immer noch den Dichter wie Schamgefühl, wenn er jener ſchmerzhaften Zeit zurückdachte, wo ſchrankenfrei zum erſten Mal der Zweifel zu ihm trat. Er hat ihn nie verlaſſen, mit nundervoller Liebe ſtritt er um das große Herz. Doch trotz nie ausgekämpften Kampfes waltet im Dichter das verklärte Vewußtſein ſiegesfreudiger Zukunft. Man leſe das kühn angelegte Gedicht:Die Albigenſer. Das wunderbar Eugreifende iſt ſchwerlich die Charakteriſtik ſehr ähnlicher Charaktere oder das ewig gleiche Pathos einer eigenthümli⸗ den Sprachweiſe, nicht die ungeheure Schönheit einzelner Strophen das iſt es: der Widerſpruch gegen ſein Selbſt, ggen den philoſophirenden Zweifel, oder mit anderen Wor⸗ en: die trotzige Gewißheit, einſt, einſt wird es anders wer⸗ dan:der Geiſt bricht durch und die glücklichere Menſchheit ſcaut die Wahrheit von Angeſicht zu Angeſicht! Am Ausgang jenes Jahrhunderts, das den Ruhm hat, wie kein

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anderes das kommende Jahrhundert geboren zu haben, ſprach ein Größerer als Nicolaus Lenau in ſeiner ſchlichten, bezau⸗ bernden Weiſe das ähnliche Wort:Soll das menſchliche Geſchlecht auf die höchſten Stufen der Aufklärung und Reinig⸗ keit nie kommen? nie? Laß mich dieſe Läſterung nicht denken, Allgütiger! Nein; ſie wird kommen, ſie wird gewiß kommen, die Zeit der Vollendung, da der Menſch, je überzeugter ſein Ver⸗ ſtand einer immer beſſern Zukunft ſich fühlet, von dieſer Zu⸗ kunft gleichwohl Bewegungsgründe zu ſeinen Handlungen zu erborgen nicht nöthig haben wird; da er das Gute thun wird, nicht weil willkürliche Belohnungen darauf geſetzt ſind, die ſeinen flatterhaften Blick ehedem blos heften und ſtärken ſollten, die innern beſſern Belohnungen deſſelben zu erkennen.

Das Licht vom Himmel läßt ſich nicht verſprengen,

Noch läßt der Sonnenaufgang ſich verhängen

Mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten;

Den Albigenſern folgen die Huſſiten

Und zahlen blutig heim, was jene litten;

Nach Huß und Ziska kommen Luther, Hutten,

Die dreißig Jahre, die Cevennenſtreiter,

Die Stürmer der Baſtille, und ſo weiter.

So ſchließt Nicolaus Lenau.

Vorerſt haftete der Dichterzweifel an jener Scholle, welche Lenau's nicht durch Geburt, wohl aber aus bewußter Anhänglichkeit war an Deutſchland. In jenen Landen, welche man die freien heißt, in den vereinigten Staaten Nord⸗ amerika's hoffte er zu finden, was Deutſchland ihm nicht geben konnte. In jenen Landen, wo nach des Dichters eigenen Worten keine Nachtigall ſchlägt, vermißte er die Poeſie was galt ihm verbildete Freiheit ohne die ſchweſterliche Göt⸗ tin! Als er ſchleunig zurückkehrte, an Stelle vergebener Gel⸗ der, vereitelter Hoffnungen ein Stückchen Weltkenntniß mit⸗ tragend, empfing ihn, der ungekannt von dannen geeilt war, die Poſaune der Berühmtheit. Die erſte Auflage ſeiner Lieder war inzwiſchen erſchienen, jener Lieder, welche das Reinſte ſind, was Lenau je geſchrieben, um deren willen wir ihn ſtetig lieben müſſen; nicht immer ſchön iſt die immer ge⸗ fällige Form, jedoch die tiefe Leidenſchaft reißt gewaltig fort zur Mitleidenſchaft, die Thränen erwecken Thränen! Lenau iſt immer Dichter im ſchönſten Sinn, wenn er nichts anderes als Dichter ſein will; der Philoſoph mag manchmal, wo ein gewichtiger Grund nicht vorliegt, rauh verletzen, der liebens⸗ würdige Dichter glättet die Falten, welche eine arge Welt⸗ weisheit ſchonungslos ſchlug. Es mag die ſchönſte Zeit ſeines Erdenwallens geweſen ſein, als Anerkennung und Liebe den Halbentfremdeten heimiſch machten. Jetzt zumal zweifelt des Zweifels Prophet nicht an ſich ſelbſt; die Kinder der Nacht, die mitringenden Menſchen, weiſen ihm ein gefäl⸗ liges Antlitz; ein ſeltenes Weib tritt, nicht zum erſten Mal, ihm entgegen, aber das Unglück, das wolkengleich über ſeinem Haupte ſchwebt, erweckt Leidenſchaft zu der verheiratheten Frau. Wenn Sophie nicht ſeine tiefe Leidenſchaft erwidert hätte, wenn ſie ſo weiblich geweſen wäre, als ſie klug und geiſtvoll war, ſo hätte wohl der Fluch gewandt werden können, deſſen letzte Zuckungen im Hauſe des Wahnſinns gräßlich erſtarben. Liebe darf ſich in Freundſchaft wandeln, Liebe ſteigt deshalb nicht herab. Ob Sophie dazu angethan war, gerade die feine, gleich erregbare Perſönlichkeit Lenau's als Weib zu beglücken, möchte dahingeſtellt ſein, wir werden es nicht glauben können.

Sicherlich hat auch ſie gewichtigen Antheil, daß. von nun an des Dichters Phantaſie jenen kühnen Flug nimmt, den wir bewundern und zugleich bedauern müſſen.