Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
796
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796 Novellen beſtimmt als Eigenthum Konrad's von Würzburg erkannt worden ꝛc. Natürlich ſind es nicht die Reime allein, die zu ſolchen Ergebniſſen geführt haben, ſondern ebenſo der Vers⸗ bau, die Sprache, der Wortvorrath, aber hauptſächlich doch die erſteren und in vorderſter Linie immer formelle Beweiſe, die als gültig und entſcheidend betrachtet werden.

Von jenem Kriterium hat denn, wie geſagt, Bartſch, unter Hinzuziehen ſämmtlicher deutſcher Dichtungen des 12. Jahrhunderts, umfaſſenden Gebrauch gemacht und damit eine Beweisgrundlage geſchaffen, die umzuſtoßen nach ſeiner Ueber⸗ zeugung ſchwer halten dürfte. Der erſte Abſchnitt ſeiner Unterſuchungen behandelt die urſprüngliche Geſtalt des Gedichts. Es folgt die Erörterung des Verhältniſſes, in welchem die Bearbeitungen zu dem Original und unter ein⸗ ander ſtehen, wobei mit ausgezeichnetem Scharfſinn und Fleiß Bezug auf Metriſches, Sprachliches, Verſchiedenheit im Wortbeſtand, Syntaktiſches, Namen und Verſchiedenheit des Strophenbeſtandes genommen iſt. Wir übergehen die in dieſen Abſchnitten enthaltenen detaillirten Darlegungen mit Rückſicht auf den uns hier gebotenen Raum, wie auch den die Klage behandelnden Theil der Arbeit Bartſch's und ſtellen alsbald die für uns intereſſanteſten Ergebniſſe ſeiner Forſchung in Bezug auf das Alter der urſprünglichen Dich⸗ tung, den Verfaſſer und die Geneſis des ganzen Gedichts in Kürze zuſammen. Bartſch ſtimmt vollkommen mit Pfeiffer's Annahme überein, daß das Nibelungenlied das Werk eines einzelnen Dichters und daß dieſer Dichter zugleich der Ver⸗ faſſer der Strophen ſei, die wir unter dem Namen des Küren⸗ bergers überkommen haben. Der Beweis für dieſe letztere Ueberzeugung wird von Bartſch bis in's Einzelne auf Grund metriſcher und ſprachlicher Thatſachen geführt. Des Küren⸗ bergers Zeit ſetzt er um 1150(ſpäteſtens), mit dieſer Beſtim⸗ mung trifft vollkommen die Art und Weiſe der Reime jenes Sängers überein, nicht minder auch eine Reihe von andern formellen Momenten. Fornmfreiheiten, die in der Faſſung des Nibelungenliedes, wie ſie uns vorliegt, begegnen, machen unzweifelhaft, daß den älteſten uns erhaltenen Geſtaltungen des Gedichts eine ältere zu Grunde liegt, die um 1140 50 zu ſetzen iſt und als deren Urheber der Kürenberger betrachtet werden muß. Es gab zu deſſen Zeiten alte epiſche Lieder aus den Kreiſen unſerer Volksſage, die im Munde des Volkes lebten, kurze in ſich abgeſchloſſene Geſänge, die nur inſofern unter einander zuſammenhingen, als der Stoff des einen die Bekanntſchaft mit dem des andern vorausſetzt. Neben jenen Liedern aber ging eine mündliche, erzählende Tradition her, die vom Vater auf den Sohn ſich vererbte, und dieſe bildete recht eigentlich den gemeinſamen Boden, von dem die Sänger bei der Geſtaltung ihrer Lieder ausgingen. Solche Lieder nun von Siegfried und den Burgunden hat der Dichter des Nibelungenliedes gekannt und ſelbſtſtändig benutzt, einzelne Widerſprüche, die zwiſchen ihnen vorkamen, mochten von ihm, wie Aehnliches auch bei andern Kunſtdichtern nachzuweiſen iſt, unbemerkt oder unbeſeitigt geblieben ſein, Lachmann's Auf⸗ deckung ſolcher Widerſprüche ſteht der einheitlichen Schöpfung des Gedichts nicht, dieſe als unmöglich aufzeigend, entgegen. Das um 1140 entſtandene Original des Nibelungenliedes erfuhr dann um 1170 80 eine erſte Umarbeitung. Inner⸗ halb des Zeitraumes von 30 Jahren war, wie unſere Litera⸗ tur zeigt, die Poeſie formell ſo weit vorgeſchritten, daß ein am Anfange deſſelben entſtandenes Gedicht nicht mehr dem Geſchmack zuſagte: die Reime waren ſtrenger, die Sprache abgeſchliffener geworden. Es beſtand daher dieſe Umarbei⸗

tung(deren Annahme eine ſelbſtſtändige Bartſch's iſt) in einer

Zeitung.

theilweiſen Veränderung alter Reime in modernere, aber

immer noch aſſonirende, wie wir Aehnliches bei gleichzeitigen Dichtungen finden. Erhalten hat ſich von dieſer erſten Umar⸗ beitung ſo wenig etwas, wie von dem Originale, daß ſie aber ſtattgefnden habe, dafür bringt Bartſch(Unterſuchungen, S. 364) überzeugungskräftige Belege bei.

War ſchon um 1170 die Beſchaffenheit der Reime eine weſentlich andere als 1140, ſo iſt der Unterſchied zwiſchen einem Gedicht um 1170 und einem zwiſchen 1190 1200 fallenden beinahe noch größer. Die Aſſonanz war verſchwun⸗ den und hatte der genauen Reimbindung Platz gemacht. So⸗ mit entſtand das Bedürfniß einer Umarbeitung noch mehr als früher. Zwei Dichter fanden ſich ziemlich gleichzeitig zu einer ſolchen veranlaßt. Auch dies Reſultat liefert die Un⸗ terſuchung der Reime. Es finden ſich nämlich in jeder der Bearbeitungen andere Alterthümlichkeiten des Reims erhalten, die nicht erklärt werden könnten, wollte man die eine Umar⸗ beitung aus der andern hervorgehen laſſen. Die Zeit der Bearbeitungen(deren eine von Bartſch als C, die andere als A B bzeichnet wird) läßt ſich mit Sicherheit nur bei C ermit⸗ teln. Sie fällt vor Wolfram's Parcival, d. h. in das letzte Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts. Doch iſt auch die andere aus metriſchen und ſprachlichen Gründen nicht ſpäter zu ſetzen. 65.

Skizzen über Lenau.

Unter andern leichten Blättern findet ſich unter den Fragmenten Wilhelm Goldſchmidt's auch eine Betrach⸗ tung jenes Dichters und ſeiner Schickſale. Wenn wir dieſe Arbeit hier folgen laſſen, ſo geſchieht es nicht, weil wir die Gedankengänge des Verfaſſers durchweg theilen. Wohl aber iſt es erfreulich wahrzunehmen, wie eine wirkliche Begeiſte⸗ rung für jenen Dichter ſich auch in ſolchen Kreiſen verbreitet hat, die mehr dilettantiſchen als ſtreng literariſchen Elemen⸗ tes ſind. Der Verfaſſer ſagt:

Nicolaus Niembſch von Strehlenau verehrt unter dem Pſeudonym Nicolaus Lenau hat vor Anderen, deren Begabung vielleicht eine gleiche war, das unbeſtreitbare Vor⸗ recht, daß ſein Name geſtellt wird zu den reinſten Namen. Die folgenden Blätter werden zu erweiſen ſich mühen, daß es nicht nur das Unglück iſt, welches des Mitleids Recht for⸗ dert. Wunderbar mag es manchem Leſer ſcheinen, wenn⸗ gleich er die ſchönſten Lenau⸗Lieder weiß, daß dem Dichter der Skepſis die ſchuldloſen Blumen gebühren. Sie aber, holde Herrin, werden im Stande ſein, auch die Schuld des Dichters zu weihen; wer über den Genius, den zu verehren er ſich nicht entbrechen kann, keine Thränen vergoß, der hat ihn nie verſtanden!

Es iſt nicht unſere Abſicht eine biographiſche Skizze zu entwerfen, wie es vor uns in würdiger Weiſe Anaſtaſius Grün und, dürftig genug, Herr Schurz gethan. Und den⸗ noch möchten wir ſagen, das letztgenannte Werk iſt eines der herrlichſten Bücher, welche die Neuzeit zum Leben rief; um anſcheinend Widerſprechendes zu reimen, müſſen wir berich⸗ ten, daß das Werk eine Zuſammenſtellung Lenau'ſcher Briefe iſt, welche der Verfaſſer mit ſchlechtem Kitt zuſammenfügte. Charakterwahrheit war eine der ſchönſten Tugenden unſeres Dichters, und hat er ſchon zu öfterem unwiſſend ſich ſelbſt betrogen, eine bewußte Unwahrheit ſtand ihm ewig fern; ſo ſind dieſe Briefe der Nachwelt ein ſchönes Denkmal, und ſind es um ſo mehr, weil ſie zum Theil den Stempel kunſtgerechter Vollendung tragen, einer Vollendung, wie man

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