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mationale oder fremde Sagen oder auch didaktiſche Stoffe be⸗ handeln, zeigen eine von der Nibelungenſtrophe abweichende Geſtalt. Erſt in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als ſich nicht blos im bürgerlichen und Staatsleben die Be⸗ griffe von Mein und Dein zu verwirren und die Bande des Geſetzes und der Ordnung zu lockern begannen, gelangte der Nibelungenvers, zum Theil nicht ohne Zerſtörung ſeiner urſprünglichen Form, zu allgemeinerer Anwendung. So galt alſo derſelbe Brauch in der Epik wie in der Lyrik. Feder achtete auch dort die ſelbſterfundene Tonweiſe des An⸗ dern als Privateigenthum.
Es erhellt aus dem bis hierher Dargelegten, daß die Nibelungenſtrophe keine überlieferte, daß ſie kein National⸗ eägenthum, daß ſie vielmehr die freie Erfindung eines Ein⸗ zelnen und als ſolche von den Zeitgenoſſen anerkannt war. Mit dieſer Thatſache ſtimmt aber ſchlechthin nicht die Annahme, die Nibelungenſage ſei durch eine Reihe von Volksſängern und Spielleuten, die gleichzeitig und ohne von einander zu wiſſen ein und derſelben Strophe ſich bedient, bearbeitet. Mit einem Wort, Lachmann's Volksliedertheorie hält vor jener Betrachtung nicht Stich.
Wer aber war der Urheber oder Erfinder jener⸗Strophe? Die Antwort kann, wie Pfeiffer glaubt, mit voller Sicherheit gegeben werden. Unbeſtritten gilt als der älteſte deutſche Liederdichter der unter dem Namen des„Kürenbergers“ bekannte Minneſänger. Wir haben über deſſen Lebenszeit zwar keine directen Angaben, gewiß jedoch iſt, daß er dem urkundlich von 1143— 71 nachgewieſenen Dietmar von Aiſt vorausgeht, daher ſich für die Zeit ſeines Wirkens ungefähr die Jahre 1120— 1140 ergeben. Von ſeinen Liedern, die zu den friſcheſten und volksmäßigſten der ältern Lyrik gehören, ſind nur wenige auf uns gelangt, im Ganzen nur 15 einzelne Strophen. Der Bau dieſer Strophen ſämmtlich aber ent⸗ ſpricht genau dem der im Nibelungenliede durchweg herrſchen⸗ den. Die Zahl der Zeilen und der Hebungen, das Maß und die Structur der Verſe, ſie ſind dieſelben hier wie dort. Da nun der Kürenberger der Erſte iſt, der jene Strophe gebraucht, muß er auch ihr Erfinder ſein, was obendrein durch das ausdrückliche Zeugniß beſtätigt wird, daß der Dich⸗ ter einer der unter des Kürenbergers Namen überlieferten Lieder das Maß, in welchem dieſe verfaßt ſind, als„Küren- berges Wise“ bezeichnet.
Die Nibelungenſtrophe iſt alſo das Eigenthum des Kürenbergers, und nach Pfeiffer's Anſicht darf deshalb auch mit Beſtimmheit angenommen werden, daß jener und der Dichter des Nibelungenliedes eine Perſon ſind. Dem ſcheint freilich entgegenzuſtehen, daß unſer größtes Epos die Geſtalt, in der es uns vorliegt, nicht vor dem Jahre 1190 empfangen haben kann, wie ſich unzweifelhaft aus der Beſchaffenheit ſeiner Verſe und Reime ergiebt. Erſt in den Jahren 1185 bis 90 wurde durch Heinrich von Veldeke(Aeneide) in deut⸗ ſcher Dichtung neben regelmäßigem Versbau volle Genauig⸗ kit, voller Gleichklang der Reime ein⸗ und durchgeführt. Während noch wenige Jahre vorher in den Reimen große Willkür geherrſcht hatte und oft blos Aſſonanz genügend gefunden war, änderte ſich das ſeit dem Auftreten des auch durch das ganze Mittelalter als Vater der höfiſchen Poeſie geprieſenen Veldekin. Wäre nun das Nibelungenlied in ſüner gegenwärtigen Geſtalt vor 1190 gedichtet, ſo würde et ſicherlich die gleichen Reimfreiheiten wie die früheren Dich⸗ tungen aufweiſen. Dies iſt nicht der Fall. Schon Holtz⸗ mann aber hat ſcharfſinnig nachgewieſen, daß unſer Nibe⸗ lungenlied nicht das urſprüngliche Werk des Dichters, ſondern
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die ſpäter, nach dem verfeinerten Geſchmack der höfiſchen Welt vorgenommene Umarbeitung eines älteren Gedichts iſt. Die Thatſache dieſer ſpäteren Abfaſſung, deren älteſte Geſtalt in der Laßbergiſchen Handſchrift(C) vorliegt, widerſpricht dem⸗ nach keineswegs der Identificirung des Kürenbergers und des eigentlichen Nibelungendichters. Für dieſelbe bieten ſich aber noch weitere ſtützende Momente dar.
Die Lieder Kürenberg's unterſcheiden ſich in Form und Inhalt von den Erzeugniſſen der ſpäteren ſubjectiven Lyrik. Sie ſind in's Epiſche hinüberſpielende, romanzenartige, unge⸗ mein friſche, oft dramatiſch lebendige Gedichte, und ihrem Verfaſſer darf man mit gutem Fug die Kraft zu einem größer ausgeführten Epos zutrauen. Wir ſtoßen auf Uebereinſtim⸗ mendes in Bildern, Reimendungen und eigenthümlichem Wortgebrauch bei jenen Liedern und dem Nibelungenlied. Es iſt durch die gründlichen Forſchungen des Ritters von Spaun, Holtzmann's und Zarncke's nachgewieſen, daß das Nibelungenlied an der Donau, in Oeſterreich verfaßt worden. An den Ufern dieſes Stromes war auch der Kürenberger zu Hauſe, noch heute trägt ein von Linz ſtromaufwärts ſich ziehender Bergrücken einen verwandten Namen, von 1100— 1160 und ſpäter erſcheinen in öſterreichiſchen Urkunden zahl⸗ reiche Glieder ſeines Geſchlechtes.„Wenn ich,“ ſagt Pfeif⸗ fer,„eine Vermuthung wagen darf, ſo war unſer Dichter jener Magenes von Kürenberg, der in einer Urkunde des Biſchofs Reginmar von Paſſau als Zeuge erſcheint,“ wofür u. A. auch der Umſtand ſpricht, daß der Dichter unſeres Epos in Paſſau die beſte Gelegenheit hatte, das über hundert Jahre früher dort entſtandene lateiniſche Buch von den Nibe⸗ lungen kennen zu lernen, das ihm als Quelle für ſein Gedicht gedient hat und an deſſen Exiſtenz nach dem ausdrücklichen Zeugniß der um 1200 entſtandenen„Klage“ nicht zu zwei⸗ feln ſteht.
Wir wenden uns hier, die fernere Ausführung Pfeiffer's, welche darzuthun ſucht, daß des Kürenberger's Heldenlied zu⸗ gleich die„erſte herrliche Frucht der Betheiligung des Ritter⸗ ſtandes an der deutſchen Poeſie“ ſei, übergehend, zu den von Bartſch gewonnenen Refultaten ſeiner Nibelungenſtudien.
Dieſelben haben gleichfalls das für Aechtheit und Un⸗ ächtheit mittelalterlicher Dichtwerke ungemein wichtige Krite⸗ rium der metriſchen Formen, zumeiſt aber(und hierin liegt beſonders das Neue und Selbſtſtändige der jüngeren For⸗ ſchungen Bartſch's) die Reimverhältniſſe in Unterſuchung gezogen. Aus den Reimen vermögen wir zu erkennen, ob ein Werk wirklich von dem Dichter herrührt, dem es zuge⸗ ſchrieben wird, ſobald andere Werke deſſelben den Vergleich zulaſſen. Durch die Reime läßt ſich feſtſtellen, ob ein Dich⸗ terwerk der angegebenen Zeit und Heimath entſpricht, ob es den Charakter trägt, den andere Gedichte derſelben Zeit und Gegend aufweiſen. Namenlos überlieferte Gedichte vermö⸗ gen wir auf Grund des Reimes in vielen Fällen mit Sicher⸗ heit einem ſchon bekannten Dichter zuzuſchreiben, indem wir die Gleichartigkeit des an den Reimen hervortretenden Sprach⸗ gebrauchs zeigen. So iſt es gelungen, den Lobgeſang auf Chriſtus und Maria, den die Handſchriften Gottfried von Straßburg beilegen, als ein dieſem Dichter untergeſchobenes Werk darzuthun, das erſt am Ende des 13. Jahrhunderts entſtanden iſt; ſo können wir die Weltchronik des Rudolf von Ems von der Arbeit ſeines Fortſetzers unterſcheiden; ſo ge⸗ lingt es, die unter des Strickers Namen überlieferten Bei⸗ ſpiele in ächte und unächte zu ſondern und andere Beiſpiele, die des Strickers Namen nicht tragen, als deſſen Werk anzu⸗ ſprechen; ſo ſind einige namenlos überlieferte Dichtungen
Folge.


