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790 Novellen⸗
Wo die Maid umkränzet des Buben Bruſt, Wo die Herzen ſchlagen vor Wonne und Luſt, Chor: Sei Wein, Wein, Wein, Vom Arnothal funkelnder Wein! Solo: Wo der Mond erhellet die düſtre Nacht, Wo die Krieger ziehn in die heiße Schlacht, Wo der Pilgrim fromm zum Kloſter wallt, Wo ein donnernder Chor zum Himmel ſchallt, Chor: Sei Wein, Wein, Wein, Vom Arnothal funkelnder Wein! Solo: Wo Kunſt und Wiſſenſchaft erblüh'n, Wo edle Herzen für Freiheit glüh'n, Wo der Lorbeer die Stirn des Meiſters umſchlingt, Wo der Becher kreiſend in Freude klingt, Chor: Sei Wein, Wein, Wein, Vom Arnothal funkelnder Wein!
Tritt näher, beſchaue die Gruppen vor dem Hauſe, du rufſt:„Wahrlich, ein entzückendes Bild!“
Dort ſitzt eine Anzahl junger Männer an einem reich mit Blumenguirlanden verzierten Tiſche, hier vertiefen ſich bärtige Geſtalten in ernſte Geſpräche, aber Frohſinn und Friede lächelt aus Aller Zügen. Auch der Herzog Lorenzo di Medici iſt zugegen.
Leonardo da Vinci umgiebt ein Zuhörerkreis; er ſpricht über Sculptur, Maleret und Kunſt. Des Meiſters Worten lauſcht Jedermann, denn ſelten hat man das Glück, ihn hier zu haben— und morgen zieht er gen Mailand in ſeine Heimath.
Das Lied verhallt— der Chor iſt beendet
„Wer hat's zum Feſte gereimt?“ fragt Leonardo da Vinci.
„Pica von Mirandolo, der Dichter,“ rufen viele Stimmen.
„Brav, brav,“ ſpricht der ergraute Meiſter,„Ge⸗ ſang erfreut des Menſchen Herz und läßt neues Leben durch die Pulſe ſtrömen, und— aufrichtig: ein Feſt ohne Geſang iſt wie ein Mahl ohne Wein.“
„Wie ein Donnerſturm brauſte das Lied, ſeine Weiſe klang wie Harfenton— doch Mirandolo, ge⸗ liebter Freund,“ rief Girlandajo,„improviſire— improviſire!“
„Improviſire, Mirandolo!“ klang es aus allen Kehlen.
Mirandolo, ein junger, dunkellockiger Mann mit blauſchwarzem Bart, in maleriſchem dunklem Coſtüm, nahm die Mandoline, ſtieg auf einen der Tiſche und begann, während er klangvolle Accorde auf den Saiten griff, ſein Impromptu. Um ihn gruppiren ſich die Künſtler— Alles lauſcht, jeder horcht den Klängen und der poetiſchen Begeiſterung des allgemein beliebten Poeten. Die Sonne wirft den Scheideſtrahl um das Haupt des Gefeierten, iſt's doch, als lege ſich um daſſelbe eine Strahlenkrone.
Mirandolo ſpricht— dazwiſchen tönt der Accord:
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Zeitung.
„Seht ihr den einſamen Stern am nächtlichen Himmel? Ein trüber Wolkenſchleier ſucht ihn zu verhüllen, aber immer aufs Neue dringt er hervor, aufs Neue fallen ſeine Strahlen hernieder auf die Erde, deren Nachtgewand geſpenſterhaft über Hain und Anger gleitet.
Wer iſt der Stern, ahnt Ihr es? Es war Coſimo de Medici! Und ſiehe,— das Morgenroth am Himmel beginnt zu tagen, der Stern mit ſeinem geheimnißvollen Winken, ſeinem Glanze erliſcht, und die Sonne, blendend in ihrem Feuer, erhebt ſich aus langem nächtigem Schlummer. Vor ihr flieht das Gewölk wie das böſe Gewiſſen unedel denkender Seelen und eilt dahin, am Horizont in einen Hauch ſich auf⸗ zulöſen. Und flammend enthüllt die Sonne ihr reiches Gewand— ſie ſteigt höher und höher, ihr Feuer erwärmt die Welt,— Knospen und Blüthen ent⸗ falten ſich.
Ja, die Sonne des Sieges durchbrach die Nacht, der Geiſt beſiegte die Finſterlinge.— Es ſtieg die Kunſt empor aus langem Schlummer, geweckt durch einen edlen Fürſten, einen Menſchen, wie er ſelten auf der Welt gelebt! Alſo auf, nehmt den Becher, hoch klinge das Lied der Kunſt— hoch toͤne das Lob Lorenzo Medici's! Dank und Liebe Dir, Geiſtes⸗ fürſt!“——
Indeß ſtieg der Mond am Himmelsdom empor und warf ſein falbes, geiſterbleiches Licht auf die Gruppen der Künſtler, und ein leichter Abendwind bebte durch die Zweige des Baumlaubes.
„Hoch, hoch,“ riefen Alle,„dem Fürſten, der die Kunſt verehrt!“
„Hab' ich das Lob verdient, Ihr Freunde?“ ſprach Lorenzo, indem ihm eine große Thräne ins Auge trat.„Meinem Vaterlande, meinem Volke, das mich zu ſeinem Herzog, zu ſeinem Fürſten erhob, galt dieſes Streben, und Fürſtenpflicht erheiſcht die Kunſt zu ehren und zu fördern!“
„Nimm auch von mir, Magnifico, meinen Dank,“ ſprach der graue Leonardo da Vinci,„für alle Deine Liebe und dieſes Feſt, das Du den hieſigen und fremden Meiſtern giebſt. Wer nie den goldnen Reben⸗ ſaft genoſſen, nie ſchwelgte im Kreiſe froher Zecher, nie eine Jungfrau liebte, nie der Liebe ſehnliches Verlangen gefühlt, es nie fühlte, was Freundſchaft iſt, nimmer ſein Auge zum Sternenzelt erhob und Gottes Wunderwerke geprieſen, wer nie die Welt geliebt und das Leben und an eigener Stärke zweifelte, iſt nicht werth, daß ihm der Traube Blut im Becher geſchäumt! Wer aber nicht Mannesmuth beſaß und jede Mühe ſcheute, dem wäre es beſſer, er hätte nie
das Licht des Tages erblickt; er hat das Anrecht,
Angelo, den Lal dorgine


