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ſich die dunklen Locken von der Stirn—„hier ſteht auf Nr. 9 ein langer Strich und hinterher ein A., darunter ſchwebt ein von einem Pfeil durchbohrter Adlerflügel.“
„Das Wappen des Meiſters, der unbekannt bleiben will und ſich mitbewirbt,“ erwiderte die Duenna.
„Sollte das Michael Angelo ſein?“
Die Matrone ſchaute ſchnell empor und fixirte das Mädchen mit ihren grauen, ſtechenden Augen und erwiderte:„Träumſt Du, Kind?“
„Aus einem Schüler kann ein Meiſter werden.“
„Er iſt noch zu jung.“
„Talent und Fleiß erringt oft früh den Lorbeer.“
„Daß Du noch immer des Knaben gedenkſt, Annunziata; das Kloſter einigte Eure, Kinderjahre, ſonſt trennt Dich von ihm Geburt und Stand. Du biſt auch des Dogen Braut.“
„Steht Michael Angelo unter mir?“ fragte Annun⸗ ziata erſtaunt.„Bin ich dem Dogen ſchon verlobt? Der Künſtler iſt ein Geiſterfürſt und gebeut im Reiche der Phantaſie, darum ſteht mir ein Geiſtesfürſt viel höher als der höchſte Fürſt der Menſchen.“
„Du ſprichſt, als wäre Angelo der größte Meiſter. Wenigen dieſer Erde iſt's vergönnt, auf der Ruhmes⸗ ſtaffel emporzuklimmen.“
„Eine große Seele kann nur Großes ſchaffen.“
„Schwärmerin, Dir lacht noch die Welt in ihrem wonnevollen Farbenglanze. Dir prangen noch die Roſen der Jugend, noch knickte Dir kein Lebensſturm die Blüthen, es ſcheinen Dir alle Menſchen treu und gut. Werd' älter, Annunziata, bald erkennſt Du, daß die Welt Dich enttäuſcht, daß Deine Träume nie Wahr⸗ heit werden, daß dieſes kurze arme Daſein ein langes Dulden, ein langes Entſagen iſt. Dann ſchweift Dein Blick nur hinüber zu Erinnerungen— das entflohene Glück aber kehrt nimmer wieder.“
„Ich verſtehe Dich nicht.“
„Uns ſtrahlt die Jugend wie die am Himmel erwachende Morgenröthe, ſie kennt nicht des Alters Sorg' und Mühe und bricht die Roſen, die am Wege ſtehen. Breit iſt ihr Pfad, das Ziel unbekannt. Nun rückt des Lebens Höhenpunkt heran, kaum weiß man es, wie ſchnell, ach wie zu ſchnell die Zeit entflohen, ſpärlicher kommt die Freude und der Pfad, auf dem wir wandeln, engt ſich mehr zuſammen— ſo kommt der Menſch an's Ziel— der Tod ſetzt ſeine Grenze!“
„Wie Du redeſt!“
„Wehe dem Menſchen, der in ſeiner Jugend durch Uebereilung ſich Trübſal zuzog! darum vermähle Dich dem Dogen, das Staatenwohl gebeut es.“
„Das Staatenwohl?“ rief Annunziata und eine
Novellen⸗
Zeitung.
Röthe ſtieg ihr in's Antlitz;„was ſagt dazu mein Herz, mein eignes Ich?“
„Es muß ſchweigen.“
„Träte Angelo als Künſtler vor mich hin und ſchmückte ſeinen Scheitel ein Lorbeerkranz und würbe er um meine Hand und meine Liebe, würde ich mit Freuden ſeine Gattin. Ich gab meinen Vater nicht das Jawort,— ich kann mich nimmer dem Dogen vermählen.“
„Das ſpricht aus Dir das unerfahrne Kind, der Vater urtheilt anders.“
„Wir ſind dem Bürgerſtand entſproſſen und ſtolz auf unſere Herkunft— Angelo ſtammt aus dem Hauſe Canoſſa— und Du weißt, meine Bitten erfüllte ſtets der Vater.“
„Dieſe nimmer, nimmer! Nicht Liebe leitet der Fürſten Ehe, eine andere Rückſicht zwingt ſich ihnen auf.“
„Will er meinen Untergang?“
„Nur Dein Glück!“
Annunziata ſtarrte vor ſich nieder und griff ſich mit der Hand durch die dunklen Locken.
Peregrina ſchaute ſie bewegt an und fragte: „Wo weilen Deine Gedanken?“
„Peregrina,“ begann die Jungfrau,„Du warſt auf meiner ſtillen Lebensbahn mir eine Mutter, die mich treu beſchützt, Du theilteſt meine Sorgen, meine Schmerzen, darum will ich Dir mein Vertrauen ſchenken, Du verdienteſt es ja in vollem Maße.“
„Du machſt mich beſorgt, mein Kind.“
„Ich ſah ihn wieder,“ ſtammelte Annunziata.
„Wen?“
„Den Angelo!“
„Wo?“
„Im Dome Maria del Fiore.“
„Erkannte er Dich?“
„Ja.“
„Haſt Du Dich auch nicht getäuſcht?“
„Nein, o nein!“
„Du haſt ihn geſprochen?“
„Das nicht. Als wir den Dom verließen, drängte er ſich durch die Menge— allein er fand mich nicht. Weiter nachforſchen durfte ich nicht, denn ich weiß, daß Du mich deshalb immer tadelſt.“
„Gedenke ſeiner, allein— nichts weiter.“
„Warum denn nicht?“
„Sei ihm eine Schweſter, er ſei Dir Bruder.“
„Ich ſchlage die Hand des Dogen aus, weil ich ihn liebe. Verſteht mein Vater mich nicht?“
„Die Tochter des Hauſes Medici muß würdig ihres Hauſes ſich vermählen.“
„Jeder Menſch verſchafft ſich ſeine Wurde und
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