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des Berges El⸗Arafat unterziehen. An dem zu dieſer Feier⸗ lichkeit angeſetzten Tage wird eine Unmaſſe von Thieren geopfert und man wird begreifen, welche Anſteckungskeime deren aufgehäufte Ueberreſte unter dieſer ſchlecht gekleideten, ſchlecht ernährten und ſchon auf der Reiſe vom Fieber ergriffe⸗ nen Menſchenmaſſe entwickeln müſſen.
Zu dieſen gewöhnlichen Urſachen der Sterblichkeit iſt in dieſem Jahre noch eine neue hinzugekommen, die Cholerine. Die Commiſſion, welche ſich bei dem Beginn der Feſtlichkeiten auf den Berg El⸗Arafat begeben hatte, hat beſtätigt, daß dieſe ſpecielle Krankheitserſcheinung namentlich die Greiſe und die Kinder heimſucht, bei den übrigen Altersclaſſen aber ſehr ſelten auftritt und dann leicht heilbar iſt. Am erſten Tage forderte die Cholerine einige Opfer unter den eng zu⸗ ſammengeſchaarten Pilgern, am zweiten Tage zeigten ſich Symptome unter mehreren Militairs und Bewohnern des Landes, in der Nacht zum dritten Tage trat ein Zuwachs ein. Nach der Anſicht der Commiſſion exiſtirte die Cholerine vor der Ankunft der indiſchen Karawanen noch nicht in Mekka, und dieſe Annahme wird durch die Thatſache beſtätigt, daß die Krankheit namentlich unter den Karawanen ihre Ver⸗ wüſtungen angerichtet hat. Aber wir müſſen hinzufügen, daß dieſe Verwüſtungen ſich auf den eigentlichen Ort des Feſtes beſchränken. In dem Hospital zu Djeddah, welches ungefähr hundert Kranke aufnehmen kann, haben die Commiſ⸗ ſaire nur etwa ein Dutzend gefunden, wovon blos fünf an der Cholerine ſtarben, die übrigen ſieben befanden ſich bei ihrem Beſuch in völliger Geneſung.
Die Hadjis, welche den Weg durch Aegypten nehmen, ſind alſo ſchon den in Mekka herrſchenden Krankheitseinflüſſen unterworfen geweſen und es iſt kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß ſich eine contagiöſe Krankheit unter ihnen entwickeln könnte, blos weil ſie ihren Rückweg von Djeddah in engen Dampfbooten bewerkſtelligen(?). Auf dem„Lord Clyde“ wurden einmal 2000 Perſonen eingeſchifft und es ſtarben davon nicht mehr als 8. Die contagiöſen Krank⸗ heiten offenbaren ſich aber unter ſolchen Bedingungen durch eine ganz andere Opferzahl. Es ſoll jedoch damit nicht geſagt werden, daß dieſe Zuſammenſchichtung von Reiſenden den Geſundheitsvorſchriften entſpreche, und die Thatſachen beweiſen auch, daß dieſe Sterblichkeit ihr beizumeſſen iſt. In jedem Jahre, ſobald ſich die Pilger wieder zu zerſtreuen anfangen, beginnt auch die Krankheit weniger intenſiv zu werden und die Sterblichkeit nimmt wieder ihre gewöhnlichen Verhältniſſe an.
Wir wiſſen nicht, wie die ägyptiſche Commiſſion, von welcher dieſer Bericht herrührt, zuſammengeſetzt iſt; möglicher Weiſe ſind einige europäiſche Aerzte darunter geweſen. Aber wir geben zu bedenken, daß Chriſten die heiligen Städte gar nicht betreten dürfen und daß daher die wichtigſten Erhebun⸗ gen durch eingeborne Aerzte haben angeſtellt werden müſſen. Es iſt daher Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Unterſuchung etwas unvollkommen ausgefallen ſein mag.
Wir fügen zur Belehrung unſerer Leſer noch einige Details hinzu.
Die Pilger ſtrömen von allen Punkten des alten Con⸗ tinents herbei und ihre Anzahl beläuft ſich auf 50 bis 60,000; von Einigen wird ſie ſogar viel höher geſchätzt. Die heiligen Bücher ſagen darüber:
„Es werden ihrer 70,000 ſein, und wenn dieſe Ziffer nicht erreicht wird, ſo wird ſie durch Engel ergänzt.“
Sie ſollen ſich an dem nämlichen Tage zwei Tagereiſen vor Mekka an dem Rande von El⸗Hiram einfinden, einem
Novellen⸗
Zeitung.
weiten myſtiſchen Kreiſe, in deſſen Mittelpunkte die heilige Stadt liegt.
Ehe ſie El⸗Hiram betreten, ſollen ſich die Pilger(Hadjis) reinigen; es iſt ihnen verboten, ihren Körper zu pflegen. Dieſes Gebot wird in ausgedehnteſter Weiſe befolgt. Der General Daumas ſagt hierüber:„Die Thiere, welche auf dem Menſchen entſtehen oder ihn behaften, ſoll er ruhig weiden laſſen. Den Floh darf er zwar fangen, aber er ſoll ſich hüten ihn zu tödten und ihn auf die Erde niederſetzen, denn er kann in dem Sande leben, wo die Laus nicht leben kann. Wenn er die Inſecten verjagt, welche auf den Körpern der Kameele weiden, ſo ſoll er den Armen eine Hand voll Mehl ſchenken.“
Es iſt einleuchtend, daß ein ſolcher raffinirter Schmutz auf die Entſtehung und Entwickelung von Epidemien nicht ohne Einfluß bleiben kann.— e.
Molidre-Anekdoten.
Die meiſten Anekdoten, die von berühmten Männern erzählt werden, zeichnen ſich dadurch aus, daß ſie niemals vorgefallen ſind. Auch die folgenden beiden, welche Baudiſſin in ſeinem neuen trefflichen Werke mittheilt, möchten ſich ſchwer
als völlig wahr verbürgen laſſen, doch charakteriſiren ſie die
Zeit und ihren Mann.
Molisre war, wie ſo viele Komiker, eine melancholiſche, beobachtende, ſchweigſame Natur, dabei aber der treueſte, zu⸗ verläſſigſte Freund. Zu ſeinem intimſten Umgang gehörten ſein vormaliger Mitſchüler, der muntere, etwas zu ſehr dem Wein ergebene geiſtreiche Dichter Chapelle, Boileau, Lafon⸗ taine, der Maler Mignard, Racine, P. Corneille und der berühmte Componiſt Lulli. In den Memoiren, die Racine der Sohn herausgegeben hat, wird folgendes hübſche Ge⸗ ſchichtchen erzählt. Boileau, Lulli, Chapelle und der junge Schauſpieler Baron(Molière's Lieblingsſchüler) mit noch einigen Freunden hatten ihn auf ſeinem Landhauſe in Au⸗ teuil beſucht und ihn um ein Abendeſſen gebeten. Molisre, der unwohl war und das Zimmer hüten mußte, bat Chapelle, den Wirth zu machen; das beſorgte dieſer mit ſolchem Erfolg, daß die Köpfe ſich ſehr bald erhitzten. menſchliche Leben zu ſprechen und gerieth in eine melancho⸗ liſche Stimmung. Ja, man vertiefte ſich in Betrachtungen über den Satz, das höchſte Glück beſtehe darin, nicht geboren zu ſein, und jedenfalls recht bald zu ſterben. Endlich ver⸗ ſtieg man ſich zu dem gemeinſam gefaßten Entſchluß, dieſem thränenvollen Daſein ein Ende zu machen. Der Fluß war in nächſter Nähe: es ward vorgeſchlagen, ſammt und ſonders ſich hineinzuſtürzen, und wer weiß hätten die weiſen Philo⸗ ſophen den Plan nicht ausgeführt, wenn der junge Baron ſeinen Meiſter nicht davon in Kenntniß geſetzt hätfte. Mo⸗ liere kam augenblicklich herunter, und als er ſich überzeugt, daß Vorſtellungen hier nichts ausrichten würden, warf er ſeinen Gäſten vor, das ſei nicht freundſchaftlich gehandelt; was er ihnen denn zu Leide gethan, daß ſie ſich ohne ihn hätten ertränken wollen und rief:„So komm alſo gleich mit heraus.“„Nicht doch,“ ſagte Molière;„das hätte keine Art. Eine ſo erhabene Handlung darf nicht bei Nacht und Nebel unternommen wer⸗ den; morgen früh, wenn wir alle ausgeſchlafen haben, wol⸗ len wir uns mit dem Kopf voran in's Waſſer ſtürzen.“ Alle ſtimmten dem Vorſchlag bei und Chapelle entſchied, man ſolle morgen in's Waſſer ſpringen, heut
was vom Wein übrig geblieben ſei. Es braucht nicht hin⸗
2— Chapelle gab ihm völlig Recht
aber noch austrinken, ſ
Man kam auf das
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