Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
780
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So wenig Rouſſeau heutzutage, abgeſehen von den unauslöſchlichen Pinſelſtrichen, welche die Natur über die Landſchaft um ſeinen Lieblingsſee gezogen, das mit doppeltem Schienenwege ausgeſtattete Nordufer, die geſprengten Felſen von Meillerie, die Palaſtreihen von Genf, Clarens mit den weißen Landhäuſern und vieles Andere wiedererkennen dürfte, ſo große Mühe würde es Fielding machen, welcher im Jahre 1753 auf ſeiner Reiſe nach Liſſabon unfreiwillig an der Inſel landete, in den ſtattlichen Hotels, Paläſten und Villen und in der blühenden Stadt mit achttauſend Einwohnern das Fiſcherdorf Ryde zu erkennen. Anſtatt des Kahnes würden ihm jetzt mehrere Dampfſchifflinien zur Verfügung ſtehn und er unter den verſchiedenſten Stunden die Abfahrt zu wählen haben; eine Taſſe guten Thees den ihm damals gereich⸗ ten hatte er für einen Aufguß von Tabaksblättern erklärt würde er mittelſt des unterſeeiſchen Telegraphen vorausbeſtel⸗ len können.

Statt in der Nothwendigkeit zu ſein, auf den Schultern der Schiffer zur Ebbezeit ein gut Stück durch den Schlamm, in welchem kein Gehen noch Schwimmen möglich, getragen zu werden, würde ſich ihm eine prächtige mehr als tauſend Schritt lange Landungsbrücke entgegenſtrecken, an der das Schiff zu allen Zeiten unter einem Pavillon bequem anlegen kann, wo mit ihm zugleich vielleicht hundert Perſonen lan⸗ deten und er auf dem als Promenade dienendenPier zwiſchen zahlreichen Gruppen neugieriger Töchter Albions hindurch zu wandern hätte, deren Toilette ihn durchaus nicht an ärmlich gekleidete Fiſchermädchen erinnerte. Ja, er würde neben dieſer Brücke eine zweite neu erbaute erblicken, von der aus es ſich eine beſondere Compagnie zur Aufgabe geſtellt hat, auf einem noch näheren Wege und in noch kürzerer Zeit Paſſagiere und Güter vom Feſtlande zur Inſel herüber und umgekehrt zu befördern. Auch dieſe dürfte, wenn aus den Provinzen und der Hauptſtadt während der ſchönen Jahres⸗ zeit die wahrhaft billigen Ertrazüge allwöchentlich ihre Schaa- ren von Beſuchern über den Canal der Wight zuſenden, voll⸗ auf zu thun finden..

Dupin der Aeltere.

In dem kaiſerlichen General⸗Procurator am Caſſations⸗ hofe, Dupin, welcher am 9. November um Mitternacht in Paris verſtorben iſt, hat Frankreich nicht blos einen ſeiner älteſten, ſondern auch ſeiner ausgezeichnetſten Rechtsgelehrten verloren, und da derſelbe überdies ſeit funfzig Jahren in der franzöſiſchen Geſchichte eine ſehr hervorragende Rolle geſpielt hat, ſo verdient er es wohl, daß wir hier Näheres über ſein Leben mittheilen.

André Marie Jean Jacques Dupin, gewöhnlich Dupin der Aeltere genannt, wurde am 1. Februar 1783 in Viarzy im Nièvre⸗Departement geboren, hat demnach ein Alter von beinahe 83 Jahren erreicht. Sein Vater, welcher während der erſten Revolution Mitglied der geſetzgebenden Verſamm⸗ lung war und zur Zeit der Schreckensherrſchaft in's Gefäng⸗ niß geworfen wurde, erzog ſeinen Sohn zum Juriſten, als welcher er ſeine Studien in Paris vollendete.

Bereits im Jahr 1800 wurde er in den Advocatenſtand aufgenommen, in dem er durch den Geiſt und Witz ſeiner Rede, die Klarheit ſeines Geiſtes und die Gründlichkeit ſeines Wiſſens ſich ſehr bald auszeichnete. Im Jahr 1802 wurde er von der neuen Facultät der Rechte zuerſt zum Doctor juris ernannt. Seine politiſche Rolle begann im Jahr 1815 während der Zeit der hundert Tage, wo er in dem Departe⸗

Novellen⸗Zeitung.

ment, dem er durch ſeine Geburt angehörte, zum Deputirten für die von Napoleon I. einberufene Nationalverſammlung gewählt wurde, in welcher er als Vertheidiger der geſetzmäßi⸗ gen Freiheit und als Gegner Napoleon's auſtrat und von einer Uebertragung der franzöſiſchen Krone auf Napoleon II. nichts wiſſen wollte. Nach der zweiten Reſtauration gelang es ihm nicht, wieder zum Deputirten erwählt zu werden, da⸗ gegen ſpielte er aber als Advocat eine ſehr wichtige politiſche Rolle, denn er übernahm die Vertheidigung der Opfer der Reaction und bewies dabei einen ſehr großen moraliſchen Muth. Zunächſt trat er mit Berryer ver der Pairskammer als Vertheidiger des Marſchalls Ney auf. Von dieſer Zeit an war ſein Ruf begründet, und wer von der Regierung ange⸗ klagt war, wählte Dupin zu ſeinem Vertheidiger. So war er der Vertheidiger der drei Engländer Wilſon, Hutchinſon und Bruce, welche die Flucht Lavalette's möglich gemacht hatten, der Generäle Alix, Savary, des Herzogs von Vi⸗ cenza, des Dichters Béranger, ſo oft derſelbe angeklagt war, und eben ſowohl des ‚Journal des Débats', als dasſelbe unter der Reſtauration wegen ſeines ArtikelsMalheureuse France, malheureux roi! vor Gericht geſtellt wurde. Auch in zahlreichen Civilproceſſen war er thätig, und ſeine Stellung unter dem Pariſer Advocatenſtande war eben ſo angeſehen wie gewinnreich. Unter Ludwig XVIII. wurde ihm 1819 die Stelle als Generalſecretär im Juſtizminiſte⸗ rium mit 40,000 Fr. Gehalt angetragen, die er ausſchlug. 1820 wählte der Advocatenſtand in Paris ihn zu ſeinem Batonnier oder Vorſtand. Seit 1817 war es dem Herzog von Orleans gelungen, Dupin für ſich zu gewinnen, der ihn auch 1820 zum Mitglied ſeines Geheimrathes ernannte. Im Jahr 1827 trat er wieder in die Kammer, wo er ſich ſpäter der Oppoſition gegen Polignac anſchloß und die Adreſſe der 221 redigirte, welche die Julirevolution einleitete, an der er ſich aber nicht thätlich betheiligte. Trotzdem wurde er gleich nach dem Siege von der Municipal⸗Commiſſion zum Juſtiz⸗ miniſter ernannt, und als der neue König Ludwig Philipp ſein Cabinet bildete, trat Dupin in dasſelbe ein, ohne aber ein beſtimmtes Portefeuille oder Gehalt anzunehmen. An der Begründung der Regierung Ludwig Philipp's hatte Dupin großen Antheil. Als man den Vorſchlag machte, der Hes⸗ zog von Orleans ſolle den NamenPhilipp VII, König von Frankreich annehmen, um mit der Vergangenheit im Zu⸗ ſammenhang zu bleiben, drang Dupin darauf, ſtatt deſſen den Namen Ludwig Philipp I. zu wählen, und erreichte ſeine Abſicht. Bekannt iſt Dupin's epigrammatiſcher Ausſpruch, der eine gewiſſe Berühmtheit erlangt hat:Der Herzog von Orleans wird auf den Thron Frankreichs berufen, nicht weil, ſondern obgleich er Bourbon iſt. Auch die Proclama⸗ tion, welche mit den berühmten Worten ſchloß:Die Charte wird von jetzt an eine Wahrheit ſein, iſt das Werk Dupin's. Bei der Abfaſſung der neuen Verfaſſung ſpielte Dupin eine ſehr wichtige Rolle. Am 6. ſtimmig zum Berichterſtatter über den von Berard vorgeleg⸗ ten Entwurf. Er ſchrieb denſelben in Zeit von zwei Stun⸗ den, legte ihn der Commiſſion vor, die ihn annahm, und in den nächſten Tagen wurde er in der Nationalverſammlung eingebracht.

Die Belohnung für ſeine vielen geleiſteten Dienſte von Seiten Ludwig Philipp's war ſeine Ernennung zum General⸗ Procurator am Caſſationshofe, in welcher Stellung er ſich als Anhänger des juste milieu und als entſchiedner Gegner der Clubs und Emeuten bewies. Ebenſowenig wollte er von einer revolutionären Propaganda gegen das Ausland

Auguſt ernannte man ihn ein⸗

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