———,—
774
Audienzzimmer; die Ahnen der Mediceer, in Oel ge⸗ malt, zierten hier die Wand.
„Nochmals ſeid mir gegrüßt, Piſano,“ begann Lorenzo.„Ihr bringt mir eine Botſchaft von Como, dem Dogen von Venedig?“
„Hier dieſen Brief, hoher Gebieter,“ erwiderte Piſano, indem er Lorenzo eine Pergamentrolle über⸗ reichte.
„Ich danke Euch, Piſano,“ ſprach Lorenzo, erbrach das Wachsſiegel des Schreibens und las:
„Meinen Freundſchaftsgruß zuvor, Lorenzo. Ich fordere Dich hiemit auf, mir Dein gegebenes Verſprechen zu löſen, denn die jährige Bedenk⸗ zeit, die Du Dir ausgebeten, iſt vorüber. Schon lange biſt Du mit dem Papſt und dem König von Neapel verfeindet, deshalb wäre Deinem Staate eine Verbindung mit der venetianiſchen Republik ſehr erſprießlich, denn dieſe führt Dir auch Mai⸗ land zu, das mir verwandt.— Alſo kurz, gieb Antwort, erhalte ich die Hand Deiner Annun⸗ ziata, oder nicht? Gieb meinem Sendling den Entſcheid.
Gegeben am Tage Titus zur freien Republik Venetien. Bartolo Como, Doge zu Venedig.“
„Nun, wie lautet Eure Antwort?“ fragte Piſano.
„Bleibt noch zwölf Tage bei uns, dann erhaltet Ihr beſtimmte Auskunft,“ ſprach Lorenzo.
„Will's meinem Herrn berichten!“
„Betrachtet indeß dieſen Palaſt als Eure Hei⸗ math.“
„Ich nehme das Anerbieten dankbarlichſt an.“
„Reich iſt die Stadt an Kunſtſchätzen. Seid Ihr ein Freund von Kirchenmalerei, wendet Euch an Gir⸗ landajo; liebt Ihr Statuen, wird Bartoldo Euch manches Kunſtwerk zeigen.“
„In künftiger Woche iſt hier die große Preis⸗
vertheilung?“ „Ja— ſo iſt's— Leonardo da Vinci aus Mai⸗ land hat ſich mitbeworben— er erringt die Prämie,
denn lange war er ein ſieggewohnter Meiſter.“
Indem Beide ſich derartig unterhielten, trat ein Page in das Zimmer.
„Was iſt Dein Begehr, Benvenuto?“ fragte der Herzog.
„Michael Angelo wünſcht Euch zu lautete die Antwort.
„Laß ihn vor. Indeß, Piſano,“ er wendete ſich an den Venetianer,„Ihr ſeid von der Reiſe ange⸗ griffen, geht in Eure Gemächer.“
Der Venetianer verneigte ſich und folgte dem Pagen.— Gleich darauf trat Michael Angelo ein.
ſprechen,“
Novellen⸗Zeitung.
Angelo ſchien ganz außer Athem, denn ſeine iicht 3 Bruſt hob ſich, kaum fand er Worte. lieb, 4 „Beruhige Dich, beruhige Dich! Was führt 17
Dich zu mir?“ n
„Die Kindesliebe, Herzog. Du warſt ſtets mein frende hoher Gönner und nahmſt Dich väterlich der armen Stünde Waiſe an, als ſie, verlaſſen von der Welt, in Schmach if geſch und Elend untergehen ſollte. Vergieb ihr alſo, wenn Lorbeer! ſie eine Bitte wagt.“ 3 deshalb
„Sie ſei Dir im Voraus gewährt, wenn ſie er⸗ 1 füllbar bleibt— trage Dein Anliegen vor.“ ſtagen,
Angelo faßte ſich an ſeine Bruſt, die ſtürmiſch zum d pochte, und begann mit bebender Stimme: Willen.
„In drei Tagen wird in der florentiniſchen Maler⸗ Grund ſchule der von Dir ausgeſetzte Preis für drei der eheber beſten vaterländiſchen Bilder vertheilt— erlaube, das eit— ich mich mit darum bewerbe!“ 24
Lorenzo rief erſtaunt:„Angelo, die erſten Künſtler An treten in die Schranken!“ derlier
„Mag's ſein, ich fühle mich ſtark genug, mit bekämp ihnen zu wetteifern.“ Pflict
„Was ſtellt Dein Bild vor?“ Ivelleie
„Meine Seele birgt es in Flammenzügen— 2 allein gemalt iſt noch kein einziger Strich.“ ſont m
„Biſt Du raſend? Langſan ſchafft die Kunſt—— eben. Du ſcheinſt Dein Talent zu überſchätzen.“ ſohen
„Nein, nein— mein theurer Gebieter,— Du I verſtehſt mich nicht.“
Lorenzo machte eine Pauſe, ehe er antwortete, Es la denn die Aufregung Angelo's hielt er für eine Krankheit. ich ke
Angelo wartete nicht, bis Lorenzo ſprach, ſondern ſu
begann aufs Neue:„Ich habe mich Wochen lang be⸗
müht, dieſes Bild zu ſchaffen, das mich in den Träumen 1 2 der Nacht verfolgte und umgaukelte— aber ach! ich 1 lin fand es nicht. Ein Dämon hielt meinen Geiſt ge⸗ ne feſſelt— und meine Meiſterſchaft ſchien ich ſelber zu 8 bezweifeln. Heute aber, heute erwachte in mir der uber Gedanke, der mich zur Schöpfung meines Bildes führte 1 — und ich fühl's, daß ich im Kampfe ſiegen werde. 4 Darum lege mir kein Hemmniß in den Weg, ſobße 1 mich nicht mit meiner Bitte zurück, denn ſonſt nimmſt mache Du mir Alles, Alles— meine Hoffnungen, meine ann
Zukunftspläne. Herr“— Angelo faßte die Hand ſe Lorenzo's und führte ſie an ſeine Lippen—„erhalte s
mich der Kunſt, ich will ja nur zu Deinem Lobe aan
Bilder malen und der Marmorblock ſoll der Welt um
verkünden, daß Du ein weiſer Fürſt, ein verehrens⸗ gege
würdiger Menſch geweſen.“ ic: „Knab', Knab',“ rief Lorenzo,„Dich treibt Deine eim
Jugend zur Verirrung. Wer mit dem erſten Werk
ſich zur Schau ſtellt, ſchaffe etwas Großes— er prüfe
„Was willſt Du?“ fragte Lorenzo.
vorher ſein Talent, damit das Urtheil der Welt ih


