Vierte Folge.
nicht verdamme. Jeder Schöpfer hat ſeine Schöpfung lieb, 9 iſt das Kind, das er ſich ſelbſt erzogen.“ O Herzog!“
„Das eigne Urtheil fördert die Eitelkeit— das fremde Urtheil giebt erſt Vollendung. Nur ein Stümper überſchätzt ſeine Kraft, und Künſtlertugend iſt Beſcheidenheit. Das Urtheil flicht der Größe ſeine Lorbeerkränze— eignes Lob bleibt trügeriſcher Glanz, deshalb tritt zurück, ſonſt reut es Dich.“
„Wäre ich unbeſcheiden, würde ich, ohne Dich zu fragen, um den Preis mitwerben; aber ich bin Dir zum Dank verpflichtet, deshalb füge ich mich Deinem
Willen. Wie manches Talent geht unbekannt zu Grunde! die Zeit fehlte ihm, in der ſich Geiſtesgrößen erheben; darum, o Herr, nimm mir nicht die Gelegen— heit— die Welt beurtheilt Alles nach Erfolgen.“
„Dein Wunſch iſt unerfüllbar.“
Angelo's Augen ſchienen ihren alten Glanz zu verlieren, und in ſeiner Bruſt tobte ein Sturm ſich
tarf genug, mit bekämpfender Gefühle. Auf einer Seite gebot die
Pflicht, ſich zu beſcheiden, auf anderer Seite trieb ihne pielleicht überſchätztes Ehrgefühl.
anmenzügen—
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ſt, die ſtürmiſch timme: entiniſchen Maler⸗ eis für drei der — erlaube, daß
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ſank meine Lebenshoffnung. Leben. Vom heiligen Altar der Kunſt bin ich ver⸗ ſtoßen— leb' wohl!“
Angelo wollte gehen.
Lorenzo hielt ihn zurück und rief:„Bleibe, bleibe!
be er antwortete, für eine Krankheik. zo ſprach, ſonden
Wochen lang be⸗ in den Träl
ich kenne Dein treu ergebenes Herz. So male in Gottes Namen Dein Bild, tritt mit den Meiſtern in die Schranken, bedenke aber, wenn es nicht gelingt!“
— Alrgelo faßte noch einmal Lorenzo's Hand und ſführte ſie voll Dankgefühl an ſeine Lippen, dann rief
— ahe ah ih ſer im Ausdruck höchſter Freude, höchſter Befriedigung: meinen e„ Meine ganze Kraft faſſ' ich in dieſem Bilde zuſammen, n ich ſelber z 5 eine Bitte: Sage nichts dem Meiſter!“ achte in mit de„Warum nicht?“ . sbi des führte„Laß mich ihn überraſchen!“ dofe ſiegen reden„Thue, was Du willſt— ich ſchweige— aber
den Beg, ſoße mache mir ſpäter keine Vorwürfe.“ denn— Angelo bebte am ganzen Körper vor innerer
Loht
. „Gut,“ rief er,„Du ſtößt mich zurück, und damit Ohne dieſe haſſe ich mein
Es lag nicht in meiner Abſicht, Dich zu kränken, denn
frungen/ meint Aufregung. Er faltete enthuſiaſtiſch ſeine Hände und faut die Hnd arief:„Herr Gott im Himmel, gieb mir Kraft und nalhalt ſan führe meine Hand, damit der Ausdruck dieſes
Dalnen Antlitzes nicht mich allein, ſondern die Welt entzückt à d der Wel und— Du himnliſches Auge, ſtrahle mir fromm ent⸗ in rerehlel⸗ ſegen, wie in der Kirche am heutigen Tage— Lorenzo, ib werde mein Ideal, mein theures Ideal auf die Leinwand hauchen!“
Dann ſtürzte er zum Zimmer hinaus. (Fortſetzung folgt.)
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Nacht-Phantaſie.
Von
Ernſt Streben.
So bin ich denn, gleich dem Galeerenſclaven, Auf immerdar verkettet mit dem Schmerze!— Mit ihm treib' ich dahin auf öder Fluth,
Mit ihm allein, wund, ach! in tiefſter Seele. Unnennbar leid' ich, doch genügt's ihm nimmer: Wie ſchaut er grollend, wilden Blicks mich an; Umklammert krampfhaft haſtig jetzt das Ruder Und ſchlägt's gewaltig in die träge Woge,
Daß ziſchend ſie emporſchäumt aus der Ruhe, Sich aufbäumt, wie erſchreckte Schlangenbrut. Umſonſt erfleh' ich Mitleid von dem Harten,
Der mit dem Arm' von Stahl in raſchen Schlägen Den ſchwachen Kahn zur Klippenbrandung drängt.— Halt ein! halt ein, Wahnſinn'ger! wirf mich nicht Zum Fraße hin dem wüth'gen Meerestiger! Vergebens! O, wer rettet mich! Schon rollet Der Donner ſeiner Stimme näher, näher,
Sein weißer Wuthſchaum ſpritzt auf Stirn und Wange, Der Schrecken des Verderbens jach durchzuckt mich.— Stirb denn du ſelbſt; verſchlinge dich der Abgrund, Eh' deines Grimmes Zahn zerfleiſcht dein Opfer! Ich ſchrei's, ich pack mit mächt'gem Lebenstriebe Verzweiflungsvoll den mörderiſchen Dränger,
Und ringend, ſieghaft ſtürz' ich ihn hinunter.
— Doch weh mir! weh! das Sclaveneiſen reißt Mich mit hinab in's grauſ'ge Bett des Todes. Erbarmen! ew'ge Nacht, zerſpreng' die Bande, Entreiß' mich dem Verderber, ihn laß ſterben! Mich, mich laß nicht verſinken, mich errette!— Da ringt noch einmal er empor ſich, hebt
Am Eiſenring mich über's dunkle Meergrab
Und hält mich ſo und raunt mir zu die Worte: „Mein biſt du, mein; dich hab' ich mir errungen! Unlösbar, endlos halt ich dich umwunden!“
Jetzt ſinkt zurück er in die gier'gen Fluthen
Und zerrt mich wirbelnd tief und immer tiefer Hinab zur ew'gen Nacht auf ſtillem Grunde.— Ha, welch ein Strahl! Welch Himmelslächeln wandelt Zu einem einz'gen Lichtmeer rings das Dunkel! In Blitzes⸗Nu zerſchmilzt, zerſtäubt die Kette!
Ich bin vom Schmerz erlöſt, bin frei, Allmächt'ger! Es hebt mich, hebt mich ſanft mit Seraphſchwingen Empor, hinauf zur Heimarh ſel'gen Friedens!


