Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
771
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Vierte

und ld üͤber. richte de zum Ufer; der Wald ſtrebt frei mit der grünen

Kuppel zum Lichte empor, ſeines ewigen Meiſters Werke lobend kurzum, Gott pflanzte auch Dir den Hang zur Freiheit in Deine Seele, drum bleibe frei, frei von jeder irdiſchen Liebe, frei von Glanz, von Reichthum, wenn Du ein Künſtler werden willſt!

Michael Angelo nahm wenig an der gutgemeinten Belehrung Theil, ſondern blickte faſt unverwandt auf den Carton, welchen Bartoldo vor ſich auf den Tiſch gelegt hatte. Als der Meiſter ſchwieg, ſagte der Schüler faſt ängſtlich:Laß mich das Bild voll⸗ enden..

Indem Angelo Platz nahm und weiter zeichnete, ſchüttelte Bartoldo ſein graulockiges Haupt und mur⸗ melte:Der Knabe macht mir viele, viele Sorge!

Bartoldo trat zu Domenico, welcher an einem

Marmorblock meißelte, und betrachtete ſeine Arbeit.

Du hältſt Dich wenig an das Modell, rief er, er Meſer wifenhier iſt der Meißel zu tief eingeſchlagen; aber gieb der Mense 8 her, ich gleiche den Fehler aus. Bartoldo ergriff aus Deiner Phan⸗

er bran. Iſt das 4 Dit zu hihnen

Nen,ſie iſt's.

1, ſehr zufrieden, 13 Bid aenau he⸗ ſchüler, degaan er Vater dufgab, füͤr aus Marmor zu druppen find fertig ia. Ich verlangte e deal die Schmer⸗ die andern Schüler eifort im Rüͤ⸗ daß Meiſter Gir⸗ rte, daß Du die Reiſter abgelauſcht.

formen will, muß ſich an das Vorbild halten. Grade arrte vor ſich hin. fEinien bildete ſich der Menſch, die Natur verſchob nieder? fragt ſie und ſchuf dadurch die prächtigſten Formen. Du Dich DeintDamit ich Etwas ſchaffe, Meiſter, erwiderte Domenico faſt empfindlich,beeile ich mich, denn die Lebenszeit iſt kurz.

tur. Des Schi

Schaff' Wenig und Gutes und wenn Du Etwas ſchaffen willſt. Höcſſte der güt ſogar zu ſeiner Schöpfung Zeit, glichen, die nichts habenſte Meiſterſtück,

it der Menſoz Indem Bartoldo haucht. Warun i er zu-Zecco.

langſam, Gott brauchte deshalb iſt ſie das ſprach Bartoldo.

Hammer und Meißel hinlegte, Dieſer malte an einer Staffelei. icht malen, waoDie Zeichnung iſt Dir nicht gelungen, begann a einem ſchönet der Meiſter auf's Neue.Der Umriß iſt hart her ſein Ebenti Schatten und Licht fehlt das Dunkle wird zu 90 mir, wolt ſehr vom Hellen begrenzt. Die Zeichnung beſtimmt den Werth der Malerei.

Indem Bartoldo ſo ſeine Tadel ausſprach, er⸗ önte eine ferne Glocke. Der Meiſter horchte auf

des Feldes, in der

Kre⸗ das Inſtrument und ſprach, indem er beſſerte:Wer ein Kuabe?

ich ſchweigen,

und ſprach:Ave Maria! tönt es vom Thurm St. Maria del Fiore Euch ſchlägt die Feierſtunde, die langerſehnte. Gott mit Euch! Die Schüler packten ihre Sachen ſammen und verließen Katlliche zih Angelo blieb. Gött Ment. Die Werkſtatt Bartoldo's bildet einen Haupt der der auplatz unſerer Erzählung und verdient dieſerhalb

autete ſaine , zc parle tnab', ih ſ Ir ein Seal! nut Ein iliaſt 2 eiligſt zu⸗

Kürſte ble ſchnell die Werkſtatt nur

Fchaffel ſeinem 2un eine nähere Beſchreibung. it fteie Suf 1 Der Palaſt, in dem ſie ſich befand, lag inmitten der. einer ſtattlichen Häuſerreihe in der Via Larga und hian g enr ein Geſchenk des geiſtvollen, funſtliebenden Herzogs reiben

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Folge. 771

Lorenzo di Medici, deſſen Regierung die Republik Florenz bis zur höchſten Blüthe erhob.

Eine große Säulenhalle, die von oben her ihr Licht erhielt, bildete das Entrée. Von dort aus gelangte man durch eine Flügelthür in die eigentliche Werkſtatt, in welcher bunt durcheinander allerlei an⸗ gefangene Malereien und Bildhauerſtücke befindlich. Dunkle Vorhänge verſchloſſen eine das Allerheiligſte bergende Niſche, d. h. mit andern Worten, die zu⸗ letzt angefangene und noch nicht beendete Arbeit eine Mater Doloroſa⸗Gruppe welche kein Sterb⸗ licher, außer Lorenzo di Medici, bis jetzt geſehen hatte. Hier zog ſich Bartoldo zurück, wenn er allein ſein wollte, was gewöhnlich nach beendetem Unter⸗ richt geſchah, um ſich ganz in ſeine Werke zu ver⸗ tiefen.

Die Schüler hatten bereits die Werkſtatt ver⸗ laſſen, Michael Angelo blieb ruhig bei ſeiner Zeichnung.

Nachdem Bartoldo ihn lange betrachtet hatte, rief Angelo!

Dieſer ſchaute empor und murmelte: dieſer Zug, vor mir ſteht ihr Bild!

Der Knabe liebt, der Knabe liebt, rief Bar⸗ toldo und lehnte ſich auf die Schultern deſſelben, indem er in ſanftem Tone fortfuhr:Die Feierſtunde ſchlägt hör' auf, hör' auf!

Angelo ſtarrte den Meiſter an und erwiderte: Erſt mit meinem Tode ſchlägt mir die Feierſtunde. Wer lebt, lege nicht müßig ſeine Hände in den Schooß. Der begeiſterte Kunſtjünger ringt nach der Meiſterkrone; erreicht er ſie nicht, hat er das ganze Leben nur halb gelebt. Angelo ſtand auf und über⸗ reichte Bartoldo das Bild, indem er fortfuhr:Nimm es, nimm es, es iſt fertig!

Dein Meiſterſtück, rief Bartoldo enthuſiaſtiſch.

Lange hat es in meiner Phantaſie geſchlummert, erwiderte Angelo,ſchon war's, als ſollte es meinem Gedächtniß entſchwinden, bis ein Zufall es heute mir wiedergab.

Ich lieb' Dich, mein Angelo, denn in Dir ſpiegelt ſich meine eigne Seele ich weiß, Du wirſt mich übertreffen, bald wird der Schüler den Meiſter lehren. Auf's Neue ergriff Bartoldo das Bild und rief:Kann die Natur ein ſolches Ideal, ein ſolches Ebenmaß von Formen ſchaffen? Solch' frommes, treues Auge fand ich nie aber geſtehen muß ich es, ich ſah das Antlitz ſchon.

Wo, Meiſter?

Weiß ich's?

O, ſprich, ſprich, wo fandeſt Du ſie? Sie war's ja, die mich für meine Kunſt begeiſtert und

el: So, noch