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des Meiſters die Teufel in ihrem Leibe loszulaſſen. Ein paar Hundert Augen hangen an dem kleinen Mann, der hoch auf ſeinem Stuhle ſteht, mit dem jovialen Geſicht ſeine Heerſchaaren muſternd. Er hebt den Commandoſtab und nun raſſeln die Trommeln, pfeift die Piccole, grollen die Bäſſe, quäkt die Hoboe, ſchmettern die Trompeten und die Poſaunen dröhnen und die Pauken hallen dumpf da⸗ zwiſchen— forte, fortissimo, piano, pianissimo, ganz wie der Meiſter den Tactſtock ſchwingt, Arme und Füße, Naſe und Ohren in Bewegung. Alles an ihm wird durch die Muſik elektriſirt; er malt in Geſten förmlich die ganze Partitur, hüpft und huckt, winkt und ſchlägt, dreht ſich rechts und links und um und um, bis ihm der Schweiß auf der Stirn ſteht, der Halskragen aufweicht und der große Foulard hervorgelangt wird, den im Eifer gebade⸗ ten Concertmeiſter zu trocknen.
Nächſt Vater Wieprecht iſt es Vater Liebig, der ſich eines alt begründeten Rufes als Concertgeber erfreut und an dem das Publicum mit unverwüſtlicher Treue hält. Auch Liebig iſt aus der militäriſchen Schule der preußi⸗ ſchen Muſik hervorgegangen; er war Kapellmeiſter des Garde⸗Franz⸗Regiments und nachdem er nach langer Dienſt⸗ zeit ſeinen Abſchied genommen, hat ihm die verdiente Gunſt des Königs einen angenehmen Ruhepoſten und außerdem die Bewilligung gegeben, nach wie vor in Berlin ſeine Concerte abzuhalten. Liebig hat aber mit dem militäri⸗ ſchen Muſikmeiſter nichts gemein; er iſt, wie im Perſönli⸗ chen die harmoniſche Ruhe, Beſcheidenheit und Milde, ſo als Concertgeber der Vertreter der edlen Richtung. In ſeinen Concerten werden lediglich Symphonien vorgetra⸗ gen und die Ausführung derſelben iſt ſo correct, ſo unta⸗ delhaft, daß ſie ſelbſt von Kennern die einſtimmige Aner⸗ kennung erhalten haben. Die Kapelle iſt dermaßen einge⸗ ſchult, daß der Tactſtock kaum noch bemerkbar wird. Das Publicum dieſer Concerte iſt denn auch ein weſentlich an⸗ deres als das der Wieprecht'ſchen Monſtreproductionen.
Zunächſt ſind es die ausgeſprochenen Verehrer der Symphonienmuſik, welche regelmäßig die Liebig'ſchen Con⸗ certe beſuchen und mit großer Andacht dem Vortrage lau⸗ ſchen, höchſt erzürnt und empört, wenn zufällig an benach⸗ barten Tiſchen die Kaffeetaſſen klappern oder gar eine laute Unterhaltung ſie in ihrer Andacht ſtört. Tiefe Ruhe, hei⸗ liges Schweigen, ſobald Liebig die Symphonie beginnen läßt, iſt traditionelles Geſetz und jeder dagegen verſtoßende Fremde wird ſchnell zum Reſpect vor dieſer Anforderung durch mißfällige Blicke oder Ziſchen gebracht. Die Lie⸗ big'ſchen Verehrer haben eine fanatiſche Seite; ſie bilden eine Art Kaſte, die nicht ſo leicht einen Neuling aufnimmt und am wenigſten ihm einen Platz im Saale gönnt. Denn ſeit Alters her iſt der Beſuch dieſer Concerte äußerſt zahl⸗ reich und die Abonnenten darauf bilden gemeinhin ein ſo ſtarkes Contingent, daß ſie den Saal vollauf füllen. Der Platz wird ſonach knapp und es iſt die Sitte oder Unſitte eingeführt, daß entweder durch den Kellner, der dafür mo⸗ natliche Revenuen bezieht, die betreffende Anzahl Plätze an den Tiſchen als beſtellt reſervirt werden, oder daß ein Abgeſandter der abonnirten Familie zwei Stunden vor Beginn des Concerts als Wächter bei einem oder zwei Tiſchen poſtirt wird, der jeden ſeiner umgelegten Stühle mit heroiſcher Tapferkeit gegen Platzſuchende vertheidigt. Lange vor Beginn finden ſchon ſolche Kämpfe ſtatt, da Alles beſetzt, beſtellt oder bewacht iſt, wenn auch noch eine Menge leerer Plätze den Uneingeweihten einladen. Er
Zeitung.
kann von Glück ſagen, wenn er noch in dem äußerſten Win⸗ kel einen Tiſch findet und gegen Geld und gute Worte von dem dienenden Geiſt die für ſeine Geſellſchaft nöthigen Stühle erhält. Denn faſt überall iſt man familienartig abgeſchloſſen und der Tiſch mit den Stühlen wird wie eine unnahbare Burg betrachtet. Nur für willkommene Be⸗ kannte und Freunde, erwartete oder unerwartete, reſervirt die Familie einen Stuhl, oder wenn ſie mit mehreren jun⸗ gen Mädchen beſchwert iſt, ein paar Stühle. Es geſchieht dies aus höchſt beachtenswerthen Rückſichten, da gerade das feinere Bürgerpublicum, welches ſich in den Liebig'⸗ ſchen Concerten verſammelt, einen Ueberfluß an heiraths⸗ fähigen Mädchen beſitzt, denen unter der mütterlichen Be⸗ wachung hier Gelegenheit gegeben werden ſoll, einem ach⸗ tungswerthen jungen Manne nahe zu treten. Für ihn iſt der leere Stuhl reſervirt. Und er kommt gewöhnlich: er weiß es, daß die Mutter wünſcht, ihn an ihrem Tiſche zu ſehen, und noch öfter weiß er, daß die Tochter nicht der Symphonie, ſondern ſeinetwegen in's Concert gegangen iſt. Aus dieſer Urſache haben die Liebig'ſchen Concerte eine mehr als gewöhnliche geſellſchaftliche Bedeutung; ſie vermitteln die guten Bekanntſchaften junger Leute, und gar viele davon haben ſchon ihren Abſchluß durch eine Hei⸗ rath gefunden. Da man nach alledem ſchließen kann, daß ein ſehr großer Flor blühender Mädchen hier vorhanden iſt, ſo kann man ſich wohl auch denken, daß eine Schaar junger Männer nur deswegen das Concert beſucht und während der Symphonie ſich durch die Gänge und zwiſchen den Tiſchen hindurchwindet, um das ſchönſte der Mädchen zu entdecken und zu verſuchen, einen herzſtärkenden Blick von ihm zu erhaſchen. Unter den hoͤheren Concertmachern Berlins iſt noch der Muſikdirector Engel bei Kroll hervorzuheben. Herr Engel iſt trotz ſeines Namens ein Ungar, ob vom Stamm der Magyaren oder vom Stamme Jacobs, das iſt neben⸗ ſächlicher Natur. Nur mag man das Letztere annehmen, weil er einer der pfiffigſten Speculanten iſt, die es giebt. Mit ſeiner Geige kam er vor zehn Jahren nach Berlin, damals, als eben die Aera der Joſeph Gungl'ſchen Con⸗ certe ihr Ende erreicht hatte. Landsmann Engel, welcher gut ſeinen Bogen ſtreichen konnte, beſchloß, der Nachfolger des ſehr verehrten Gungl zu werden. Gungl's große Ac⸗ curateſſe und orcheſtrale Disciplin hatte den Berlinern imponirt; Engel verſtand gleichfalls damit aufzuwarten, nur noch effectreicher. Wenn er dirigirte, gab er ſich Mühe zu zeigen, daß jeder Zoll an ihm ein Kapellmeiſter ſei. Und in der That, man anerkannte ſeine Dirigentenfähig⸗ keit und die Vortrefflichkeit der von ihm disciplinirten Ka⸗ pelle. Er ſtand wie ein Feldherr da, Geige und Fiedelbo⸗ gen in maleriſcher Art an ſich gedrückt, bis zu den Fortes der Compoſitionen, wo er dann mit theatraliſchem Effect den Arm im Tact ſchlug, glücklich wenn es ſchien, als fal⸗ len die Paukenſchläge aus ſeinem Rockärmel heraus. Der Effect war brillant und packte. Bald hatte Engel ſein Glück gemacht und verſammelte in ſeinen Concerten im Geſellſchaftshauſe das eleganteſte Publicum. Herr Engel hatte aber auch noch viele andere Eigenſchaften, mit denen er Glück machte; er konnte den angenehmſten Geſellſchaf⸗ ter machen, die luſtigſten Anekdoten erzählen und Baron
Münchhauſen in liebenswürdigſter Art nachahmen. Auch
beſaß er elegante Manieren, war Lebemann bei allem feingeſchäftlichen Sinn und machte, wenn auch kein Adonis, ſo doch wegen ſeines ſchönen Bartes viel Glück bei den
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