Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
758
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Novellen

Gott gebe, daß er gute Nachrichten bringt, murmelte der Baron.

Jetzt wurde die Thüre raſch aufgeriſſeu und der

Künſtler ſtürzte herein.

Willkommen! rief er, indem er ſeine Rechte dem Herrn von Steinau, ſeine Linke Hedwig entgegen⸗ ſtreckte.Willkommen! hier bin ich, um von meiner Miſſion Rechenſchaft abzulegen.

Der Baron athmete kaum, ſein Auge hing er⸗ wartungsvoll an dem Künſtler.

Der Retter iſt gefunden, begann Petermann, die zehntauſend Thaler werden bereit liegen, wenn Liebmann wieder kommt.

Mein Gott, ich danke Dir! rief der Guts⸗ herr tief aufathmend und wie von einer Laſt befreit, nun kann ich doch ruhig ſterben, denn ich weiß, daß meine Kinder vor Noth geſichert ſind. Doch wer iſt der edle Mann, der ſich meiner ſo großmüthig annehmen will?

Petermann zögerte einen Augenblick mit der Ant⸗ wort, dann ſagte er langſam und mit feſter Stimme, indem er Herrn von Steinau ernſt ins Auge blickte:

Dieſer edle Mann iſt niemand Anders, als der Doctor Sander.

Der Baron zuckte zuſammen.

Er? er? rief er und ſchüttelte mit dem Kopfe und machte eine ahwehrende Bewegung.

Beklagenswerther! rief jetzt Petermann mit zürnender Stimme,hat das Unglück Ihren Eigenſinn und Ihr thörichtes Vorurtheil noch nicht vernichtet? Haben Sie deshalb ſo eben zu Gott Ihre Stimme erhoben, um in demſelben Augenblick gegen ihn zu freveln?

Der alte Herr ſenkte den Kopf, er beugte ſich unter der Laſt dieſer Vorwürfe, er fühlte, daß er ſie verdient hatte.

Glauben Sie wirklich, daß Sie eine Schuld gegen Ihre Kinder zu ſühnen haben, fuhr unerſchrocken der Künſtler fort,nun, ſo bietet ſich Ihnen jetzt eine Gelegenheit dazu dar. Und wo Alles vergiebt, wollen Sie da noch allein in Ihrem hartnäckigen Trotz ver⸗ harren?

Aber die politiſche Handlungsweiſe des Doctors! ſtammelte der Baron.

Nun, ſind Sie denn berufen, ſich zu ſeinem Richter aufzuwerfen? Jeder Menſch verfolgt ein Ziel, jeder Menſch ringt für eine Idee. Ob die des Doctors die richtige iſt, will ich nicht entſcheiden, aber daß ſie eine ſittliche iſt, dafür glaube ich einſtehen zu können. Uebrigens iſt er ſich der vollen Verantwortlichkeit bewußt geweſen und er wird dieſe, den Geſetzen gegen⸗ über, als Mann zu tragen wiſſen.

Zeitung.

Sie mögen Recht haben, ſagte Herr von Steinau, immer nachdenkender,und ich bitte, daß Sie mir verzeihen. Der alte Hochmuth drängt ſich bei mir immer wieder hervor, und doch, es iſt wahr, ich habe

ſo Manches gegen meine Kinder gut zu machen, die

mir in der letzten Zeit ſo viele Liebe bewieſen.

So iſt es recht, rief Petermann,ſo ſpricht ein von Gott ſchwer geprüfter Chriſt! Sie nehmen alſo Herrn Sander's Vermittlung an?

Aber er iſt ja nicht frei und ſomit in dieſem Augenblick auch nicht dispoſitionsfähig!

Er iſt wohl frei, der Miniſter hat ihm einen vierzehntägigen Urlaub bewilligt.

So ſteht alſo ſeine Ankunft binnen Kurzem zu

erwarten? Er iſt ſogar ſchon eingetroffen, ja noch mehr,

er befindet ſich in dieſem Augenblick wahrſcheinlich ſchon auf dem Wege nach dem Gute.

Nun, er ſoll mir herzlich willkommen ſein, ſagte Herr von Steinau.

Kaum waren dieſe Worte über ſeine Lippen, als ein Wagen in den Hof rollte und der Aſſeſſor und der Doctor aus demſelben ſprangen.

Da ſind ſie ja ſchon! rief Petermann, ich will Vhnen nur entgegeneilen.

Einige Minuten darauf traten alle Drei ins Zimmer. Das Erſte, was Herr von Steinau that, als

Sander eintrat, war, daß er ihm ſeine Hand eutgegen⸗

ſtreckte. Wem ich meine Hand reiche, rief er,geg den hege ich keinen Groll im Herzen. Nehmen S dies ſtatt einer langen Einleitung und ſtatt vieler Worte.. Dank, Dank, antwortete der Doctor gerührt, ich verſtehe dies zu ſchätzen. Und nun bitte ich um eine Gunſt. Ich weiß, was Sie meinen, erwiderte der Guts⸗ herr,denn ich bin von Ihrem edlen Vorhaben bereits unterrichtet. Und Sie bitten noch darum, während

ich Ihnen als meinem Retter auf das Tiefſte verpflichtet

bleibe! Nun, die Sache iſt alſo abgemacht, ſagte Sander,

leicht und mit möglichſter Zartheit über den delicaten

Gegenſtand hinweggehend.Ich beſorge Ihnen die zehn⸗ tauſend Thaler, löſe die Hypothek, welche Liebmann auf dem Gute ſtehen hat, ein und laſſe den ganzen Betrag für mich als Schuld eintragen. Der vierzehn⸗ tägige Urlaub, welcher mir bewilligt iſt, wird binreichen um beide Geſchäftenzu ordnen.

Ich weiß in der That nicht, wodurch ich ein ſ uneigennütziges Entgegenkommen wieder einigermaßen gut machen kann, bemerkte verbindlich der Baron.

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