Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
740
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guf der Mainbrücke ein, dort ſollen Sie weitere Nachrichten empfangen.

Petermann wollte noch eine Frage thun, aber ſchon verſchwanden die beiden Unbekannten. Der ſchwere Tritt einer Patrouille ließ ſich vernehmen und die Waffen derſelben blitzten in der Ferne. Unter dieſen Umſtänden fand es auch unſer Be⸗ kannter nicht rathſam, noch länger zu verweilen, und eine halbe Stunde darauf trat er ermüdet in ſeinen Gaſthof.

Am anderen Tage ſtand Petermann Punkt zwölf Uhr auf der Mainbrücke und ſah ſpähend um ſich. In ſeiner Ungeduld blickte er Jedem ins Geſicht, aber immer fand er ſich getäuſcht; die Perſon, welche er erwartete, wollte nicht erſcheinen. Endlich fühlte er ſich leicht am Arm berührt, ein Mann von etwa drei⸗ zig Jahren grüßte ihn höflich und ſagte gleichzeitig, indem er an ſeiner Seite fortſchritt:n

Laſſen Sie uns ſo unbefangen wie möglich weiter gehen, damit wir jedes Aufſehen vermeiden. Ich bringe Ihnen die Nachrichten wegen des armen Fritz.

O mein Gott, es wird Ihnen doch möglich werden, denſelben zu retten? fragte Petermann erregt.

Es liegt leider nicht in unſerer Macht. Heute

Novellen⸗Zeitung.

Der Fremde grüßte unbefangen und verlor ſich unter die Menge. Auch Petermann kehrte in ſeinen Gaſthof zurück und ſchon eine Stunde ſpäter befand er ſich auf dem Wege nach Mainz. Aber bereits den anderen Tag nahm er Extrapoſt und eilte dem zwiſchen Bingen und Coblenz gelegenen Städtchen Boppard zu.

Ich habe ſechs Stunden Vorſprung, ſagte er mit der Miene innerer Zufriedenheit zu ſich ſelbſt, als er, in den Fond des Wagens zurückgelehnt, raſch auf der Straße vorwärts rollte,und bis dahin kann ich vollſtändig meine Vorbereitungen treffen. Der -dicke Fritz» iſt von Allem unterrichtet und der Ca⸗ pitän des Dampfſchiffes hat ſeinen Beiſtand zugeſagt. Das Auffliegen zweier Tauben gilt als Erkennungs⸗ zeichen. Wenn alſo kein unvorhergeſehener Fall da⸗ zwiſchen kommt, ſo habe ich alle Ausſicht, daß mir mein Plan gelingt.

Petermann rieb ſich vergnügt die Hände und ſeine alte Heiterkeit, welche in den letzten Tagen völlig verſcheucht worden war, begann wieder zurückzukehren. Gegen Abend erreichte er das Städtcheu Boppard, und nachdem er ſich einigermaßen erfriſcht, ging er

zu treffen. Auch hierbei fand er im Geheimen Bei⸗ ſtand, denn die politiſchen Verbindungen erſtreckten ſich damals über ganz Deutſchland und rettende Hände waren unſichtbar überall bereit, den Bedrängten bei⸗

gegen Abend wird er nach Mainz abgeführt und von dort ſoll er weiter über Coblenz, den Rhein hinab nach ſeiner Heimath gebracht und den dortigen Be⸗ hörden ausgeliefert werden.

Und dann?

Das mag Gott wiſſen. Dann hat er wahr⸗ ſcheinlich die Ausſicht, in irgend einer Caſematte jahrelang zu ſchmachten.

Das darf nicht ſein, rief der Künſtler,er muß unter allen Umſtänden gerettet werden und ſollte ich ſelbſt darüber die Freiheit verlieren.

Ja, aber wie?

Laſſen Sie mich einen Augenblick nachſinnen. Gut, das geht, wenn Sie mir behülflich ſein wollen.

Dies bedarf keiner Frage. Sprechen Sie nur.

Nun, ſo ſorgen Sie dafür, daß Jemand, von deſſen Zuverläſſigkeit Sie überzeugt ſind, den armen Fritz bis Mainz heimlich begleitet. Es iſt ſeine Auf⸗ gabe, genau zu erforſchen, auf welchem Dampfſchiff er von dort weiter transportirt wird. Hierüber muß ich zuverläſſige Mittheilungen erhalten und werde die⸗ ſelbe im ⸗ſchwarzen Adler⸗ erwarten.

Es ſoll geſchehen, verlaſſen Sie ſich darauf. Und nun Gott befohlen, vielleicht ſehen wir uns einſt in beſſeren Zeiten wieder.

zuſtehen und ihr Entkommen zu erleichtern.

Den anderen Morgen gegen acht Uhr zeigte ſich ein Dampfer in der Ferne, welcher, vom Winde be⸗ gunſtigt, mit aller Kraft vorwärts ſteuerte.

Petermann ſtand mit klopfendem Herzen am Ufer des Rheines und beobachtete mit unverwandtem Blick das ſtattliche Schiff, deſſen Umriſſe immer mehr und mehr in der Ferne auftauchten und das ſich in raſchem Laufe näherte. Hinter dem Spiegel deſſelben wehte die niederländiſche Flagge, welche ſich, vom Winde gehoben, in ihrer ganzen Breite entfaltete.

Es iſt die Stadt Amſterdam⸗, murmelte der Künſtler, indem er das Taſchenteleſkop, mit welchem er das Fahrzeug ſcharf beobachtet hatte, vom Auge abſetzte,haltet euch bereit, Leute, und ſo wie das Signal gegeben wird, ſtoßt ab.

Dieſe Worte galten zweien kräftigen Kahnführern, welche mit eingelegten Rudern in ſeiner unmittel⸗ baren Nähe hielten. 8

Legt euch dem Schiff ſo. nahe wie möglich zur Seite, fuhr Petermann fort,und wie ſteht es mit den Tauben?.

Sie befinden ſich hier im Handkorbe im Kahn.

Gut. Alſo nochmals: Aufgepaßt!

aus, um die weiteren Vorbereitungen zu ſeinem Plan

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