Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
738
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Patſche er jetzt geräth.

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Ja, fiel ein Zweiter ein,ich komme ſo eben aus dem Dome und habe mit eigenen Augen dort zwei Polizeidiener aufgeſtellt geſehen, welche das Läu⸗ ten mit den Glocken verhindern ſollen.

Auch in der Caſerne wird es lebendig, fügte ein Dritter hinzu;die Soldaten ſtehen unter dem Gewehr und ſind jeden Augenblick zum Ausrücken bereit.

Ich fürchte, es iſt wieder ſo ein unüberlegter Streich, ſagte kopfſchüttelnd der erſte Bürger.Ich habe dieſer Tage viele Studenten in den Straßen geſehen, und die jungen Leute ſind nur gar zu gern geneigt, ſich ohne Ueberlegung in ein tolles Unter⸗ nehmen zu ſtürzen. Als wenn die Gefängniſſe nicht ſchon gefüllt genug wären! Täglich hört man von neuen Verhaftungen, und nun gar hier in Frank⸗ furt da iſt kein Boden für einen Aufſtand; wer wird ſich demſelben anſchließen?

Dazu gehört auch mehr, ſagte ein Anderer, als eine Handvoll Menſchen, die in's Blaue hinein ein einiges Deutſchland proclamiren wollen.

Ich dachte mir es wohl, brummte ein kleiner, beweglicher Mann, welcher dem Geſpräch ſtillſchwei⸗ gend zugehört hatte;aber der zdicke Fritz⸗ ließ ſich ja nicht abmahnen, und wer weiß, in was für eine

In dieſem Augenblick fielen zwei Schüſſe ganz in der Nähe, und der Ruf:Freiheit! Deutſch⸗ land hoch! Zu den Waffen! ließ ſich vernehmen.

Das iſt bei der Hauptwache, rief einer der Bürger.Da, wieder ein Schuß! man greift das Militär an.

Was nun? brummte der ſtumme Zuhsrer, der niemand Anders als der Maler Petermann war;im Stiche kann ich den Unbeſonnenen doch nicht laſſen, und ſo will ich alſo wenigſtens in der Nähe bleiben, um Herrn Fritz nicht aus den Augen zu verlieren.

Dies ſagend, drängte er ſich durch die Menge, welche inzwiſchen immer mehr anwuchs, und ſuchte, ſo gut es ging, bis zur Hauptwache zu gelangen.

Dort war inzwiſchen der erſte Ueberfall geglückt. Man hatte ſich des Poſtens vor den Gewehren be⸗ mächtigt und die Mannſchaft entwaffnet, nachdem der commandirende Officier gleich beim erſten Anlauf zum Fenſter hinausgeſprungen war.*)

Novellen⸗

Als Petermann anlangte, ſtand eben der dicke Fritz⸗ im Begriff, eine Anrede an das verſammelte Volk zu halten. Aber ſo dringend er darin auch zur Theilnahme aufforderte, ſo antwortete ihm ſtummes Schweigen der Menge, und nur Einer trat von den

*) Die hier 3 Begebenheiten beruhen auf ſtreng hiſtoriſcher Wahrheit.

Zeitung.

Hunderten, welche hier verſammelt waren, vor, erfaßte ein Gewehr und vereinigte ſich mit den Verſchwore nen. In dieſem Augenblick drangen durch die Stille der Nacht dumpfe Glockentöne und einzelne Schüſſe wurden abgefeuert.

Man läutet Sturm, ſagte ein Mann aus dem Volke, indem er an den nächſten Haufen herantrat.

Wo? fragten Mehrere zugleich, indem ſie den Sprecher neugierig umdrängten.

Hört Ihr denn nicht, daß es vom Dom kommt? In der Fahrgaſſe und auf der Mainbrücke bin ich ebenfalls bewaffneten Trupps begegnet.

Das ſcheint Ernſt zu werden, murmelten Meh⸗ rere;auch an der Conſtablerwache ſchlägt man ſich.

Da, ſchon wieder ein Schuß!

Sie verſuchen das Arſenal zu ſprengen, be⸗ richtete jetzt ein Dritter.

Wollt Ihr die Sache des Vaterlandes aufge⸗ ben? rief hier mit verſtärkter Stimme der Ldicke Fritz» dazwiſchen; ein einiges, großes Deutſchland zu erkämpfen!

Aber Niemand rührte ſich, kein Arm erhob ſich, um an dieſem Kampfe Theil zu nehmen, Kopf drängter ſich an Kopf, aber in den Blicken dieſer gaffenden Menge war mehr Neugier und Staunen als Theil⸗ nahme zu leſen.

Plötzlich l

hörte man dumpfe Trommelſchläge und

den ſchweren, abgemeſſenen Schritt einer zum Angriff

heranrückenden Colonne. Sie kommen! Sie kommen!

Theil desſelben beſtürzt zurück.

Wer kommt? fragten die Beherzteren, indem

ſie erwartungsvoll um ſich blickten. Das Linien⸗Militär rückt an es will die Hauptwache wieder nehmen!

In der That wurde jetzt auch die Spitze der Colonne ſichtbar und bahnte ſich mit gefälltem Ge⸗ Zugleich ſtürzten mehrere Aufſtän⸗

wehr einen Weg. diſche herbei und riefen, indem ſie haſtig ihren Weg fortſetzten:

Alles iſt verloren rette ſich, wer lanm wir ſind umzingelt!

Zu mir, Brüder! tönte die Stimme des s-dicken Fritz⸗, indem er ſeinen Schläger hoch ſchwang; herbei, das Volk wird uns gewiß nicht verlaſſen, wir kämpfen ja für eine edle Sache!

Aber ſeine Mahnung war vergebens; wilde Flucht verbreitete ſich ringsherum, und im nächſten Augen⸗ blick ſah er ſich von ergrimmten Soldaten umgeben, die ihre blitzenden Waffen nach ſeiner Bruſt richteten.

Finis Germaniae! murmelte der Student, in⸗

zu den Waffen, Bürger, es gilt

riefen mehrere Stimmen aus dem Haufen, und zugleich wich ein