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Andacht; ſomit finden ſich denn auch unter dieſen Troſt⸗, Er⸗ bauungs⸗ und Sittenſprüchen eine Menge Einzelnheiten vor, die von Verfaſſern herrühren oder aus Sammlungen genom⸗ men wurden, welche in der Literatur ſehr unbekannt und nur dem Theologen geläufig ſind. Zuweilen ſind dieſe Leutchen in ihrer Frömmigkeit auf ſehr pikante Ideen gekommen, ſo ſagt z. B. T. Adam:„Es ſei denn, daß ich jenſeits des Gra⸗ bes Etwas ſehe, das des Sterbens werth ſei, weiß ich hienie⸗ den Nichts, das des Lebens werth wäre.“ Bei dieſem Manne war es allerdings eine Verſchwendung von Güte, daß ihn der Himmel zur Welt kommen ließ. Es würde wahrſchein⸗ lich auch nicht geſchehen ſein, hätte der Betreffende erſt ſeine Meinung ſagen und nachher geboren werden können. Sol⸗ chen Leuten das große Capital des Lebens leihen, iſt reine Vertrauensſache, die oft ſchlecht belohnt wird. O. B
Die nordiſchen Götterſagen, einfach erzählt von Dr. R. Reuſch. Berlin, Verlag von Heinrich Schindler. 1865.
Nur wenige der gebildeten Leſer werden die Geduld beſitzen, ſich in die Urquelle der nordiſchen Mythologie, die Edda, und in andere Fachwerke, wie z. B. die Schriften von Simrock, Müller, Mannhardt, Grimm, hineinzuarbeiten. Reuſch hat hier einen kleinen, populär verſtändlichen Ueber⸗ blick gebracht, welcher die Hauptgeſtalten und Mythenkreiſe behandelt und durch Illuſtrationen verdeutlicht iſt. Wir empfehlen das Bändchen als zweckmäßige Unterſtützung für den Laien. O. B.
Wittekind. Ein Heldengedicht in zehn Geſängen von Carl Gotthelf Häbler. Leipzig, bei Oskar Leiner.
Mit warmer Begeiſterung für die männliche Kraft und ihre poetiſchen Momente, überhaupt für alles charaktervoll Bedeutende in der deutſchen Urgeſchichte hat der Verfaſſer die wichtigſte Kataſtrophe aus dem Leben Wittekind's epiſch be⸗ handelt. Die ſprachliche Form iſt flüſſig, die Schilderung oft ſchwungvoll erhoben und die ganze Darſtellung hält ſich von derjenigen modernen Süßigkeit fern, welche das Epiſche in das ſubjectiv Lyriſche zurückzuziehen ſtrebt. Die Charak⸗ tere haben Friſche und es geht, ſoweit es die Zeiteigenthüm⸗ lichkeit erlaubt, ein liebenswürdiger Humanismus durch ihr Fühlen und Denken. Wer ſich für die gewaltigen Impulſe der altgermaniſchen Hiſtorie intereſſirt,— und jeder Deutſche
Novellen⸗
Zeitung.
ſollte dies thun,— der wird ſich freuen, daß ein Autor dieſen Stoff mehr zur Wahl des dichteriſchen Gegenſtandes geeignel
findet, als ſo manche uns fernliegende, in moderner Zeit be⸗
hondelte Themen. O. B.
Des Herrn Magiſter Merks ſeltſame Arn⸗ ſichten über literariſche Zuſtände. Herausgegeben von Ernſt Naſeweis. Leipzig, Verlag von Otto Wi⸗ gand. 1865.
Der Herr Magiſter Merks iſt ein Humoriſt um jeden Preis, aber er greift dabei auch ſehr viele Albernheiten und klägliche Zuſtände unſerer Zeit treffend heraus, und wenn er darüber auch nicht viel Neues ſagt, ſo iſt dies doch weni⸗ ger ſeine Abſicht, als es in einem derben hausbackenen Tone vorzubringen. Es geſchieht oft keck und komiſch, und um der guten Tendenz willen läßt man es ſich gern gefallen, hier und da gewaltſam den Gegenſtand herbeigezogen zu ſehen. Es kommt ihm darauf an, der frivolen Leichtfertigkeit, die ſich an Alles macht, ohne es zu verſtehen, die ohne Kenntniſſe urtheilt, ohne Weihe genießt, ohne Beruf producirt, eine bit⸗ tere Medicin zu reichen, und man möchte wünſchen, daß ein ſolches Unternehmen recht oft von der deutſchen Preſſe ver⸗ ſucht würde. O. B.
Erzählungen, Novellen und Gedichte von Arthur Bitter. Bern, Halberſche Verlagshandlung.
Unbedingt gehört der Autor zu den fleißigſten und viel⸗ ſchreibendſten Novelliſten der Gegenwart und hat ſeine Feder ausdrücklich dem ſchweizeriſchen Terrain gewidmet. Wir haben bereits mehrere ſeiner früheren Bände beſprochen und ſchließen die vorliegenden demſelben Tone an. zeriſchen Sitten und Gebräuche und die dortigen Landesei⸗ genthümlichkeiten mit Natur und Gegend kennt der Verfaſſer ſehr genau und ſeine Erzählungen ſind ſo gehalten, daß ſie den größten Leſerkreiſen als eine bequeme Lectüre ſich zu em⸗ pfehlen ſtreben.
Inhalt: Politiſche Gegenſätze. Ein Zeitbild deutſcher Zuſtände
* vor dreißig Jahren von Carl v. Keſſel.(Fortſetzung.)—
Herbſttöne. Von Marg. Pilgram⸗Diehl. Entblättert. Welke Kränze.— Literariſche Briefe von Otto Bank.
Feuilleton. Ein Chaſſé⸗Croiſs. Nach dem Däniſchen von Brown.(Schluß.)— Graf Lambert.— Die Indianer in Paraguay.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.
Im Verlag von Hermann Coſtenoble in Jena und Leipzig erſchien und iſt in allen Buchhandlungen und Leihbibliothe⸗
Die Sturmvögel.
Ein cultur⸗ und ſittengeſchichtlicher Roman aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts von
Wilhelm Andreü.
ken zu haben:
2 Bände. 8.
broch.
2 ½ Thlr.
Ein würdiges Seitenſtück zu des Verfaſſers„Leibnitz“ gewährt dieſer im edelſten Styl gehaltene Roman eine höchſt ſpannende Lectüre. Er iſt ein friſches, echt poetiſches Werk und ein mit den lebendigſten Farben gezeichnetes treues Spiegelbild jener wildbeweg⸗ ten, in neuen Geburtswehen kreiſenden Zeit unmittelbar vor der Neformation. Im echten Colorit jener Zeit gehalten, ſchildert er namentlich die erſten Bewegungen und Führer des Bauernkrieges, und macht den Leſer auch mit dem Leben in den Klöſtern, Bur⸗ gen und fürſtlichen Schlöſſern, ſowie auch mit vielen andern Verhältniſſen bekannt. Der Gang der Handlung, die Denkungsart und Handlungsweiſe der Individuen— Alles deutet, wie ein erſtes Schimmern des Morgenroths nach der Nacht des Mittelalters, auf die
Ahnung und Zuverſicht einer beſſern Zeit, auf die Neformation hin, mit deren Beginn der Roman folgerichtig abſchließt.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Oulo Sriedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.
Die ſchwei⸗


