Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
734
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734 Novellen⸗Zeitung. zu weinen. Sie unter heißen Thränen, die Tante Eulalie wurde, ſorgſam eingehüllt, in ein warmes Zimmer getragen. gerunge ſchnarchend, ſo erreichten ſie die Station Torreback. Der Bei dem Schimmer des Ofenfeuers erblickte Julie eine Flaſche nen tro Schnee fiel in dichten Flocken, man konnte auf dem Wege nichts mit Waſſer, dieſe ergriff ſie und ſchüttete ſie über den Kopf Urlaub unterſcheiden, wenigſtens der Kutſcher konnte es nicht, denn des Kranken, welcher in Folge dieſer Douche in demſelben proviſot er ſchlief. Dazu war es finſtre Nacht, und er hatte vermuth⸗ Augenblick die Augen aufſchlug, in welchem die Wirthin mit von Pol lich gedacht, es werde ihm doch nichts helfen, wenn er die Licht hereintrat. Kaum beſchien dieſes das Geſicht des Frem lich leid Augen auch offen hielt. den, als ein Schrei aus der Bruſt Juliens drang, welche ſich reich, unm Eine leichte, einſpännige Equipage begegnete in dieſem vor dem Sopha auf die Kniee niederwarf. dort mac Augenblick den Reiſenden, ohne von Jemand bemerkt wordenMoritz, mein Moritz! Gräfind zu ſein, bis eine Donnerſtimme rief:Vorgeſehen! DerJulie 1⸗ deren H Kutſcher fuhr aus dem Schlafe auf und zog den erſten beſten Die bleichen Lippen des Inſpectors verſuchten zu lä⸗ ſchlager Zügel an, unglücklicher Weiſe den falſchen, ſo daß beide Wa⸗ ſcheln, aber ſeine Augen ſchloſſen ſich wieder und er fiel von det Br gen an einander fuhren. Knix, knax! Das Rad und die Neuem in Ohnmacht. Die zarte Sorgfalt Juliens rief ihn Famil beiden Reiſenden im Cabriolet rollten in den Schnee. jedoch bald wieder in's Leben zurück und nach einer halben wurde Der Lärmen und das Geſchrei riſſen Julie aus ihren Stunde ſaß er, vollkommen wieder hergeſtellt, den Arm um Stelle Gedanken und die Tante Eulalie aus ihrem Schlummer. die Geliebte gelegt und ihr in die Augen blickend, auf dem ben ſei Letztere rief nach dem Kutſcher, welcher, vor Schreck halbtodt, Sopha. Aerzte völlig den Kopf verloren hatte und ſtammelnd zu erzählenMein Gott, geliebte Julie, wie ungerecht war ich gegen völlige verſuchte, was vorgefallen ſei. Dich! Inſel; Mein Gott! rief Julie,ſind ſie todt?Und ich gegen Dich, mein guter, mein lieber Moritz! 0s Das glaube ich nicht, antwortete der Kutſcher, derDein Irrthum iſt geringer als der meinige. Meine wieder zur Beſinnung gekommen war,denn ich höre ſie frühere Lebensweiſe durfte Dir wohl Verdacht einflößen, aber klagen. wie konnte ich Dich beargwohnen, Du reines, ſüßes Weſen! Aber, ſo helft ihnen doch, Ihr ſeid ja ein ſchrecklicherVergeſſen wir dieſen unſeligen Irrthum, mein lieber Menſch! Moritz. Denken wir nicht mehr daran, ſprechen wir nicht Und die Pferde, Mamſell? mehr davon. Jetzt, da wir unſer Unrecht gegenſeitig einge⸗ Ich werde die Zügel halten, aber um Gotteswillen eilt! ſtanden haben, iſt Alles vergeſſen, Alles wieder gut. In einem Nu ſprang Julie aus dem Wagen und ſtiegAch, Julie, Julie! Es drückt mich noch eine ſchwere 4 auf den Bock. Laſt. Ich habe Dir noch nicht geſagt, daß mein Verdacht... ett Nach einigen Secunden kam der Kutſcher mit dem Po⸗ aber wirſt Du es mir je vergeben können ich habe Dir ſtillon zurück, den er unter dem umgeſtürzten Cabriolet her⸗ einen Brief geſchrieben, in welchem ich... ach, mein Gott, Lau vorgeholt und den er hatte klagen hören. Beide berichteten Julie! ich habe nicht den Muth, Dir zu geſtehen, was er vete( dem erſchrockenen Mädchen, daß der Reiſende wahrſcheinlich enthält, und Du biſt viel zu edel um es zu errathen. linge bewußtlos ſei, da er ihnen auf ihre Fragen keine Antwort ge⸗Ich bin noch edler, als Du glaubſt, Moritz. Ich bin 4 geben habe. ſo edel, daß ich den böſen Brief verbrennen will, ohne ihn Iſt kein Haus hier in der Nähe? fragte Julie entſetzt. anzuſehen; aber unter einer Bedingung! Ja, ſagte der Poſtillon, welcher die Localität genauAngebeteter Engel, ich willige in Alles, ſprich! kannte,ein Schmied iſt hier nahe bei, wie werden wir aberDaß Du ebenſo mit meinem Briefe verfährſt, welchen Thara den Verwundeten bis dorthin ſchleppen? Du auf Deinem Bureau finden wirſt. Er fa Iſt auch gar nicht nöthig, erwiderte Julie, welcheWie, auch Du, Julie? welche allein die Geiſtesgegenwart behalten hatte,tragt ihn nurIch that es nur, um Dein Gewiſſen zu erleichtern, vrrch in den Wagen und wir fahren ihn dann langſam bis zum Moritz! vom Hauſe des Schmieds..Du haſt, wie gewöhnlich, an Alles gedacht, ſagte von! Wenn Sie das wollen, ſo iſt es gleich beſſer, Sie lächelnd der glückliche Bräutigam.Was meinen Sie dazu, nußt fahren ihn bis auf die Station, wohin es zwar etwas weiter gute Tante?e. eine, iſt, wo er aber beſſer gepflegt werden kann. Verdammte waren Schlafmütze, konnteſt Du uns nicht ausweichen? wendete Stäm ſich der Poſtillon an den Kutſcher, welcher, von ſeinem Fehler Graf Lambert. ſich d vollkommen überzeugt, nicht ein Wort hervorbrachte. Karl Graf von Lambert, der ganz kürzlich geſtorben iſt, Bolas 1 Man hob den Verwundeten in den Wagen, den Tante war der Sohn eines franzöſiſchen Emigranten und erblickte Män 1 Eulalie unter lautem Jammer verließ, indem ſie erkkärte, daß im Jahr 1815 in Rußland das Licht der Welt. Er trat und ſie um keinen Preis der Welt mit einem Leichnam zuſammen⸗ frühzeitig in die ruſſiſche Garde ein und focht mit Auszeich⸗ ſind v 1 bleiben würde, denn ſie war überzeugt, der Reiſende ſei todt. nung 1849 in Ungarn. 1 Pfänle 5 Man hißte ſie daher auf den Bock, und Julie blieb mit dem Der Kaiſer Alexander II., deſſen Wohlwollens er ſich Kuhhe 1 Unbekannten, den man ſo gut, als es eben gehen konnte, in beſonders erfreute, ernannte ihn zu ſeinem Generaladjutan⸗ haut dem Wagen untergebracht hatte und deſſen Kopf man in Er⸗ ten und zum Generallieutenant. Als General der Cavalle⸗ Haus 4 mangelung eines Kiſſens gegen die Schulter des jungen rie und Befehlshaber des erſten Armeecorps wurde Graf dung 8 Mädchens lehnte. Es war eine eigenthümliche Fahrt für ſie: Lambert am 24. Auguſt 1861 als Statthalter von Polen Ponch allein, im Dunkeln, mit einem Fremden, welcher jeden Au⸗ nach Warſchau geſchickt, wo es ſich darum handelte, den De⸗ icae 1 genblick ſo zu ſagen in ihren Armen ſterben konnte. Mit monſtrationen ein Ende zu machen, welche die Vorboten der itzenz 3 hochklopfendem Herzen ſandte ſie ein Gebet zu Gott, daß er Revolution waren, die für das polniſche Volk einen ſo trau⸗ iagies 1 das Leben des Unbekannten erhalten möge. rigen Ausgang nahm. Graf Lambert glaubte, das beſte Mit⸗ diac 7 Bald gelangten ſie zur Station. Der Unbekannte tel zur Löſung ſeiner Aufgabe ſei die Verhängung des Bela als ſj