Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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Als der Inſpector allein war, warf er ſich auf Juliens Sopha und verſuchte, einige Ordnung in ſeine Gedanken zu bringen, welche in ſeinem Gehirn wie im Wirbel umherkreiſ⸗ ten. Julie verreiſt, verreiſt, um ſich zu amuſiren, und an welchem Tage! Und das Alles nachdem ſie ihm geſchrieben hatte, ihm, ihrem künftigen Gatten, daß ſie den ganzen Tag zubringen wollte, um Gott für ihr Glück zu bitten und an ihn zu denken.So betrogſt Du mich alſo, thörichtes und leichtſinniges Geſchöpf! Ha, ha, ha! Und ich, der ich mir einbildete, ſie mit meinen Briefen in der Hand anzutreffen, dieſe zärtlichen und poetiſchen Zeilen leſend! O, Weib, Weib! Schlange, welche uns unter den Händen entſchlüpft! Du ſchlingſt Dich um unſer Herz, um es tödtlich zu verwunden, wenn wir es am wenigſten erwarten; o, wie verachte ich Dich!

Die Augen des jungen Mannes ſchleuderten Blitze, ſeine Wangen brannten, er litt unausſprechlich; ſein heißes Blut hatte ihm niemals geſtattet, auch nur den geringſten Sieg über ſich ſelbſt zu erringen; dieſes Blut war oft die Urſache zu einer Menge unüberlegter Handlungen geweſen, welche er ſpäter bitter bereut hatte. Dies Mal ſollte es ihm in glei⸗ cher Weiſe ergehen. Auf dem Tiſch ſtand Juliens Tinten⸗ faß, daneben lag die Schreibmappe. Moritz erhob ſich raſch, zog ein Blatt Papier heraus, tauchte die Feder ein und ſchrieb ohne weitere Ueberlegung:

Julie!

Ich war hierhergekommen, um Dich an dem Tage unſeres Aufgebots zu ſehen, Deinem Briefe zufolge in der Hoffnung, Dich zu Hauſe zu finden. Ich habe mich darin getäuſcht, wie in vielen anderen Dingen. Du haſt es vor⸗ gezogen, in Geſellſchaft zu gehen und Dich zu beluſtigen, an⸗ ſtatt Dich damit zu langweilen, meine Briefe zu leſen und an mich zu denken. Ich hätte dies von Dir verlangen kön⸗ nen von Dir, die ja immer ſo ruhig und vernünftig war. Du haſt wahrſcheinlich gerechnet, daß Dir dazu ſpäter ſehr viel Zeit übrig bleiben würde; warum ſich alſo ein Vergnü⸗ gen verſagen, welches ſich ſo eben darbietet, o, es iſt er⸗ ſtaunlich, an dem Tage unſeres Aufgebots! Wer ſteht mir dafür, daß Du denſelben Einfall an unſerem Hochzeitstage haſt? Himmel und Hölle! Und ich ſoll mich mit einer ſolchen Liebe begnügen, der ich gewollt hätte... Aber warum zu Dir von meiner Liebe ſprechen, die Du nie verſtehen wirſt, niemals nein, ich werde nicht mit Dir davon ſprechen. Um ſolchen Ueberraſchungen nicht wiederholt ausgeſetzt zu ſein(Du haſt mir geſchrieben, daß Du dafür eine entſchie⸗ dene Neigung beſitzeſt), und um ſolche Qualen in der Zukunft zu vermeiden, welche mir, wenn ich ſie an Deiner Seite verleben müßte, eine traurige und troſtloſe Wüſte ſein würde verzichte ich auf Deine Hand. Sie hat in meinen Augen keinen Werth mehr, denn Dein Herz iſt kalt. Wir ſind zwar in der Kirche aufgeboten worden, aber noch nicht getraut, und wäre ſelbſt dies geſchehen, auch eine Ehe läßt ſich löſen. Ich bin nicht der Mann, der von einem gefühlloſen, leichtſinnigen Mädchen mit ſeinem Herzen ſpielen läßt.

Deinem Vater werde ich meinen Entſchluß ſchriftlich mittheilen.

Lebe wohl, Julie! Möge Gott Dich mit den Leiden verſchonen, welche peinigen

Moritz Trenner.

Moritz verſiegelte den Brief und legte ihn auf den Tiſch; dann ging er hinunter, um den Poſtillon aufzuſuchen, der ihn hierhergefahren hatte und welcher, durch Louiſens Zuvorkommenheit regalirt, ſoeben nach ſeiner Station zurück⸗ reiten wollte. Der junge Mann überredete ihn leicht, ihn

Novellen⸗

Zeitung.

bis zur Station Torreback zu fahren, welche auf dem halben Wege von ſeinem Wohnort lag.

Louiſe berſtete bald vor Neugier, aber die Miene des Inſpectors belehrte ſie, daß jetzt nicht der Augenblick zum Fragen ſei, ſie nahm ihn aber auf, als jener abgereiſt war, um mit Andreas den Schlüſſel zu dieſem räthſelhaften Betra⸗ gen zu finden.

Verſtehſt Du etwas davon, Andreas?

Nicht eine Sylbe; ich will ein Stockfiſch werden, wenn ich die geringſte Idee habe.

Nun, ich auch nicht! Das kann eine üble Begegnung werden unterwegs.

Da kannſt Du Recht haben. Aber dies iſt nur eine Vermuthung, keine Gewißheit.

Am Ende hat er ſich nur erzürnt, weil er das Fräulein nicht zu Hauſe getroffen hat.

Sie hat es ihm aber ja geſchrieben.

Oder vielleicht...

Louiſe, angebetete Louiſe! Was meinſt Du zu irgend einem den Verſtand ſchärfenden Gläschen, um in dieſem Wirrſal klar zu ſehen? Ließe ſich nicht ſo etwas zuſammen⸗ brauen?

Da müßte ich nicht bei einem Deſtillateur gedient haben!

Louiſe! Du biſt doch ein unvergleichliches Geſchöpf.

Es giebt wohl noch beſſere als ich, Andreas!

Ach! und ich ſtehe Dir noch ſo fern, ich bin noch nicht Dein Mann! Aber was nicht iſt, das kann noch werden. Ich fühle es, geleitet von Dir, kann ich es weit bringen. Auf Deine Geſundheit, Louiſe!

IV.

Ziemlich um dieſelbe Stunde, in welcher Moritz Tren⸗ ner vor der Thür ſeines zukünftigen Schwiegervaters abſtieg, näherte ſich eine große bedeckte Kutſche der Stadt, in welcher Moritz wohnte. In dieſer Kutſche ſaß Julie Claſſen und ihre Tante, ein altes, ſehr achtbares, aber etwas taubes Fräulein.

Mein Gott, liebe Tante, wie vergnügt ich bin, und doch zugleich etwas unruhig! Denken Sie nur, wenn Papa erfährt, daß wir nicht in Engsneß geweſen ſind, ſondern den Wagen benutzt haben, um hierher zu fahren!⸗Was wird er ſagen?

Wie ich ſitze, fragſt Du? O, ſehr gut, mein Kind, mache Dir keine Sorgen. Aber wenn Du kannſt, nimm Deinen rechten Fuß weg, ich habe immer Angſt wegen meiner Hühneraugen.

Ach, mein Gott! dachte Julie,muß die Tante taub ſein, während ich das lebhafte Bedürfniß habe, mich mit Je⸗ mand auszuſprechen. Tante!

Sprichſt Du mit mir? fragte das alte Fräulein, welche das Geräuſch der Räder auf dem Straßenpflaſter vol⸗ lends taub machte.

Mit wem ſoll ich denn ſonſt ſprechen? Und, ſich zum Ohre der Tante neigend, ſchrie ſie:Nicht wahr, Moritz wird ſehr erfreut ſein, uns zu ſehen?

Das iſt wahr, meine Liebe, es iſt eine ſehr hübſche Stadt. Ich habe hier ſehr glückliche Stunden verlebt. Wenn wir werden in die Hauptſtraße einbiegen, werde ich Dir das Haus zeigen, wo Telkwiſt wohnte, der Negociant, weißt Du, der meine Hand begehrte; in dem großen grünen Hauſe wohnte er. Warum habe ich ihn nicht lieben können, dieſen rechtſchaffenen, würdigen Mann?. Er iſt hektiſch geworden und iſt im Herbſt geſtorben. Er hat ſeitdem nie eine Andere

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