73³⁰
Der Fuhrmann mußte die Landſtraßen, die Ent⸗ fernung der Ortſchaften, das in den verſchiedenen Ländern gangbare Geld und dergleichen genau ken⸗ nen. Er mußte wiſſen, welches das niedrigſte Stadt⸗ thor war, das er auf ſeiner Reiſe zu paſſiren hatte, und darnach wurde das Maß beim Bepacken des Wa⸗ gens genommen.
Die goldenen Zeiten der Frachtfuhrleute waren die vor dem Kriege, wo es noch böſe Landſtraßen gab. Da war noch Geld zu verdienen.
Die Erbauung der Chauſſeen brachte Verände⸗ rungen in der Bauart der Wagen, man verlangte breitere Räder, ſchrieb die Breite der Spur vor und verlangte von Seiten des Staates allerlei Vorſchrif⸗ ten in Bezug auf Ein⸗ und Aushemmen der Hemm⸗ ſchuhe, die auf der alten Straße nicht üblich waren.
Endlich kam die Eiſenbahn, und nun ſind die Frachtwagen ſo ſelten, wie auf dem Lande die Stroh⸗ dächer.
Der Verkehr richtet ſich nach den Verkehrsmit⸗ teln: je reichlicher dieſe vorhanden, deſto lebhafter wird derſelbe; je geringer die Verkehrsmittel, deſto mehr wird der Verkehr auf das Allernothwendigſte beſchränkt. Als es weder Lohnkutſcher noch Eilwagen gab, unternahm Niemand eine Reiſe, den die Noth nicht dazu drängte; als es in den Städten weder Droſchke noch Omnibus gab, unterblieb mancher Be⸗ ſuch, mancher Ausflug in entferntere Stadttheile. Als man einen Brief nach Berlin noch mit zehn Neugro⸗ ſchen und nach Petersburg mit einem Thaler bezah⸗ len mußte, überlegte man es ſehr reiflich, ob der Brief auch wirklich ſo unumgänglich nöthig ſei. Es iſt eine bekannte Thatſache, daß mit der Herabſetzung des Poſtbetrages der Briefverkehr ſich vertauſend⸗ facht hat.
Zu der Koſtbarkeit des Poſtporto kam noch die entſetzliche Grobheit und Ungefälligkeit der Poſtbeam⸗ ten, die Langſamkeit und Unzuverläſſigkeit des Ge⸗ ſchäftsganges. In der Fabrikſtadt Chemnitz beſtand vor dem Kriege das Poſtperſonale aus Poſtmeiſter und Briefträger, zwei Perſonen auf zwölftauſend Ein⸗ wohner. Die Briefe wurden durch das Felleiſen oder die Reitpoſt, die Pakete mit der Fahrpoſt beſtellt. Außerordentliche und höchſt wichtige Briefe, zumal in öffentlichen Angelegenheiten, beförderte man durch einen Courier. Dergleichen ſah man öfter in den Kriegsjahren. Da kam dann ein Poſtillon in ſtarkem Trabe die Straße herein und fünf bis acht Schritte hinter ihm der Courier, meiſt ein Kammerjunker oder Officier, der eine lange Hetzpeitſche führte, womit er
Novellen⸗
Zeitung.
den Poſtillon zur Eile antrieb. Die Pferde dampf⸗ ten; am Thor und in Sicht des Poſthauſes blies der Poſtillon auf dem Horn, ſprang vom Pferde, der Courier that desgleichen und wiſchte ſich den Schweiß von der Stirne. Bald erſchienen friſche Pferde und ein neuer Poſtillon, und nach kurzer Raſt ging es in ſcharfem Trabe weiter. Ich habe noch einen Kam⸗ merjunker gekannt, der als Courier in einer Tour von Dresden nach Warſchau geritten war, als Frie⸗ drich Auguſt der Gerechte Großherzog von Warſchau geweſen.
Der Gegenſatz zu dem Courier war die reitende Poſt oder das Felleiſen. Da herrſchte durchaus keine Eile, Roß und Reiter gingen in größter Gemächlich⸗ keit fürbaß, kehrten fleißig ein, wo ein guter Trank zu erhoffen war, und kamen dann gelegentlich am Orte ihrer Beſtimmung an. Ward es dem Poſtillon auf der Straße recht behaglich, ſo blies er ein Stück⸗ lein auf ſeinem Poſthorn; traf er unterwegs Bekannte, ſo knüpfte er ein gemüthliches Geſpräch an, daher brachte er dem Poſtmeiſter außer den Briefen im Felleiſen auch noch manche intereſſante Neuigkeit mit.
Die alte Fahrpoſt war, wenigſtens für den un⸗ glücklichen Paſſagier, der mit ihr reiſen mußte, bei weitem weniger gemüthlich. Nur der blinde Paſſagier konnte von Seiten des Poſtillons, der ihn gegen ein mäßiges Trinkgeld mit aufſteigen ließ, auf einige Berückſichtigung rechnen.
Bald nach dem Kriege ward aber auch eine Per⸗ ſonenpoſt oder Diligence eingerichtet. Es war dies ein Korbwagen, in welchem Sitze eingehangen waren, der auch mit einem Verdeck verſehen war. Vorn an war der Ehrenſitz für den Herrn Poſtſchaffner; dieſer hatte ſich für die Reiſe mit allerlei Bequemlichkeiten verſorgt, die ihm das öftere Abſteigen erſparten. Auch führte er mehrere Flaſchen Bier und anderen Mund⸗ vorrath bei ſich. Gelangte nun der Wagen an eine bedenkliche Stelle der Straße, etwa an ein tiefes Loch, ſo rief er den Inſaſſen zu:„Meine Herrſchaften, machen Sie ſich auf einen Hoppas gefaßt!“ und nun erwartete man zagend einen furchtbaren Stoß oder gar einen Umſturz. Der Schaffner gab nun von ſei⸗ nem Sitz aus dem Poſtillon guten Rath, und man warf nicht alle Mal um. Die Diligence war die Vorläuferin der Eilwagen.
Nach dem Kriege traten auch im Poſtweſen grö⸗ ßere Verbeſſerungen ein. Die Poſttage wurden ver⸗ mehrt, die Taxe geordnet, der Briefſtempel eingeführt, bis man endlich auch die Stadtpoſt einrichtete. Die Chauſſeen erleichterten den Poſtverkehr.
Ziel ſe deshal Negoc dem 8 es war Morit gen S von Fr ſo glän eintrete Worth Freude ich laſ geben wohl! nach d der K Heerd ehrſa⸗ währ lich! undſ
ſchen denn rollen . dnd
dige Augen
ſich le zeihe iſt die
vo iſt T leins!
Plinſ


