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Ihnen dieſe Klemm'ſchen Briefe erſcheinen, die inſo⸗ fern mit dem Gebiet literariſcher Correſpondenzen gar nichts gemein haben, als ſie nur fingirte Briefe ſind, da dieſe Form dem Verfaſſer zu leicht und un⸗ genirt aneinander gereihten Vorträgen die paſſendſte und lebendigſte zu ſein ſchien.
Es handelt ſich hier nicht um ein culturgeſchicht⸗ liches Lehrgebäude oder überhaupt um den geiſtigen Extract dieſer Wiſſenſchaft; vorzüglich Beiträge von Materialien, überhaupt realiſtiſche Schilderungen von früheren Thatſachen und Zuſtänden ſehen wir hier zuſammengeſpeichert, oft in ſehr bunter Reihe, wie es das immerhin ſehr friſche Erinnerungsvermögen eines älteren Herrn mit ſich bringt. Die Culturge⸗ ſchichte iſt das ausſchließliche Fach des rühmlichſt be⸗ kannten Autors und er hat dieſelbe nicht blos durch ſein außerordentlich und merkwürdig großes Privat⸗ muſeum ſachlich zu ſtützen und zu illuſtriren geſucht: er erweiterte und objectivirte ſich ſeine Wiſſenſchaft durch den echten, ſammelnden Beobachtungsblick im wirklichen Leben.
Dieſem Blicke iſt das ſcheinbar Kleine, woran die Meiſten gleichgültig vorübergehen, nicht bedeu⸗ tungslos; er ſieht es als ein Gepräge, als eine Scheidemünze der Zeit an, deren Jahreszahl eine mitredende Chiffre in der Culturgeſchichte iſt.
Unſere Zeitperiode hat ſich ſo ſehr dem raſchen Fortſchreiten, dem Verwandeln aller möglichen Ein⸗ richtungen hingegeben, und dieſe Verwandlungen ſind vom Jahre 1800 bis zum Jahre 1830 bereits ſo emi⸗ nent geweſen(obgleich ſie von 1830 bis heute ſich von Jahr zu Jahr immer noch jäher ſteigerten), daß der überwiegende Theil des jetzt lebenden, alſo nach 1830 geborenen Geſchlechtes gar keinen Begriff mehr davon hat und haben kann, welche Umwälzungen und Steigerungen die Cultur ſeit fünfzig Jahren durch⸗ gemacht hat. Hundert Zuſtände, Verhältniſſe und Lebensgewohnheiten, die zu Anfang unſeres Jahrhun⸗ derts als Regel an der Tagesordnung waren, erſchei⸗ nen der Gegenwart ſo uranfänglich und altväteriſch, als ob ſte mehr als ein ganzes Säculum hinter uns liegen müßten. Und doch haben ſich die älteren aller jetzt Lebenden und Millionen dieſer Lebenden ſelbſt noch mit jenen abgelegten Gewändern bürgerlicher Inſtitutionen herumſchlagen müſſen. Nach vielen Sei⸗ ten hin mag man dabei ein Recht haben, verloren gegangene Segnungen der guten alten Zeit wehmüthig zu preiſen; die bei weitem größere Summe der Ver⸗ änderungen weiſt aber eine unverkennbare, innig dan⸗ kenswerthe Vervollkommnung nach, und wer das Glück gehabt hat, im letzten halben Jahrhundert das Leben zu durchwandern, darf ſeinen Stern preiſen,
Novellen⸗
Jeitung.
in eine Epoche gefallen zu ſein, die mit Rieſenſchrit⸗ ten, wie nie eine andere in der Weltgeſchichte, dampf⸗ getrieben und vom Geiſte der Telegraphie beflügelt, geradezu culturdämoniſch aufwärtsſtieg.
Sowie aber der beſtändig auf der Eiſenbahn Reiſende endlich glaubt, er komme kaum noch erwäh⸗
nenswerth von der Stelle, wenn er nicht mit der
Bravonr eines Schnellzuges dahinſegelt, ſo iſt auch durch die Gewöhnung der ganzen modernen Menſch⸗ heit das unbefangene Urtheil darüber verloren gegan⸗ gen, wie raſch ſte im Wagen des allgemeinen Fort⸗ ſchrittes fährt.
Dies klar machen zu helfen war wohl eine Haupt⸗ abſicht Klemm's, und er ruft uns daher, ſich zur Vergangenheit zurückwendend, mit Behaglichkeit die Erinnerungen eines beſchaulichen Menſchenlebens in's Gedächtniß zurück. Dieſe Spiegelbilder beziehen ſich in bunten Beiſpielen, als ein locales Forum der Um⸗ ſchau beſonders Sachſen im Auge behaltend, auf die mannigfaltigſten Einzelnheiten, welche in die Haupt⸗ rubriken Familie, Volk, Volksbewegung, Staat, Kunſt und Literatur einrangirt ſind.
Als Probe möge hier Einiges von dem mitge⸗ theilt ſein, was der Verfaſſer über die frühere Art und Weiſe des Handels und Poſtverkehrs erwähnt.
Die meiſten und bedeutendſten Laſten wurdemn zu Anfang dieſes Jahrhunderts zu Lande auf der Achſe fortgeſchafft. Die Wagen, auf denen dies ge⸗ ſchah, die Rüſtwagen(Frachtwagen), waren dem Zu⸗ ſtande der Straßen entſprechend eingerichtet. Es wa⸗ ren durchgängig ſtarke, aus feſtem Holz gebaute, ſtark mit Eiſen beſchlagene Fahrzeuge, und inſofern von den leichteren landwirthſchaftlichen Leiterwagen der Landwirthe verſchieden.
Die aus dem Reich und aus dem Rheinlander kommenden Weinkarren hatten zwei ſehr große Rä⸗ der. Auf der Achſe ruhten zwei Stangen, auf denen die Laſt befeſtigt war; die Enden der Stangen bil⸗ deten die Gabeldeichſel, in welcher das ziehende Pferd
ſchritt, vor welches dann noch ein zweites geſpannt
war. Dieſe Karren waren ſehr ſchmal, über die Laſt war eine Leinwand geſchnürt.
Die großen Rüſtwagen für Wolle, Colonialwaa⸗ ren und andere Kaufmannsgüter hatten vier tüchtige Räder. Sie hatten die Conſtruction der gewöhnlichen, ſeit uralter Zeit in deutſchen Landen üblichen Leiter⸗ wagen, nur daß ſie viel ſtärker im Holz⸗ und Eiſen⸗ werk waren. Sie wurden von den Auflädern, die in den Handelsſtädten Leipzig, Breslau, Hamburg einer eigene Zunft bildeten, kunſtgerecht bepackt, die ver⸗ ſchiedenen Fäſſer, Kiſten und Pakete mit tüchtigen
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