Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
718
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Novellen

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ken den endloſen Geſichtskreis, nur da und dort taucht vor dem ſpähenden Auge der lange Arm eines Ziehbrunnens oder die Thurmſpitze einer fernen, fernen Dorfſchaft auf. Der ſodareiche Boden hat ſein herrliches Frühlingskleid abgelegt und eignet ſich meilenweit nicht zum Anbau der Feldfrüchte, denn entweder iſt er zu feucht, oder er wird durch die Som⸗ merhitze zur mürben, in Staub zerfallenden Krume ausgedörrt. Der ſpärliche Graswuchs bietet den Schafen, Rindern und Pferden nur kärgliche Weide und auch dieſe verkümmert, wenn im Hochſommer der bis zur Wurzel verbrannte Raſen einem dürren gelben Stoppelfelde gleicht.

Die Heerden haben ſich nach allen Seiten über die Ebene zerſtreut und weiden anfangs ruhig und behaglich. Bis zu den entfernteſten Weiden hat der Eſikös die Pferde getrieben, und die unruhigen halbwilden Thier laſſen es ſich ſelbſt auf der magerſten Hutung gefallen; trotz der Glocken, welche die alten Stuten am Halſe tragen, zerſtreuen ſie ſich unaufhörlich und werden nur durch die fabelhaft lange Peit⸗ ſche(karikäs) zuſammengehalten. Wie feſtgegoſſen erſcheint der Cſikös auf ſeinem Roſſe, das Bild des verwegenſten und ſchönſten Naturreiters. Auf dem Kopfe ſitzt der niedrige runde Hut, den ein Strauß der Arvaleany(Federgras, Stipa pennata) ſchmückt, das kurze Hemd deckt kaum die braune Bruſt. Unglaublich weite, manchmal ſchwarze, immer aber befranzte Gatyen, die, bis zum Knie reichend, beim Gehen täuſchend dem Rocke eines Weibes gleichen, fallen unter dem Ledergurte auf die geſpornten Tſchismen herab. Mit der Gewandtheit des ſüdruſſiſchen Tabuntſchik oder des amerika⸗ niſchen Gaucho ſchwingt er ſeine aus Hanf und Roßhaaren gedrehte Wurfleine, wenn es gilt, einen Wildling mitten aus der Heerde herauszuholen. Der Cſikös auf ſeinem unan⸗ ſehnlichen, aber höchſt ausdauernden Roſſe iſt das trefflichſte Material für Huſaren und ſo innig mit ſeinem Pferde ver⸗ bunden, daß er als Soldat nicht begreifen kann, wie man ihm als ein Vergehen anrechne, wenn er für ſein Pferd Hafer oder Heu ſtiehlt.

Häufiger als die Heerden der Pferde gewahrt man große Schaaren ſchlanker, feingliedriger Rinder von bläulichweißer Farbe. Iſt der Sommer nicht zu heiß, ſo gewährt eine ſolche Heerde einen ſchönen Anblick, namentlich ſtrotzt das Jungvieh von Kraft, denn es darf nach Herzensluſt ſaugen, weil die Kühe nur für den Bedarf des Hirten gemolken wer⸗ den. Die Rinder werden nur als Schlachtvieh in den Han⸗ del gebracht oder als Zugvieh in der Landwirthſchaft verwen⸗ det. Jeder Gutsbeſitzer hat eine Gulya(Rinderheerde) von verſchiedener Größe, je nach dem Umfange ſeiner Pußta. Mancher beſitzt bis zu 30,000 Stück, die in faſt wildem Zu⸗ ſtande leben. So wenig ſind dieſe Rinder an den Anblick des Menſchen gewöhnt, daß ein vorbeiziehender Fremder ſo⸗ gleich von der ganzen Heerde bemerkt, umringt und gemuſtert wird, wobei er aber leicht in Gefahr vor den 3 bis 4 Fuß langen Hörnern geräth.

Später als die andern Hirten verläßt der Juhasz(Schä⸗ fer) in ſeinem ewigen Pelz, welcherim Winter gegen die Kälte, im Sommer gegen die Hitze ſchützt, als Zelt und Bett dient, die wohlverwahrte Hürde und treibt ſeine zahllo⸗ ſen Schafe aus, die in Südungarn faſt nur wegen des Vlie⸗ ßes gezüchtet und deren Fleiſch und Milch kaum beachtet werden. Wenn der Cſikös der Heißſporn unter den Hirten, ſo iſt der Juhasz ſein Gegenſtück, das gutmüthige Phlegma, der Träumer auf der Pußta, welcher, die Pfeife im Munde, den Wolfshund zu ſeinen Fußen, ſtundenlang auf ſeinen Stab oder ſein Eſelchen gelehnt hindämmert. Doch verſteht

Zeitung.

er die ungariſche Hirtenflöte gut zu blaſen, verſucht ſich auch mitunter auf dem Dudelſack und macht dann ganz wunderliche Bocksſprünge.

Die Sonne ſteigt höher und auch die Pußta entfaltet allgemach ihr eigenes Leben. Adler und Falken wiegen ſich in den blauen Höhen, ſchweben eine Weile ſcheinbar regungs⸗ los und ſchießen pfeilſchnell auf ein Steppenhuhn oder ein kleines Nagethier herab; Trappen eilen über die Fläche zu den entfernten Weizen⸗ oder Rapsfeldern, Gänſe und Kra⸗ niche fliegen von einem Tümpel zum andern; kleine Eidech⸗ ſen huſchen im Graſe und zahlloſe Erdzeiſel treiben ſich her⸗ um, fahren blitzſchnell in ihre Verſtecke, gucken neckiſch hervor und beginnen bald wieder ihr früheres Spiel. Lärmend und vielgeſchäftig läßt ſich ein Schwarm von Staaren nieder, ſchwerfällig und krächzend nähern ſich Raben und Krähen den grunzenden und wühlenden Schweinen. Zwei Inſecten ſind in der Pußta unbekannt: die Heuſchrecke und die Biene. Der Mangel an Bäumen, Waſſer, an ſaftigen und duftigen Blumen, endlich die Hitze des Sommers machen, daß nicht einmal die Erdbiene fortkommt.

Die Luft wird immer heißer, warme Luftſtröme ſteigen ſenkrecht empor, Staub und dürre Hälmchen mit ſich führend. Ueber allen Pflanzen fließen und zittern glitzernde Lichtwo⸗ gen, in der Ferne beginnt an warmen, dunſtigen, hellſonni⸗ gen, ſtillen Tagen im Hochſommer, ſeltener im Frühjahre und Herbſt Deliab, die Fata morgana, ihre trügeriſchen Luftgebilde zu weben.

Endlich ſinkt die Sonne hinab, ein blutigrother Rieſen⸗ ball in einem geſpenſtigen, zugleich fahlen und gluthrothen Meere; lange nach ihrem Untergange ſchwebt ihr Bild noch über dem Horizonte. Die Heerden kehren geſättigt und be⸗ häbig zu der Hürde zurück. Bisweilen leuchten im Herbſte die phosphorescirenden Augen des Wolfes im Steppengraſe. Aber die Wolfshunde rücken gegen ihn an und er giebt Fer⸗ ſengeld.

3 Es iſt allmählich dunkel geworden und nun gewährt die Steppe plötzlich ein überraſchendes Bild. Allüberall, bei jeder Hürde ſteigen flackernde Feuer auf bis zum fernſten Horizonte und ſtechen grell gegen den nächtlichen Himmel ab. Die Hirten bereiten und verzehren ihr Nachtmahl, einige Kühe und Mutterſchafe werden gemolken, und nachdem alles beſorgt iſt, beſuchen manche Hirten ihre Nachbarn und plau⸗ dern oder ſpielen, um das Feuer gelagert. Auf die Bitte der Hirten erzählt der Szämadé(Oberhirt) ſeinen Bojtären (Gehülfen) uralte Sagen und Mähren, wie die Magyaren in ihre jetzige Heimath eingewandert und ſie mit dem Schwerte erkämpft, Charakterzüge aus dem Leben des unvergeßlichen Matthias des Gerechten und der großen Helden der Vorzeit. Alles dieſes hat er als Bojtär aus dem Munde ſeines Szä⸗ madö geſchöpft. Rings herrſcht tiefes Schweigen und keiner der Lauſchenden wagt es, ihn zu unterbrechen. Erſt ſpät in der Nacht verſtummt ſein beredter Mund, und bald umfängt alle der ſüße Schlaf..

Doctor Franz Ahn.

Der am 21. Auguſt c. zu Neuß im Regierungsbezirk Düſſeldorf verſtorbene emeritirte Gymnaſial-Oberlehrer Dr. F. Ahn hat ſich durch ſeine Lehrbücher um das Studium der neuern Sprachen ſo große Verdienſte erworben und ſich in ſo weiten Kreiſen bekannt gemacht, daß er wohl verdient, daß wir unſern Leſern Näheres über das Leben und Wirken des⸗ ſelben mittheilen.

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