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716 Novellen ein oder zwei Mal geweſen, wenn er ein Bischen ſchräg nach Hauſe kam. Aber bei Ihnen, hoff' ich, kann doch von ſo was gar nicht die Rede ſein.“
„Sie ſind ſehr gütig.“
„Und wann wird denn die Hochzeit ſein?“
„In drei Wochen, und Sie ſollen dabei ſein, ſo wahr ich lebe. Sie werden eine ſehr ſchöne Einladung erhalten in goldnen Buchſtaben auf roſa Papier, die legen Sie ſich dann als Zeichen in Ihr Gebetbuch. Sie werden mit mir in meinem eigenen Wagen fahren, das heißt, in dem Wagen, den ich dazu miethen werde. Sie werden unter den Gäſten ſitzen und auf die Geſundheit der jungen Eheleute trinken, und was für ein Mittagseſſen, Frau Topp, was für ein Mittagseſſen!“
„Der liebe Gott vergelte es Ihnen, aber... ich bin ſo alt und habe keine Zähne mehr.“
„Das thut nichts. Das thut einer glücklichen Ehe kei⸗ nen Eintrag.“
„Mein Gott, was Sie gern ſpaßen, Herr Inſpector. Ich weiß wohl, daß dies nichts zu Ihrem Glück beitragen kann, ich wollte nur ſagen...“
„Ja, ja, ich verſtehe Sie, es iſt Ihnen peinlich, ſich an den Gedanken gewöhnen zu müſſen, daß Sie keine Erobe⸗ rungen mehr machen und keine Herzen mehr in Feſſeln ſchla⸗ gen können, wie das des ſeligen Herrn Topp. Aber machen Sie ſich keinen Kummer, über mich haben Sie den ſolideſten Sieg davon getragen, ich werde mich nie von Ihnen trennen, Frau Topp.“
„Der gütige Gott ſegne Sie dafür mit allen ſeinen Wohlthaten. Sie erweiſen mir mehr Güte, als ich erwartet habe. Ach, mein guter, guter Herr Inſpector!“
„Ach, ach, ach, Frau Topp! Sind ſie jetzt zufrieden mit mir?“
„Ob ich es bin, Gott weiß es!“
„Nun dann, ſo umarmen Sie mich.“
„J, der Herrgott bewahre mich, mein guter Herr In⸗ ſpector.“
„Der Herrgott ſoll Sie bewahren? Sie ſollten mir es aber doch nicht abſchlagen, wenn ich Sie bitte, mich zu umarmen.“
Frau Topp näherte ſich ſchüchtern gemeſſenen Schrittes ihrem„guten Herrn Inſpector“, ſchob die eine Hand unter den Arm des jungen Mannes, legte die andere leiſe auf ſeine Achſel und machte zugleich eine achtungsvolle Verbeugung vor ihm.
„Und das nennen Sie eine Umarmung? Nicht doch, ſo muß man das machen.“
Und der junge Mann hob die Alte empor und walzte einige Male mit ihr im Zimmer herum.
„Au, au, au, erbarmen Sie ſich und laſſen Sie mich los, mein guter Herr Inſpector. Ach, Herr meines Lebens, ach, ich Unglückliche!“
„Was Teufel haben Sie denn, daß Sie ſo ſchreien?“
„O, Du mein gütiger Gott! Au, au, meine Neuralgie, au, au!“
„Nun, verzeihen Sie, meine gute Frau Topp, und ſeien Sie überzeugt, daß mein Herz unter Ihrer Neuralgie mit leidet. Warum haben Sie aber auch eine Neuralgie?“
„Ach, das ſind die abſcheulichen Zahnſchmerzen, mein guter Herr Inſpector.“
„Zahnſchmerzen? Aber, Sie haben ſich ja ſo eben be⸗ klagt, daß Sie gar keine Zähne hätten, das iſt eine ſchlecht angebrachte Aufſchneiderei, meine Liebe!“
„Heute muß ich Ihnen doch Alles vergeben; ſonſt würde
„ZJeitung.
ich Ihnen ſagen, daß Sie unbarmherzig mit einer armen Frau umgehen.“
„Sie denken nicht daran, dazu kennen Sie mich viel zu gut. Sie manchmal ein Bischen ſcheeren, ja, aber unbarm⸗ herzig, böſe ſein— niemals, niemals, Frau Topp. Einſt⸗ weilen iſt hier ein kleines Pflaſter für Ihre Neuralgie.“
„Was ſehe ich? Großer Gott! Ein ganzes Bankbillet! Sie ſind doch aber ein leibhaftiger Engel, Herr Inſpector.“
„„Ja, ja, man iſt immer ein Engel, wenn man mit ſol⸗
chen Flügeln kommt. Aber, hören Sie einmal zu: Sie brauchen heute nicht mit dem Eſſen auf mich zu warten und auch mein Bett nicht zurecht zu machen, ich werde nicht zu Hauſe ſchlafen.“
„Was? Sie wollen es machen wie ſonſt? Ich dachte, Sie wären ſolider geworden ſeitdem....“
„Frau Topp, ich bitte Sie, Ihren Sermon für ſich zu behalten, wenn es möglich iſt.“
„Ja, ja, ach, Gott bewahre mich! Ich weiß recht gut, daß mich das nichts angeht. Wollen Sie mir aber wenigſtens
nicht ſagen, wo Sie hingehen, im Fall, daß Jemand Sie zu
beſuchen käme? Man wendet ſich immer an mich, weil man glaubt, ich wüßte, wo Sie wären.“
„Das iſt eine verteufelt alberne Gewohnheit von den Leuten, die ich ihnen austreiben werde. Nichts deſtoweniger biſte ich Sie, zu Hauſe zu bleiben und meine Blumen und Pflanzen in Ordnung zu bringen, und wenn Jemand nach mir fragt, den Beſcheid zu geben, Sie wüßten nicht, wo ich ſei, wie es auch wahr iſt. Ich wollte es Ihnen erſt ſagen, wo ich hingehe, aber da müßten Sie ja lügen, und da bin ich viel zu gewiſſenhaft, um Ihnen dieſe Sünde zuzumuthen. Sie ſelbſt ſind nicht neugierig, das weiß ich.“
„Hm! hm!“
„Sagten Sie etwas, Frau Topp?“.
„Ich? Kein Wort!... Soll ich wie gewöhnlich um ſechs Uhr Feuer machen?“
„Ja, machen Sie ein recht ſchönes Feuer, meine Char⸗ mante! Adieu!“
„Es geht ſchon fort?“
„Nun ja, ich denke.“
„Sie antworten mir ſo ſonderbar, mein lieber Herr. Den Schlüſſel werde ich an den Nagel hängen.“
„Thun Sie das.“
Dieſe Unterhaltung fand des Morgens gegen acht Uhr
ſtatt. Um zwölf Uhr ſtieg der Inſpector in ſein hübſches Cabriolet und fuhr der Gegend zu, wo ſeine Braut wohnte, die er angenehm überraſchen wollte. Frau Topp ſah ihm nach und ſagte zu ihrer Schweſter, mit welcher ſie zuſammen wohnte:
„Das iſt nicht übel, da fährt er wieder zu der leichtſin⸗ nigen Geſellſchaft nach Erlandsborg, da werden ſie wohl wie⸗ der eine Orgie feiern. Und ich glaubte ſchon, er hätte dem Allem entſagt und ginge gar nicht mehr mit den Leuten um, weil er ſo lange nicht dort geweſen iſt. Ich bin ſehr arm, aber ich gäbe gern mein Bankbillet darum, wenn er nicht da⸗ hin gegangen wäre.
„Aber, Katharine, wenn er nun zu ſeiner Braut gegan⸗ gen iſt?“
„Ach, was ſchwatzeſt Du da! Wird er heute drei und eine halbe Meile machen und in der Nacht eben ſoviel wieder zurück, um zur rechten Zeit wieder zu Hauſe zu ſehn! Ich weiß doch ganz gewiß, daß er morgen früh um neun Uhr in ſeinem Bureau ſein muß. Nein, das iſt ganz unmöglich.“
(Schluß folgt.)
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