Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
715
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beugen. Man muß jeden unnöthigen Conflict mit den Mäch⸗

ten vermeiden, von denen man jederzeit abhängt. Alſo, Adieu,

meine Heißgeliebte, ſei überzeugt, daß Niemand glücklicher zu ſein vermag, als Dein Moritz. Julie an Moritz. Sonnabend, den

O Du ſchwärmeriſchſter aller Inſpectoren, geſtehe, daß ich eine ſehr liebenswürdige Braut bin; ich ſchreibe Dir heute, während ich Dir erſt künftigen Montag ſchreiben ſollte; aber vernimm es nur ein für alle Mal, daß ich eine entſchie⸗ dene Neigung habe, Ueberraſchungen zu bereiten, verſteht ſich nur angenehme. Dein letzter Brief, welchen ich vergan⸗ gene Woche empfangen habe, hat mich bis tief in das Herz hinein entzückt, wie alle, die ich von Dir erhalte, mein guter Moritz. Jedoch, er iſt mit ſolchen vomantiſchen Träumereien durchwebt, daß, ich will es nur geſtehen, ſich meiner beim Le⸗ ſen eine gewiſſe Beſorgniß bemächtigt hat. Es iſt ganz un⸗ möglich, daß alle die Wunder, welche Deine Phantaſie ſchafft, ſich verwirklichen ſollten. Ich bin nichts weniger als ein En⸗ gel und darf mich in keiner Hinſicht zu den Vollkommenhei⸗ ten rechnen. Ich bin ein ſehr einfaches, gutes Mädchen, welches den lebhaften und innigen Wunſch hegt, Dir eine glückliche und behagliche Häuslichkeit zu ſchaffen. Dir in die erhabenen Sphären zu folgen, wohin Dich Deine Einbil⸗ dungskraft führt, bin ich, Gott weiß es, nicht fähig! Es ſcheint mir, daß es für uns Beide viel beſſer ſein würde, ein wenig mehr auf der Erde zu bleiben, damit wir nicht zu un⸗ ſanft herabfallen, was eher oder ſpäter doch geſchehen wird.

Morgen, Moritz denkſt Du wohl daran, was mor⸗ gen iſt? O ja, ich weiß, Du thuſt es; mögen alle guten Gei⸗ ſter unſer Glück beſchützen! Ich geſtehe, ich wäre ſehr gern in der Kirche geweſen, um es mit anzuhören, wenn der Bund, den unſere Herzen geſchloſſen, verkündigt werden wird. Es iſt das ein albernes Herkommen, das einen zwingt, gerade an dem Tage zu Hauſe zu bleiben, an welchem man am leb⸗ hafteſten das Bedürfniß fühlt, im Tempel des Herrn zu ihm zu beten. Aber, Gott ſei Dank, man kann ja auch zu Hauſe aus voller Seele beten. Das einzige Vergnügen, welches ich Dir morgen bereiten kann, beſteht in dieſem Briefe, den Du nicht erwarteſt. Ich beginne ſchon, dem Deinigen mit Unge⸗ duld entgegen zu ſehen; welche Freude würde es mir ſein, ihn um dieſelbe Zeit zu erhalten, wenn wir in der Kirche von der Kanzel herab abgekündigt werden, und wie zufrieden würde ich ſein, wenn er recht vernünftig und maßvoll wäre, ſo daß er gar nicht an einen gewiſſen verliebten Schwärmer erinnerte und weniger von ſchon oft wahrgenommenen poe⸗ tiſchen Anwandlungen Zeugniß ablegte, welche ich durchaus nicht liebe. Glaube nicht, daß ich grolle aus bloßem Vergnü⸗ gen am Grollen; nein, Moritz, wahrhaftig nicht; einzig und allein die Sorge um unſer Glück dictirt mir dieſe Sprache. Ich kann die Worte der Madame Lengren nicht vergeſſen: Feuer von Stroh macht weder warm noch froh.»(Madame Lengren iſt die einzige Perſon, die ich kenne, bei welcher ſich Reim und Vernunft in Uebereinſtimmung befindet.)

Ach! Moritz, wenn Papa ein anderer Mann wäre, würde ich ihn morgen wohl bitten, mir und der Tante die Kaleſche und den Fuchs zu geben, und die Tante und ich würden einen gewiſſen Inſpector, den ich kenne, beſuchen; nicht, als ob ich gerade den lebhaften Wunſch hegte, beſagte

..

Perſon zu ſehen, ſondern nur, um dieſelbe mit meinex uner⸗

warteten Ankunft zu überraſchen. Aber Du kennſt ja meinen Vater, der eher Alles rückgängig machen würde, als ſeine Einwilligung zu einer ſolchen Excentricität zu geben. Er iſt

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ſehr erfreut, Dich ſo vernünftig zu finden und zu ſehen, daß Du Dir um Deines Amtes willen hierher zu kommen ver⸗ ſagſt. Er verſichert mir, daß unſere Abkündigung eben ſo gut und pünktlich vor ſich gehen werde, als wenn nicht drei und eine halbe Meile die Braut von dem Bräutigam trennte. Das iſt wohl wahr, aber...

Morgen, ſogleich nach dem Eſſen, werde ich mich in meinem Zimmer einſchließen und den Schlüſſel abziehen; dann werde ich Deine Briefe holen und ſie vom Anfang bis zum Ende durchleſen. Das wird mir faſt eben ſo großes Vergnügen machen, als mit Dir zu plaudern... Ich werde für Niemand zu Hauſe ſein; Gott ſei Dank haben wir keine Verwandte, welche kommen könnten, um uns ihre Glück⸗ wünſche darzubringen. Es iſt dies eine wahre Gunſt des Schickſals, in ſeiner Ruhe bleiben zu dürfen. Ich hoffe nun ſehr bald einen neuen Brief von Dir zu erhalten, aus dem ich erſehen werde, wie Du morgen den Tag hinzubringen gedenkſt.

Auf Wiederſehen, mein geliebter Moritz; gedenke lie⸗ bend Deiner Julie.

II.

Frau Topp!

Reden Sie mit mir, Herr Inſpector?

Legen Sie einmal den Borſtwiſch weg und kommen Sie hierher. Was iſt heute für ein Tag?

Nun, Sonntag, denke ich.

Sehr richtig, es iſt Sonntag. Aber glauben Sie wohl, daß es ein Sonntag iſt wie andere Sonntage?

Nein, Herr Inſpector, Sie haben Recht, es iſt heute viel kälter als die drei letzten Sonntage. Ich denke wohl, es wird ſchneien, ich fühle ſchon ſo etwas in meinem alten Rücken.

Wie, dort ſitzen Ihre Gefühle? Die Hauptſache aber iſt, daß Sie überhaupt welche beſitzen. Sagen Sie mir ein⸗ mal, Frau Topp, wie ſehe ich heute aus?

Aber, mein Gott, wunderſchön, dächt' ich.

Schmeichlerin, ſuche nicht, mich in Deine Netze zu zie⸗ hen. Ich frage Sie, Frau Topp, finden Sie nicht, daß ich ſehr glücklich ausſehe?

Nein, das habe ich nicht bemerkt.

Wie, Frau Topp, das haben Sie nicht bemerkt? Dann muß ich Ihnen ſagen, daß Sie keine Phyſiognomiſtin ſind.

Wie meinen Sie?

Uebrigens kommt nichts darauf an, was Sie ſind oder was Sie nicht ſind. Ich will Ihnen jetzt etwas ſagen, hören Sie einmal zu. Erinnern Sie ſich noch meiner Braut?

Dieſen Engel Gottes, wie könnt' ich ihn vergeſſen?

Gut. Nun denken Sie einmal, daß heute unſere Ver⸗ lobung in der Kirche abgekündigt wird.

Ach, Du mein gütiger Gott, Herr Inſpector, was Sie agen!

Die reine Wahrheit, Frau Topp! Ich glaube alſo, ich habe einigen Grund, mich zu freuen. Fühlen Sie bei dieſer Nachricht nichts in Ihrem Rücken?

Ach, mein beſter Herr Inſpector, dieſe Nachricht geht mir zu Herzen. Schenke Ihnen der liebe Gott eine glückliche Ehe und ein glückliches Leben, und mache Sie der Himmel ſo glücklich, wie ich es mit meinem ſeligen Mann geweſen bin.

Vielen Dank für Ihre Wünſche, meine gute Frau Topp, aber ich habe mir ſagen laſſen, daß der ſelige Herr Topp ſehr kurz angebunden geweſen und eine ſehr bewegliche Hand gehabt haben ſoll.

3, was Sie ſagen, Herr Inſpector! Das iſt vielleicht