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714 Novellen⸗
fruchtbares Unternehmen iſt, abwägen zu wollen, welche Fürſten ſich am meiſten und erfolgreichſten bemüht haben, ſich für ihre Unterthanen aufzuopfern. Oeſterreich wird wohl thun, auf ſeine Volksbeglückung ebenſowenig ſtolz zu ſein, als auf die Hekatomben, die es ſeit Jahrhunderten der Aufrechterhaltung des Deutſchthums nach des Herrn Verfaſſers Meinung geſchlachtet hoben ſoll. Die öſterreichiſchen Helden waren im Kriege gegen Friedrich wohlberechtigte Va⸗ terlandsvertheidiger, und Viele tüchtige Männer dar⸗ unter; aber deshalb durfte der Verfaſſer es nicht für überflüſſig erachten, auch den kriegeriſchen Glanz der Gegenpartei zu erwähnen. Was die militäriſche Dis⸗ eiplin anbelangt, ſo iſt es möglich, daß Friedrich, der in ſeinem Charakter von Härte nicht frei war, auch dann die grauſamen Strafen nicht abgeſchafft
hätte, wenn ſie ihm bei ſeinem nach dem Werbeſy⸗
Zeuilleton.
Ein Chaſſe-Croiſt. Nach dem Däniſchen von Brown. J.
Der Inſpector Moritz Trenner an ſeine Braut, Fräulein Julie Claſſen. Sonnabend, den......
„Meine geliebte und reizende Julie! Welche Wonne durchbebt mein Herz bei dem Gedanken an morgen, an den Tag, an welchem unſere Verlobung zum erſten Male in der Kirche verkündigt werden ſoll! Sage Du es mir, theures Weſen, von Deinen Roſenlippen muß ich es hören, es iſt alſo wirklich wahr, daß morgen die bevorſtehende Verhei⸗ rathung des Inſpectors Moritz Trenner mit der edlen Jung⸗ frau Julie Claſſen öffentlich bekannt gemacht wird? Ach! ich unterliege dem Gewicht dieſer Seligkeit. Meine Seele iſt wie ein ſchöner Frühlingshimmel; dieſer Vergleich trifft auch inſoferne zu, als ſo eben ein leichtes Gewölk daran herauf⸗ ſteigt. Ich kann dieſen Glückstag nicht mit Dir, meine Heiß⸗ geliebte, zuſammen feiern. Wenn ich mich über meinen Po⸗ ſten und die unausgeſetzte Thätigkeit, welche er erfordert, beklagen dürfte(ich würde es gewiß nicht thun, denn ihm verdanke ich ja unſere Vereinigung), ſo würde ich ihn in die⸗ ſem Augenblicke verwünſchen, denn er beraubt mich der Mög⸗ lichkeit, Dich an einem Tage, wie dieſer, zu umarmen. Es würde aber eine Sünde ſein, mich zu beklagen, wenn ich be⸗ denke, daß in drei Wochen unſere Hochzeit ſtattfinden wird, und daß ich dann, meine Julie, auf Deinen Lippen und in Deinen ſtrahlenden Blicken den Erſatz für den langen Mo⸗ nat finden werde, den ich ſo weit von Dir zubringen mußte.
Errathe einmal, wie ich den morgenden Tag hinzubrin⸗ gen gedenke: ich will ihn allein verleben, allein mit meinem Glück und meinen ſüßen Träumen. Nein, um keinen Preis
Zeitung.
ſtem zuſammengezogenen Heere⸗ entbehrlich erſchienen
wären; was indeß den öſterreichiſchen Humanismus
anlangt, ſo wird es kein Irrthum ſein, anzunehmen,
daß der Stock im öſterreichiſchen Heere noch immer
nicht blos zum Spazierengehen, ſondern, wenn ich
nicht irre, auch zum Prügeln übergelegter Vaterlands⸗ vertheidiger benutzt wird.
Es iſt ein hochſt unerfreuliches Schauſpiel, Oe⸗ ſterreich und Preußen nicht blos diplomatiſch, ſondern auch ſogar literariſch ſich fortwährend bekriegen zu ſehen. Die eine Partei ſucht die andere zu verklei⸗ nern, wo ſie nur kann, und jede rühmt ſich dabei, zum Wohle Deutſchlands das Ihrige beizutragen. Für Solche, welche wiſſen, was factiſch für Deutſchland geſchieht und welche Kräfte für Sonderintereſſen auf⸗ gewandt werden, iſt ein ſolches Treiben ein doppelt hoffnungsloſes Schauſpiel.
im vergangenen Sommer darauf geſeſſen?— wo ich das unausſprechliche Glück hatte, meine Verlobte und meinen Schwiegervater zu empfangen. Ich werde nicht von dieſem Sopha aufſtehen, wo ich ſo oft mich meinen Träumen an Diejenige überließ, welche mir theurer iſt als das Leben. Die Liebe bewirkt Wunder; wenn meine ehemaligen Gefährten ahnen könnten, daß ich mich einen ganzen Sonntag in mein Zimmer einſchließe, um mich meinen Gedanken hinzugeben, wie würden ſie mich von Herzen auslachen, ſie, die es nicht gewohnt ſind, ihre Phantaſie beſonders anzuſtrengen! Aber ich, ich werde mir eine reizende Scene ausmalen....
Die Thüre wird geöffnet; ein blondes Engelsköpfchen zeigt ſich, die Augen auf mich gerichtet(in Parentheſe be⸗ merkt, dieſes Köpfchen gleicht ganz und gar dem Deinigen). Hierauf erſcheint etwas wie eine weiße Wolke, dies iſt Dein weißes Kleid, das Dir ſo reizend ſteht. Hinter Dir taucht (eine weniger entzückende, aber unvermeidliche Erſcheinung) Deine alte Tante auf mit ihrer thurmhohen Haube und ihrem Strickbeutel. Wir laden ſie ein, ſich in den großen Lehnſtuhl am Schranke zu ſetzen— ein köſtlicher Platz in jeder Hin⸗ ſicht, denn erſtens kann man von dort aus nicht auf das Sopha ſehen, und dann iſt der Sitz ſo bequem, daß die Tante ſofort einſchlafen wird. Der Herrgott ſchenke ihr einen ſanften Schlummer! Hierauf umarme ich Dich und flüſtere Dir eine Menge Dinge in's Ohr, welche zwar keine Neuig⸗ keiten ſind, die man aber immer wieder gern hört. Ich raube Dir nun einen Kuß, dann noch einen, denn von der Verlo⸗ bung an beſitzt man dazu das Recht. Wir ſprechen von un⸗ ſerem künftigen Glück, von unſerem Hausweſen,— welcher Gedanke, Julie, von unſerem Hausweſen!
Aber ich darf mich nicht länger dieſen Träumen und dieſen Bildern hingeben; die Zeit und die Vernunft ſtellen dem Fluge meiner Phantaſie eine unüberſteigliche Schranke entgegen. Ja, ich erkenne euch wieder, ihr Gebieter meiner
der Welt werde ich freiwillig morgen mein Zimmer verlaſſen Zeit, ihr habt in der That eine etwas zu ernſte Amtsmiene; und von dieſem lieben Sopha aufſtehen,— haſt Du nicht aber es läßt ſich nichts thun, man muß ſich eurer Autorität
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