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wig hing am Arme des Bruders, Amalie an dem des Doctors. Beide Paare ſchlugen entgegengeſetzte Rich⸗ tungen ein; aber häufig blieben ſie noch ſtehen und winkten ſich zu und ſchickten ſich aus der Ferne den Abſchiedsgruß, bis ſie zuletzt gegenſeitig in der immer ſtärker hervortretenden Dämmerung verſchwanden.
(Fortſetzung folgt.)
Goethe und der Magnat.*)
Zum Meiſterſänger Goethe lief Im gelben Poſtgewande Ein Bote, bringend einen Brief Aus fernem Polenlande. Die Aufſchrift war von fremder Hand, „Birgt Wechſel,“ las man an dem Rand, „Auf funfzigtauſend Gulden.“
Der Dichter dachte:„Wie? an dich! Hier mag ein Irrthum walten. Der fremde Brief belehre mich, Ich will ihn raſch entfalten.“ Gedacht, gethan! und er durchlief Bis zu der Unterſchrift den Brief, Den ein Magnat geſchrieben.
„Empfange hiermit,“ hieß es drin „Der Achtung ſchwaches Zeichen, Das wir mit tiefgerührtem Sinn Aus Dankbarkeit Dir reichen.
Dein hoher Geiſt hat unſ're Bruſt Belebt mit neuer Kraft und Luſt, Seit Polen ihn gewonnen.“
Der Brief fuhr fort vier Seiten lang Den Dichter zu erheben, Der heiter, leiſe vor ſich ſang: „Gleich will ich Antwort geben.“ Er zog das Tintenfaß hervor Und ſchrieb mit leichtem Federrohr Dem Polen dieſe Worte:
„Ich danke herzlich für die Huld, Die Ihr mir zugewendet; Doch mir gebührt ſie nicht, die Schuld, Die Ihr mir überſendet. Gebt ſie dem Landsmann, deſſen Kunſt Euch meine Werke, frei von Dunſt, Geſchenkt in Eurer Sprache.
Novellen⸗Zeitung.
Mir bringt den allerreichſten Lohn Ein Lied, das ich geſungen, Weiß ich, daß es mit hellem Ton In eine Bruſt gedrungen. Der Dichter geizet nicht nach Gold, Er ſtrebt nach einem höh'ren Sold, Er wirbt um edle Herzen.“
Und in der nächſten Woche kam Der Brief zu dem Magnaten, Der hocherſtaunt daraus vernahm, Wie Goethe ſich berathen. Da rief er:„Wahrlich, keinen Kranz Errangſt du dir von ſchön'rem Glanz, Als dir dein Brief errungen!“
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Deutſchlands Dämon.— Die böhmiſche Canaille. Hiſtoriſche Novellen von Conrad von Bolanden. Mainz, Verlag von F. Kirchheim. 1865,
Laſſen Sie uns noch einmal auf dieſen Novel⸗ liſten zurückkommen. Wir haben bereits Die mäh⸗ riſchen Hühner⸗ und den ⸗Gefangenen von Küſtrin⸗, beide aus ſeiner Feder, mit Anerkennung der darin herrſchenden Friſche erwähnt. Es wurde ſogar die Tendenz als eine beachtenswerthe und durchaus nicht verwerfliche hervorgehoben. Der Verfaſſer ging damit
Schattenſeiten Friedrich's des Großen ungenirt her⸗ vorzuheben,
mus zu einer gewiſſen Animoſität hinreißen ließ, ſo war dies als ein Rückſchlag der ziemlich unbedingten hiſtoriſchen Lobpreiſung jenes Helden, wie ſie das Publicum gewohnt iſt und wie ſie von Preußen aus über ganz Deutſchland emſig verbreitet wurde, nicht allzu peinlich aufzufaſſen.
Im weiteren Verlauf ſeiner novelliſtiſchen Be⸗ mühungen iſt jedoch der Verfaſſer in jener Tendenz zu keck, zu politiſch-parteiiſch, ja geradezu ungerecht geworden, und es kommt außerdem noch eine andere Richtung bei ihm hinzu, die eine entſchiedene Ab⸗ weiſung nothwendig macht.
eine Darſtellung von Thatſachen alteriren muß, die zum Theil gemißbraucht ſind, denn wenn der Verfaſ⸗ ſer auch alle mögliche glaubwürdige Geſchichtsſchreiber
*) Aus:„Romanzen und Balladen“ von Adolf Bube. Gotha. Verlag der Stollberg'ſchen Verlagsbuchhandlung, 1868.
ſo kommt es doch ſelbſt bei den Factis recht ſehr
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und wenn er dabei hin und wieder viel zu weit ging und ſich durch öſterreichiſchen Patriotis⸗
Es iſt ermüdend, daß man ſich fortwährend über
anführt, denen er dieſe und jene Berichte entnimmt,f
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