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„Das dürfte Ihnen wohl kaum gelingen!“ ent— gegnete Sander mit gehobener Stimme;„er ſchreitet wie ein Rieſe gewappnet umher und der Wille eines großen Volkes läßt ſich nicht durch ein Paar Gensd'ar⸗ men zum Schweigen bringen!“
Der Geheimerath lächelte kalt und zuverſichtlich, ohne weiter eine Antwort zu geben, während der Kammerjunker mitleidig mit den Achſeln zuckte und den Doctor durch ſein Lorgnon mit der Miene vor⸗ nehmer Ueberlegenheit anblickte.
„Geben Sie Befehl, lieber Oheim, daß der Kut⸗ ſcher weiter fährt,“ ſagte jetzt Conſtantia, indem ſie ſich, die Naſe rümpfend, vornehm in den Wagen zu— rücklehnte;„der Anblick dieſes rohen Bauernhaufens iſt für mich ein höchſt widerwärtiger, und es gehört in Wahrheit ein ſonderbarer Geſchmack dazu, ſich unter dieſe Leute zu miſchen.“
„Ja, in der That, es riecht hier abſcheulich nach Bier und Branntwein,“ murmelte der Kammerjunker, indem er, ſeiner Gewohnheit gemäß, wiederholt mit der Zunge anſtieß.
„Liebe Couſine,“ entgegnete nun auch der Refe⸗ rendar gereizt,„wenn derartige ländliche Scenen für Deine Nerven zu ſtark ſind, ſo würdeſt Du aller— dings beſſer gethan haben, wenn Du in der Reſidenz geblieben wäreſt und dort auch noch ferner Deine äſthetiſchen Thees“ frequentirt hätteſt. Ihnen aber, Herr Kammerjunker, erlaube ich mir zu bemerken, daß gewiſſen Leuten eine Doſis Spiritus ſehr zu empfehlen wäre, wenn auch gerade nicht von dem Stoff, welchen Sie meinen!“
„Still!“ herrſchte Herr von Steinau hier ſeinem Sohne zu;„Du und Hedwig, ihr ſeid Beide ein Paar ungerathene Kinder, die mir nur Kummer und Demüthigungen bereiten.“
„Mein Vater,“ rief hier Otto hocherröthend, „Sie laſſen ſich durch Ihren Zorn zu einer Ungerech⸗ tigkeit hinreißen. Wir haben nie die Pflichten der Achtung und der Liebe gegen Sie aus den Augen geſetzt; unſer Betragen iſt auch ſtets makellos gewe⸗ ſen. Daß wir dieſem ländlichen Feſte beiwohnten, iſt kein Vergehen; wir haben uns in anſtändiger und ehrenwerther Geſellſchaft bewegt.“
„Genug!“ rief Herr von Steinau;„wir werden uns über dieſe Gegenſtände ſpäter weiter ausſprechen!“ Und ſich zu dem Doctor wendend, fügte er in einem kalten, abſtoßenden Tone hinzu:
„Ich hoffe, Sie begreifen, mein Herr, daß es
für uns Beide wünſchenswerth ſein muß, unſere Un⸗
terhaltung abzubrechen. Sie geſtatten alſo wohl, daß ich mich Ihnen empfehle?“
Novellen⸗Zeitung.
der, die ſtolze Verbeugung des alten Herrn eben ſo ſtolz erwidernd und gleichzeitig von dem Wagen zu⸗ rücktretend.
„Du wirſt es wohl vorziehen, mit Deiner Schwe⸗ ſter zu Fuß zurückzukehren?“ ſagte der Gutsherr zu Otto gewendet.
„Natürlich, mein Vater, und morgen werde ich Sie verlaſſen und meine Rückreiſe nach der Reſidenz antreten.“
„Daran wirſt Du ſehr wohl thun. Auch Deine Schweſter Hedwig—“
„Auch dieſe hat ſchon längſt gewünſcht, unſerer Tante, der Stiftsdame, einen Beſuch abzuſtatten. Vielleicht geben Sie jetzt Ihre Einwilligung dazu?“
„Gewiß. Auch ihrer Abreiſe ſteht nichts im Wege. Eure Aufführung macht mir Eure Entfernung für einige Zeit ſogar wünſchenswerth!“
„Unſere Aufführung? Das heißt, weil wir mit Herrn Sander und deſſen Schweſter Umgang pflegen? Nun, lieber Vater, ich will aufrichtig ſein. Dieſes Freundſchaftsband iſt zu feſt, um es jemals zu löſen. Die politiſchen Anſichten des Doctors können das⸗ ſelbe nicht lockern. Wir ſtellen uns hier auf den rein geſellſchaftlichen Standpunkt, und politiſcher Fanatis⸗ mus iſt uns ganz fremd.“
„Genug,“ rief Herr von Steinau, ſeines Zornes nicht mehr mächtig;„das iſt die Sprache eines Un⸗ würdigen!“
„Aber mein Vater!...“
„Genug! Kutſcher, fahre zu!“
Fort rollte der Wagen und der Referendar blieb einen Augenblick mit geſenktem Kopf wie feſtgebannt
auf ſeinem Platze ſtehen, dann wendete er ſich lang⸗
ſam um und ſchritt dem Tiſch zu, wo ſich Sander mit den übrigen Mitgliedern der Geſellſchaft befand.
„Die Sachen ſind ſo weit gediehen,“ ſagte er, „daß wir uns jedenfalls nochmals klar gegen einan⸗ der ausſprechen müſſen. Ich kenne meinen Vater,
und weiß, daß nur außergewöhnliche Ereigniſſe ver⸗
mögend ſein werden, eine Aenderung ſeiner vorgefaß⸗ ten Meinung zu bewirken und ihn zur Verſöhnung zu ſtimmen. Für jetzt iſt hierzu aber nicht die min⸗ deſte Ausſicht vorhanden. Laſſen Sie uns daher nochmals prüfen und erwägen. Iſt das Band, wel⸗ ches uns gegenſeitig verbindet, ſo feſt, daß es unter keinen Umſtänden gelockert werden kann?—“ „Sprechen Sie, Hedwig,“ ſagte der Doctor, das Fräulein in einer Weiſe anblickend, welche das volle Vertrauen ſeines Herzens ausdrückte. „Darüber kann kein Zweifel herrſchen,“ erwi⸗ derte die junge Dame, indem ſie mit dem Ausdruck
„Ganz, wie es Ihnen beliebt,“ erwiderte San⸗
der innigſten Zärtlichkeit Sander ihre Hand entge⸗
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