Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
706
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ein beharrliches Schweigen entgegen, während der Geheimerath mit Conſtantia bedeutungsvolle Blicke wechſelte und von der Pflicht ſprach, Irrwege zu ver⸗ meiden, welche auf ſchlüpfrige Bahnen führten und die ſich mit den Rückſichten nicht vertrügen, welche man ſeiner Familie ſchuldig ſei.

Du kannſt es glauben, ſagte Conſtantia, als ſie ſich mit ihrem Vater allein befand,Otto und Hedwig ſind auf dem beſten Wege, uns Schande zu bereiten. Ich habe meine Zeit hier nicht unbenutzt gelaſſen und durch heimliche Nachforſchungen erfah⸗ ren, daß Beide mit dieſem Doctor Sander und ſei⸗ ner Schweſter noch immer in heimlicher Verbindung ſtehen. Es muß etwas Entſcheidendes hierbei geſche⸗ hen, man darf es nicht ſo weit kommen laſſen, bis wir compromittirt daſtehen, und in Deiner Hand liegt es zunächſt, dieſen Menſchen für immer unſchäd⸗ lich zu machen, ſobald es Dir nur gelingt, die rechte Form dafür durch den Verdacht oder Beweis ſeiner Strafbarkeit zu finden.

Das iſt es eben, antwortete der Geheimerath, nachdenkend im Zimmer auf⸗ und abgehend.Indi⸗ cien muß ich gegen ihn in den Händen haben, aber ich hoffe ſie in einigen Tagen zu erhalten. Lach⸗ mansky iſt ihm bereits auf der Spur, und ich denke, recht bald werde ich im Beſitz von Papieren ſein, welche es mir möglich machen, ihn dann ohne Wei⸗ teres unter Schloß und Riegel zu nehmen. Uebri⸗ gens, fuhr Conſtantia's Vater weiter fort,wäre es wohl auch weiter kein Unglück, wenn aus einer Ver⸗ bindung zwiſchen Dir und Deinem Couſin Otto nichts würde. Du biſt zu verſtändig und haſt eine zu gute Erziehung genoſſen, um aus bloßer ſentimen⸗ taler Schwärmerei die Sicherheit Deiner Zukunft aus den Augen zu verlieren.

Natürlich, erwiderte dieſe,wenn ich eine Ehe eingehe, ſo will ich auch in den Beſitz der genügenden Mittel gelangen, um eine meinem Stande angemeſ⸗ ſene Stellung in der Geſellſchaft einzunehmen. Aber Sie ſagten mir ja, daß Otto einſt ein hübſches Ver⸗ mögen zu erwarten habe, und daß es ihm auch, bei den einflußreichen Verbindungen, die Sie beſitzen, an einer ſchnellen Beförderung nicht fehlen würde?

Das habe ich allerdings noch vor einiger Zeit geſagt, aber jetzt ſage ich es nicht mehr.

Wie, mein Vater? Erklären Sie mir dies näher.

Nun, fuhr der Geheimrath fort,ich kenne Deinen Charakter und weiß, daß Du zu ſchweigen verſtehſt; zudem handelt es ſich hierbei ja zunächſt um Dich und Deine Zukunft. Ich will Dir alſo im

Novellen

Zeitung.

Vertrauen eröffnen, daß die Vermögensverhältniſſe

meines Bruders äußerſt zerrüttet ſind.

Mein Gott! fuhr Conſtantia auf.

Mein Bruder hat dies bisher ſehr verborgen gehalten, fuhr der Geheimerath fort,und nur durch einen Zufall bin ich dahinter gekommen. Du weißt doch, daß er vor einigen Jahren eine große Schneide⸗ mühle errichtete und daß er bald nachher auch eine ausgedehnte Rübenzuckerfabrik anlegte. 4

Allerdings. Aber ich glaubte, beide Unterneh⸗ mungen gingen ſehr gut.

Sie gehen auch ſehr gut, bemerkte höͤhniſch der Geheimerath,leider aber nur bergab. Du erin⸗ nerſt Dich vielleicht noch eines gewiſſen Liebmann, von dem ich mehrere Mal mit Dir geſprochen habe.

Ei freilich. Er iſt ja als einer der geriebenſten Speculanten der Reſidenz bekannt.

Und bereits auch ſchon einmal in Unterſuchung geweſen. Du kennſt doch die Geſchichte mit dem Prinzen Liebenſtein?

Er ſoll im Jockey-Club an einem Abende mehr als fünfzigtauſend Thaler verloren haben.

Ja, und außerdem circuliren noch eine Menge Wechſel von ihm. Die Sache kam zu den Ohren des Königs und auf ſeinen Befehl wurde eine ſtrenge Unterſuchung angeordnet. Auch hierbei ſpielte Lieb⸗ mann eine Hauptrolle, und ſeine mit Beſchlag beleg⸗ ten Papiere haben mir zufällig ein Geheimniß ver⸗ rathen, von welchem ich bisher keine Ahnung hatte.

Der Oheim? fragte Conſtantia.

Allerdings. Liebmann ſteht in der engſten Ge⸗ ſchäftsverbindung mit meinem Bruder. Er hat ihm große Summen vorgeſchoſſen und iſt im Beſitz einer auf das Gut eingetragenen Hypothek von zwanzig⸗ tauſend Thalern, außerdem befinden ſich aber auch noch in ſeinen Händen Wechſel im Werthe von zwölf⸗ tauſend Thalern, die binnen Kurzem fällig ſind.

O mein Gott! rief Conſtantia;der Oheim ſteht alſo am Rande des Bankerotts?

Wenn ihm kein Wunder zu Hülfe kommt, ent⸗ gegnete der Geheimerath mit eiſiger Kälte,ſo iſt ſein Ruin unausbleiblich. Du ſiehſt alſo, die Partie mit Deinem Vetter Otto wird hierdurch zur Unmög⸗ lichkeit.

Nun, einen Bettler will ich natürlich nicht, erwiderte Conſtantia mit Stolz, indem ſie, erbittert

über die erfahrene Enttäuſchung, geringſchätzend die Lippen aufwarf..

Es bietet ſich aber eine andere Partie für Dich, ſagte der Vater,und wenn Du es klug anlegſt, ſo

wird ſie Dir nicht entgehen. Der Freiherr von Wie⸗

ſenthal ſucht eine Frau.

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