Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
703
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riitete ſich de de Lamoriciete Chillon in An⸗

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aus und empfing dafür den Grad als Brigade⸗General; im Jahr 1843 wurde er zum General⸗Lieutenant befördert.

Lamoricière machte in Afrika achtzehn Feldzüge mit; er unterſtützte mit Glanz den General Bugeaud in der merk⸗ würdigen Schlacht bei Isly und endigte ſeine Laufbahn in Algerien ſehr rühmlich durch die Organiſirung der Expedi⸗ tion, welche die Smala Abd⸗el⸗Kader's in die Hände des Herzogs von Aumale fallen ließ und den Emir ſelbſt zwang, ſich dem jungen Prinzen zu ergeben. MNach ſeiner Rückkehr in ſein Vaterland verband er ſich mit einer der geehrteſten Familien der Picardie, indem er ſich mit Fräulein d'Auberville vermählte.

Von dieſer Zeit an datiren die freundſchaftlichen Be⸗ ziehungen, die er mit mehreren Bürgern in Amiens ange⸗ knüpft hat.

Die Revolution von 1848 kam. Jedermann kennt die

Haltung des Generals Lamoricière während dieſer Ereig⸗

niſſe; ebenſo kennt man die Umſtände, welche ſein Exil und dann ſeine Rückkehr in ſein Vaterland herbeiführten. Spä⸗ ter dringenden Bitten nachgebend ſtellte er ſeinen Degen dem römiſchen Hofe zur Verfügung; aber der tapfre afrikaniſche Soldat befehligte nicht mehr ſeine frühern Truppen; die De⸗ ſertion, die Indisciplin ſeiner Soldaten führten die Nieder⸗ lage von Caſtelfidardo herbei.

Die politiſchen Acte des Mannes, über den ſich in die⸗

ſen Tagen das Grab ſchließen wird, mögen von ſeinen Zeit⸗

genoſſen verſchieden beurtheilt werden, doch einſtimmig wird man ſeine bewundernswerthen militäriſchen Eigenſchaften, die Rechtſchaffenheit ſeiner Geſinnungen und die Redlichkeit ſeiner Ueberzeugung loben.

Dem, was dasJournal d'Amiens über den Verſtor⸗

benen ſagt, fügen wir zur Ergänzung noch das Folgende

über die parlamentariſche Laufbahn desſelben bei. Dieſelbe begann im Jahr 1846, wo er im Sarthedepartement zum

er ſich der dynaſtiſchen Oppoſition anſchloß. Am 24. Febru⸗ ar 1848 begab er ſich in der Uniform eines Obriſten der Nationalgarde in die Mitte der Aufſtändiſchen, wo er die Abdankung Ludwig Philipp's und die Regentſchaft der Her⸗ zogin von Orleans proclamirte. Dieſe Botſchaft wurde mit Flintenſchüſſen beantwortet und ſein Pferd unter ihm getöd⸗ tet; ja er würde ſelbſt das Leben verloren haben, wenn nicht einige Arbeiter ihn in Schutz genommen hätten. Während der blutigen Junitage ſtellte er ſich dem General Cavaignac zur Verfügung und befehligte in dem Faubourg Poiſſonnisre

umd am Baſtilleplatz. Am 28. Juni 1848 übernahm er das Portefeuille des Kriegsminiſteriums, das er bis zum 28. De⸗

cember beibehielt. In ſeiner Eigenſchaft als Kriegsminiſter brachte er in der Nationalverſammlung einen Plan zur Um⸗ geſtaltung des franzöſiſchen Kriegsweſens ein, das er nach den Grundzügen des preußiſchen Landwehrſyſtems umgeſtaltet zu ſchen wünſchte, doch trotz ſeiner warmen Befürwortung des⸗ ſelben gelangte derſelbe nicht zur Annahme.

Als die Ruſſen im Jahr 1849 in Ungarn einrückten, un dort die Revolution zu unterdrücken, wurde der General Lnmoricière von dem Prinz⸗Präſidenten mit einer diplomati⸗ ſcen Miſſion nach Petersburg geſchickt, wo er aber erſt ein⸗ niaf, als die Ungarn bereits beſiegt waren. Er wurde von dem Kaiſer Nicolaus ſehr wohlwollend aufgenommen, doch als er den Rücktritt des Miniſteriums Odilon Barrot erfuhr, trug er ſofort auf ſeine Rückberufung an und von dieſer Zeit an war ſein Streben in der Nationalverſammlung, die ihn mehrmals zu ihrem Vicepräſidenten wählte, dahin gerichtet,

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die ehrgeizigen Pläne des Prinz⸗Präſidenten, die er ganz richtig durchſchaute, zu bekämpfen. Deshalb ſtimmte er am 19. Juli 1851 gegen die von der napoleoniſchen Partei be⸗ antragte Reviſion der Verfaſſung, und am 17. November für das ſogenannte Quäſtorengeſetz, welches das Heer im Fall eines Aufſtandes oder einer Kriſis unter den Befehl der geſetzgebenden Verſammlung ſtellen ſollte, deſſen wahre Be⸗ ſtimmung war, einem Staatsſtreiche von Seiten des Prinz⸗ Präſidenten vorzubeugen.

Da Louis Napoleon recht gut einſah, daß ſein Staats⸗ ſtreich mißlingen werde, ſobald der unter den Soldaten ſo ſehr beliebte Lamoricière in ihrer Mitte erſcheinen würde, ſo hatte er die größte Vorſorge getroffen, daß die Verhaftung desſelben in der Nacht vom 1. zum 2. December 1851 ge⸗ ſichert war. Zunächſt wurde der General Lamoricière als Gefangner in die Feſtung Ham und von dort durch einen franzöſiſchen Polizeibeamten nach Köln gebracht. Als ſpäter der General Lamoriciére die Aufforderung erhielt, der neuen franzöſiſchen Regierung den Treuſchwur zu leiſten, ertheilte er in einem Briefe, der ſeiner Zeit in allen Zeitungen ver⸗ öffentlicht wurde und berühmt geworden iſt, eine abſchläg⸗ liche Antwort und er lebte von dieſer Zeit abwechſelnd in Deutſchland, Belgien und England bis zum Jahr 1857, wo er in Folge deſſen, daß ſein einziger Sohn geſtorben war, ohne ſein Zuthun von dem Kaiſer die unbedingte Erlaubniß erhielt, in ſein Vaterland zurückkehren zu dürfen. Der Ge⸗ neral de Lamoricière hat keinen Erben ſeines Namens, ſon⸗ dern nur zwei Töchter im Alter von zehn und zwölf Jahren hinterlaſſen. Sein Leichnam wurde von Prouzel über Paris nach Nantes gebracht, wo in der dortigen Kathedrale ihm zu Ehren ein feierlicher Trauergottesdienſt mit allen militäri⸗ ſchen Ehrenbezeigungen gehalten wurde. Nach der Beerdi⸗ gung wurde er dann nach dem benachbarten Saint Philibert

- gebracht, um dort in ſeiner Familiengruft beigeſetzt zu wer⸗ Mitglied der Deputirtenkammer gewählt wurde, in welcher

den. An derſelben hielten der General Trochu und Herr de Quatrebarbes Reden, worin ſie dem Verſtorbenen wohlver⸗ diente Lobſprüche ſpendeten. Sein Andenken wird für immer in Ehren bleiben. Friede ſeiner Aſche! C.

Misrellen.

Ein berühmter Advocat, der alle Proceſſe, die er über⸗ nahm, zu gewinnen pflegte, zog ſich endlich von der Welt zu⸗ rück und ging in ein reiches Mönchskloſter; man nahm ihn mit Freuden auf, in der Hoffnung, durch ihn in allen Rechts⸗ händeln zu ſiegen. Man ſah ſich aber in dieſer Erwartung gänzlich getäuſcht; denn er gewann nicht einen einzigen. Als man ihn nun fragte, wie das zugehe, antwortete er:Wenn ich meine Proceſſe verliere, ſo geſchieht es, weil ich nicht mehr lügen will, wie ich ſonſt that.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Poetiſche Kränze. Gedichte von Emilie Lecerf geb. Beck. Verlag von Bruno Wienecke in Dresden.

In gewiſſem Sinne ein Familienbüchelchen, indem die erſte Partie dieſer Lieder von Emilie Lecerf geb. B. herrüh⸗ ren, und die zweite Hälfte eine Friederike S. geb. Lecerf zur Verfaſſerin hat. Eine dritte Beigabe rührt von Gu her, welcher wahrſcheinlich der Bruder der gebornen B. iſt. Dieſe Sächelchen ſind mit der immerhin beneidenswerthen Naivetät glücklicher Dilettanten zuſammen getragen und ge⸗ 5 hören zu der großen Zahl idylliſcher, warm empfundener Er⸗ zeugniſſe, die den Verfaſſern mehr Vergnügen zu eiten

ſtav B ſtav B.

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