Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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Fleiſche kranker Thiere gemacht iſt, wie es in London ſogar vor einigen Jahren eine Viehverſicherungsgeſellſchaft gab, die den Verſicherern zur Pflicht machte, ihr krankes Vieh an die Geſellſchaft abzuliefern, und die mit Würſtchen, Paſteten und Boutllontafeln ein ganz einträgliches Geſchäft machte. Ich weiß, ihr könntet mir noch viel berichten, wie der geſto⸗ ßene Pfeffer z. B. ſaſt immer mit Pfefferſtaub, d. h. dem Produet des Kehrbeſens in den Pfefferniederlagen, wie der Cayennepfeffer ſogar mit Mennige, der Eſſig mit Schwefel⸗ ſäure vermiſcht iſt. Ihr könntet mir zeigen, was man alles in das Bier thut, um ſeine Wirkungen zu veredeln, Kokkels⸗ körner, um es berauſchender, Quaſſia, um es bitterer, ſpani⸗ ſchen Pfeffer, Ingwer, Paradiestörner, um es feuriger, ſelbſt Tabak und Salz, um es durſterregend zu machen, ja, wie man vor einiger Zeit, wenigſtens in England, Strychnin hineinthat, ein Gift, von dem ½ Gran ſchon den Tod herbei⸗ führt. Ihr könntet mir ſelbſt den leckern Kuchen des Condi⸗ tors verderben, weil er mit kohlenſaurem Natron aufgetrie⸗ ben iſt und dieſes faſt immer mit ſchwefelſaurem Natron, einem Gifte, verunreinigt iſt. Ihr würdet nun gar dem Tabaksſchnupfer angſt und bange machen, der keine Priſe nimmt, ohne etwas Mennige, chromſaures Blei oder chrom⸗ ſaures Kali in die Naſe zu führen, letzteres ein Gift, von dem 2, ja 53 Gran ſchon Hunde tödtet.

3 Doch genug davon! Ich will nicht, lieber Leſer, daß es dir gehe wie dem armen Sancho Panſo als Statthalter, der an reichbeſetzter Tafel faſt verhungerte, weil ſein Arzt ihm eine Speiſe nach der andern als ungeſund vor der Naſe wegnehmen ließ. Ich wollte nur darauf aufmerkſam machen, daß unſre Geſundheitspolizei, ſtatt auf unſchuldige grüne Ta⸗ peten Jagd zu machen, ſich wohl etwas mehr um die Verfäl⸗ ſchung der Nahrungsmittel kümmern könnte, gegen die der Einzelne völlig ſchutzlos iſt. Der Einzelne hat immer noch genug zu thun, um ſich gegen die Vergiftungen ſeiner eignen Köchin zu ſchützen. Ich will hier nur auf Eins aufmerkſam machen, was immer noch nicht genug beachtet wird.

Wenn ich in eine Küche trete und darin prächtig blin⸗ kende Meſſing⸗ und Kupfergeſchirre ſehe, ſo kann ich nicht anders als ausrufen: das iſt eine Giftküche! Man hat wohl gemeint und ſelbſt die Wiſſenſchaft hat es unterſtützt, daß blanke, unverzinnte Kupfergeſchirre unſchädlich ſeien, ſelbſt wenn ſaure Speiſen darin gekocht würden, weil die ſich entwickelnden Dämpfe die Berührung mit der atmoſphäriſchen Luft, alſo auch die Einwirkung der Säuren auf das Kupfer verhindern. Neuere Unterſuchungen, namentlich Pleiſchl's in Wien, haben dies als irrig erwieſen. Bier, noch mehr Sauerkraut, friſche oder getrocknete Pflaumen zeigen ſchon nach einſtündigem Kochen einen ſehr bedeutenden Kupferge⸗ halt. Selbſt Fleiſch wirkt durch ſeine Säuren, Milchſäure und Fleiſchſäure, ſtark löſend auf das Kupfer ein, und auch Waſſer zeigt bei dem geringſten Gehalt an Kochſalz nach län⸗ gerem Stehen einen grauen und grünlichen Bodenſatz zum Theil löslicher Kupferſalze. Das Aergſte iſt nun freilich, wenn man, wie ein engliſches Kochbuch in ſeiner 18. Auflage noch anräth, Gurken grün färbt, indem man ſie mit einem Kreuzerſtück kocht oder 24 Stunden in einer kupfernen Pfanne ſtehen läßt. Auch Bleivergiftungen kommen in der Küche vor, namentlich durch die ſchlechte Bleiglaſur irdener Töpfe. Die ſchlimmſte Bleivergiftung geſchieht bisweilen durch die künſtlichen kohlenſauren Waſſer, wenn ſie in Flaſchen bereitet werden, deren Zuleitungsröhren aus Blei beſtehen. Der Pariſer Arzt Chatin ſchreibt ſogar die zahlreichen Koliken in Paris vorzugsweiſe den großen Mengen künſtlicher Selter⸗

Novellen⸗ZJeitung.

waſſer zu, die dort in ſteinernen, mit ſchlechten Zinn⸗ oder Bleiapparaten verſchloſſenen Kruken herumgeſendet werden. Man beruhige ſich nun ja nicht etwa mit dem Gedanken, daß es doch immer nur eine ſehr kleine Menge von Kupfer oder Blei iſt, die dabei in den Magen gelangt. Man bedenke,

von einem Gifte täglich ſolche klſeine Mengen aufgenommen werden. Vergiftungen durch kupferne Geſchirre gehören gar nicht zu den Seltenheiten, nur werden ſie nicht immer erkannt, noch weniger bekannt. Manches langwierige Magenleiden mag ſeinen Grund in ſolcher Metallvergiftung haben, und Mancher mag dahinſiechen, ohne die geringſte Ahnung, daß die Urſache ſeines Siechthums und Todes in der Küche, in dem Fleiſchtopf zu ſuchen ſei. Darum noch einmal: die Küche bedenke, daß ſie eine ärztliche Pflicht hat, daß ſie nicht allein im Dienſte des Gaumens, noch weniger der Augen ſteht, ſondern im Dienſte der leiblichen und geiſtigen Ge⸗ ſundheit.*

General de Lamoricière.

den Tod dieſes ſo allgemein bekannten und geachteten Gene⸗ rals mit folgenden Worten:

Eine unſrer glänzendſten militäriſchen Celebritäten iſt ſo eben erloſchen: der General de Lamoricisre iſt in der vorigen Nacht auf ſeinem Schloſſe Prouzel in der Nähe von Amiens einem heftigen Gichtanfall erlegen.

Der General litt zuweilen in einer ſehr heftigen Art

ſo nahe bevorſtehende Kataſtrophe vorherſehen laſſen. Nachts gegen ein Uhr fühlte er ſich dem Erſticken nahe, er ſchellte ſeinem Bedienten und konnte nur mit Mühe einige Worte hervorbringen, um ihm zu ſagen, er möge ſchnell den Geiſt⸗ lichen von Prouzel herbeiholen. Bei der Ankunft des Letz⸗ tern athmete der General kaum noch, beſaß aber Energie ge⸗ nug, ſich aufrecht zu halten; er umarmte mit Inbrunſt das Crucifix, das der Prieſter ihm darreichte, und ſtarb ſogleich in den Armen des Letztern.

Morgens in Amiens und man ſetzte Frau de Lamoricière, die ſich in dieſem Augenblick auf ihrem Gute Chillon in An⸗ jou befindet, wohin der General ihr noch im Laufe dieſer Woche folgen wollte, davon per Telegraph in Kenntniß. Chriſtophe⸗Leon⸗Louis Inchault de Lamoricisre gehörte

bruar 1806 in Nantes geboren. Er beſtimmte ſich für die militäriſche Laufbahn, wurde Zögling der polytechniſchen Schule, dann Officier im Geniecorps, in welcher Eigenſchaft er an der Expedition gegen Algier im Jahr 1830 Theil nahm. Er gab aber ſeine Stellung als Ingenieurofficier auf, um bei der Bildung des Zuavencorps in dieſe ganz neue Truppe einzutreten, die ihm für die Entfaltung ſeiner perſönlichen Tapferkeit ein ſehr reiches Feld darbot. Seine Einſicht und ſeine Kühnheit machten ihn unter den Bravſten bemerkbar; im Jahr 1833 war er Director des erſten arabi⸗ ſchen Bureau und Bataillonschef der Zuaven; 1837 war er der Obriſt dieſes Regiments.

Die Einnahme von Conſtantine ſetzte die kriegeriſchen Tugenden des feurigen Officiers recht deutlich ins Licht, wel⸗ cher bei dieſer Gelegenheit durch die Exploſion einer Mine verwundet wurde.

Drei Jahr ſpäter zeichnete er ſich wieder an der Mouzaia

daß es für die Geſundheit nachtheilig werden muß, wenn

DasJournal d'Amiens vom 11. September meldet

am Rheumatismus, aber ſogar geſtern noch hatte nichts eine

Die Nachricht von dieſem Unglück verbreitete ſich des

durch ſeine Geburt der Bretagne an; er wurde am 5. Fe⸗

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