Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
700
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700 Novellen⸗Zeitung.

iſt es aber eine Thatſache, daß Gefangene in Zuchthäuſern verloren haben, und in denen nun der Kohlenſtoff vorwiegt, wütdig ſe

bei fleiſcharmer Nahrung ſiech werden, daß eine längere Ver⸗ erzeugen die bekannte bräunliche Färbung der braunen But⸗ giften w

urtheilung zu Waſſer und Brod ſogar einer Verurtheilung ter, des gebratenen Specks ꝛc. Wo ſolche Zerſetzungspro⸗ ſchlechten

zu langſamem Hungertode gleichkommt. Es iſt eine That⸗ ducte ſich bilden, ſei es nun in fetten Kuchen oder im Käſe von gulte

ſache, daß Tauſende von Menſchen in Irland wie in Schle⸗ oder in gebratenem fetten Fleiſch, man denke an die Haut zanz un

ſien durch Kartoffelnahrung leiblich und geiſtig zu Grunde des Gänſebratens! da wird die Verdaulichkeit der Spei⸗ Dtiil fil

gerichtet ſind; es iſt eine Thatſache, daß noch heute ganze ſen verringert. Du

Dörfer, z. B. in der Lauſitz, exiſtiren, deren Bewohner, auf Will man aber auch eine ſoche Verſchlechterung der Vir volh

Buchweizen und Kartoffeln beſchränkt, durchſchnittlich das V Nahrungsmittel in den Küchen und das Ertränken des uns dabe

50ſte Lebensjahr nicht überſchreiten. Iſt denn aber der Raub Salats in Eſſig, das nach in mancher Gegend Deutſchlands loſſen,

von 10 oder 20 Jahren eines Menſchenlebens kein Mord, Sitte iſt, gehört gleichfalls dahin! nicht geradezu eine Ich bte

und iſt die Nahrung, die dieſen Mord verſchuldet, kein Gift Vergiftung nennen, will man durchaus beim Namen Gift an ten, we

zu nennen? Es iſt eine Erfahrung, daß ſchwere Speiſen Arſenik und Blauſäure denken: nun, ſo können wir auch mit hwärr

Kinder ſcrophulös machen, daß zu zeitiger Genuß erhitzender ſolchen ſchrecklichen Dingen in der Küche aufwarten. 3

Getränke die körperliche Entwickelung der Kinder zurückhält, Wenn damit nicht etwa Schierling und Giftpilze ge⸗ mir ein

ihre Verdauungsorgane zerrüttet, ihren Geſchlechtstrieb vor⸗ meint werden, die durch Verwechſelung ſich wohl manchmal gelocht

zeitig ausbildet, daß Geiſtesſchwäche, Blödſinn, Siechthum in die Küche einſchmuggeln, wird der Leſer denken, ſo will ren dar

3 das gewöhnliche Loos ſo verfütterter und verwahrloſter Kin⸗ man uns wohl mit den giftigen Alkaloiden ſchrecken, die der Menge

der iſt. Und doch iſt es eine Thatſache, das es Eltern giebt, Chemiker in verſchiedenen Pflanzen gefunden hat, mit dem und Th

die da ſagen:Unſre Kinder bekommen Alles, was wir eſſen: Morphium und Narkotin des Mohns, dem Solanin der Kar⸗ Larven!

ſie trinken mit uns Kaffee oder ein Schlückchen Branntwein, toffeln, oder etwa mit der Blauſäure der Mandeln und Pfir⸗ weit vor

eſſen Wurſt, Kartoffeln, Kuchen; es wird ihnen ja nichts ſichkerne? Das wäre freilich wieder zu weit gegangen; denn aen 8

ſchaden, und es ſchmeckt ihnen doch! Sind ſolche Eltern denn im Ganzen richten dieſe Gifte doch ſelten Unheil an, ausge⸗ Faulni

nicht Mörder ihrer Kinder an Leib und Seele, und iſt Ver⸗ nommen etwa das Solanin der Kartoffeln! Denn ich weiß Wenn

fütterung, die ein ganzes Menſchenleben tödtet, nicht Vergif- allerdings Fälle wo nicht allein einzelne Familien, ſondern denn?

tung? ſeeine ganze Gefangnenanſtalt durch den Genuß ſogenannter Du ſo

Aber wir brauchen gar nicht einmal ſo verſchwenderiſch Viehkartoffeln, die in ihren dicken Schalen außerordentlich vermiſ

mit dem Giftſtempel umzugehen, und behalten doch noch eini⸗ viel Solanin enthalten, krank gemacht wurde. Gleichwohl ſohles

ges Recht, ihn auch auf die fetten Kuchen anzuwenden. Ge⸗ pflegt man bekanntlich wohl die jungen Kartoffeln, die doch niederg

ſunde, nahrhafte und verdauliche Nahrungsſtoffe in ſchädliche, nur etwas mehr Waſſer als die alten enthalten, für ſchädlich iſt, et

unverdauliche verwandeln, das ſieht doch ſchon eher wie eine V zu halten und als vermeintlich unreif ſelbſt polizeilicherſeits zerrieb

Vergiftung aus. Das iſt es aber, was die Küche durch zu verbieten, während die alten Kartoffeln, ſelbſt wenn ſie be⸗ Ach,

ihre Proceſſe bei jenen Kuchen verſchuldet. Die Fette an ſich reits keimen, für völlig unſchädlich gelten und doch gerade in trinken

ſind nicht ſo ſchwer verdaulich, aber ihre Zerſetzungsproducte dieſen Keimen ſich vorzugsweiſe das gefährliche Gift entwi⸗ ſen mi

beim Backen werden es. kelt. Auch das berüchtigte Wurſtgift, das ſich namentlich in nen R

Alle Fette haben die Eigenſchaft, Sauerſtoff aus der ſchlechtgeräucherten Leberwürſten durch eine eigenthümliche, Mikro

Luft anzuziehen, anfangs kaum merklich, allmählich mit ſolcher auch dem Chemiker noch unbekannte Zerſetzung bildet, ſoll nicht:

Heftigkeit, daß mit Leinöl getränkte Stoffe bekanntlich ſich hier nicht als Schreckbild dienen. Ebenſowenig ſoll es das frau h

ſelbſt entzünden können. Natürlich verändern ſie ſich dadurch, finnige Schweinefleiſch, deſſen Genuß freilich nicht blos der lichkeit

werden entweder dickflüſſig und ſchmierig, oder trocknen zu Ekel verbieten ſollte, ſondern das eine wirklich höchſt unge⸗ Denn

einer feſten harzähnlichen Maſſe ein. In ſolchem Zuſtande ſunde und giftige Speiſe iſt, zumal die heutige Wiſſenſchaft Gieße

mögen ſie ſich noch recht gut zu Wagenſchmiere oder zu Fir⸗ in dieſen Finnen die jugendlichen Lebensformen und Keime wird ſ

niſſen eignen, aber nicht mehr zum Genuſſe. Zugleich tritt unſrer Bandwürmer nachgewieſen hat. Weit ſchreckenerre⸗ ſetze e

im Innern der Fette unter der Einwirkung von Feuchtigkeit gender noch ſind die Trichinen im Schweinefleiſch, die im wirſt

und Wärme eine Zerſetzung ein. Die meiſten Fette enthal⸗ Verborgenen ſchleichend und nur durch das Mitroſkop erkenn⸗ von n 3 ten nämlich eigenthümliche Säuren, die mit einem andern bar ſchon ſo manche Geſundheit und ſo manches Leben zer⸗ ſein a Stoffe, dem Oelſüß, auf das Innigſte verbunden ſind. Bei ſtört haben. Aber alle dieſe Gifte ſind doch keineswegs die häufig 6 der Butter ſind es z. B. die Butterſäure, die Käſeſäure, die gefährlichſten. Vor den einen kann eine gute Geſundheits⸗ brenn⸗ I Schweißſäure und die Ziegenſäure. Auch der Oelſtoff und polizei, vor den andern kann die Küche ſich ſelbſt ſchützen, Cichon das Perlmutterfett, deren erſterer durch ſein Vorwiegen die weil ſie ſie kennt oder doch kennen ſollte. Die ſchlinmſten theuer * Weichheit der Sommerbutter, letzteres die Feſtigkeit der Win⸗ Feinde ſind immer die heimlichen, die mit den beſten Päſſen ten B terbutter bedingt, ſind ähnliche Verbindungen verborgener verſehen ſich einſchleichen und unter den lieblichſten Formen ſenoxh 1 Säuren mit dem Oelſüß. Bei der Zerſetzung der Fette wer⸗ unbemerkt und langſam ihr Verderben ſäen. Solche Feinde de Nde 1 den nun dieſe Verbindungen aufgehoben. Die Fettſäuren hat auch die Küche. Sie kommen zum Theil aus den Gift⸗ 7 1 werden frei und erzeugen den widerlich ſtechenden Geruch und büchſen der Apotheker oder gehörten doch da hinein, ſie kom⸗ nun be kratzenden Geſchmack der ranzigen Fette. Aehnliche Fettſäu⸗ men zum Theil aus den ſchmutzigſten Winkeln, mit denen wir ner T ren bilden ſich durch Zerſetzung des Käſeſtoffs und der But⸗ kaum unſre Naſen, geſchweige denn unſre Zunge in Berüh⸗ ſellſt, ter im alten Käſe, und hier iſt es beſonders die Baldrian⸗ rung bringen möchten. und ſäure, welche den eigenthümlichen, durchdringenden Geruch Vergiftet kommen viele Nahrungsmittel bereits in die ſchöne deſſelben bewirkt. Beim Braten der Fette wird überdies noch Küche, und es iſt ein Glück, daß wir an den chemiſchen Rea⸗ von( das Oelſüß zerſetzt und es bilden ſich brenzliche Stoffe von gentien und dem Mikroſkop unſere geheime Polizei haben, 7 Pfu 4 1 eigenthümlich beißendem Geruche. Dieſe brenzlichen Fette, welche beſſer als die zweibeinige die Verbrechen in den ge⸗ ſälſchu die einen Theil ihres Waſſerſtoffs durch die Verbrennung heimſten Schlupfwinteln aufſpürt. Wer aber kann ſo nichts⸗ Freund