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698 Novellen⸗
Gehängen buntfarbiger Lampen umwunden, und außer⸗ dem leuchteten noch tauſende von Kerzen, die eine ſolche tagesähnliche Helle hervorbrachten, daß der Ein⸗ tretende davon geblendet wurde. Ueber dem Schleier, hinter dem die Goͤttin thronte, ſtrahlte eine große Sonne, welche von Millionen Brillanten zuſammen⸗ geſetzt zu ſein ſchien und den Blick des Beſchauers ſogleich auf das Bild lenkte.
Die Proceſſion ſetzte ſich von der Wohnung des erſten Prieſters, der auch Prophet und Prediger ge⸗ nannt wurde, aus in Bewegung. Voran ging der Sänger mit Symbolen, die der Muſik entlehnt wa— ren; er mußte nothwendig die beiden Bücher des Thoth auswendig wiſſen, welche Hymnen zur Ehre der Götter und Lebensregeln für die Pharaonen ent⸗ hielten. Alsdann kam der Nativitätsſteller, mit einer Uhr und einem Palmenzweige, dem Symbol des Jah— res, in den Händen; er mußte die vier aſtrologiſchen Bücher, von denen eins über die Mondphaſen, eins über die Fixſterne und zwei über ihren heliaklen Auf⸗ gang handelten, auswendig können. Die beiden Näch⸗ ſten waren der heilige Schreiber, kenntlich an dem Federſchmuck, den er am Haupte trug, ſowie an der Palette, der Tinte und dem Binſenrohr zum Schrei— ben; verſtehen mußte er ſich auf die Hieroglyphik, die Kosmographie, die Geographie, ferner auf die Phaſen der Sonne, des Mondes und der Planeten, die Chorographie von Aegypten, den Lauf des Nil und ſeine Erſcheinungen, den Zuſtand der Tempel⸗ güter und was dazu gehört; neben ihm ging der Stoliſt, die Embleme der Gerechtigkeit, Elle und das Gefäß, welches bei Libationen gebraucht wurde, tra⸗ gend; er mußte die zehn Bücher auswendig wiſſen, welche von Erziehung, Unterricht, den Zeichen der heiligen Kälber, dem Gottesdienſt, den Opfern, Erſt⸗ lingen, Hymnen, Gebeten, religiöſen Aufzügen und Feſten handelten. Nach dieſen Beiden kam der Pre⸗ diger oder Prophet; er trug einen Krug mit Waſſer, als Vorſteher des Tempels hatte er Kenntniß von den zehn prieſterlichen Büchern, welche von den Ge⸗ ſetzen, den Göttern, von der Verwaltung und von den Einkünften des Tempels handelten. Dieſe hier angeführten Bücher mit noch ſechs anderen von der Heilkunde bildeten zuſammen die ägyptiſche Bibel. Alle dieſe Männer, welche den Feſtzug eröffneten, trugen die prieſterliche Kleidung, die aus einem weißen faltigen Gewand beſtand, welches bis auf die Füße reichte und aus der allerfeinſten ägyptiſchen Leinwand gewebt war. Um den Hals hatten ſie Ketten von Gold, an denen ein geweihter Talisman⸗ befeſtigt war. Die Sandalen an ihren Füßen waren von Byblus gefertigt, Haupt und Augenbrauen ganz
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Jeitung.
kahl geſchoren, das erſtere jedoch mit einer ſeltſam geformten Mütze bedeckt.
Nach dieſen fünf heiligen Männern kamen vier⸗ undzwanzig Unterprieſter oder Paſtophoren, eben die,
welche die ſechs Bücher von der Heilkunde auswendig
wiſſen mußten. Auf einer Tragbahre trugen ſie die Statue der Göttin, die mit allem Pomp religiöſer Ceremonien, mit Bündeln, Stengeln, Blüthen der Lotospflanzen, Fahnen und wehenden Federbüſchen umgeben war. Eine reiche Draperie mit Blumenge⸗ winden bedeckte dieſe Prieſter, ſo daß von ihnen nur Kopf und Füße ſichtbar waren. Zwei kleinere Figu⸗ ren waren zu den Füßen der Gottheit dargeſtellt, ihre Vaſen überreichend, welche die Erſtlinge des Feldes enthielten. Hinter dieſen kamen abermals Prieſter mit einer zweiten, kleineren Tragbahre, auf der ein Kaſten ſtand, worin ſich die Gefäße mit dem geweihten Wein befanden, welcher zum Trankopfer gebraucht wurde. Jetzt kam der Opferſtier, um den Hals die heilige Binde, auf dem Kopf eine Scheibe mit zwei Federbüſchen und das Opferſiegel. Vor ihm her ging ein Prieſter mit einem Räuchergefäß, aus dem fortwährend Weihrauch emporſtieg. Hinter dem Stier bewegte ſich ein unabſehbarer Zug von Män⸗ nern und Frauen, die Theil an dem heutigen Opfer nahmen und durch Faſten und Gebet ſich dazu vor⸗ bereitet hatten. Während nun der ganze Aufzug langſam und feierlich durch die Straßen ſchritt, wurde von dem heiligen Sänger eine Hymne zu Ehren der Gottin angeſtimmt, die das ganze Volk andächtig mitſang. Zu beiden Seiten gingen Fackelträger, die die ganze Proceſſion gleichſam einrahmten. Endlich war dieſelbe bei dem erleuchteten Tempel angelangt. Auf der oberſten Stufe unter dem Porticus ſtanden zwei Prieſter; der eine hielt ein Gefäß mit geweih⸗ tem Waſſer, der andere ein ſolches mit glühenden Kohlen; der Erſte rief mit lauter Stimme:„Alle, die ihr reiner Hände und reines Herzens, kommt zum Opfer.“ Der Zweite ſprach:„Alle, die ihr ſchuldlos ſeid in Sinn und That, kommt zum Opfer.“ Mancher ſchuldbeladene Sünder fühlte ſich von die⸗ ſen feierlichen Worten hart getroffen und ſchlich nach Hauſe zurück, ſtatt in den Tempel zu gehen. Dieje⸗ nigen aber, die ſich zu der Theilnahme an dem Opſer würdig vorbereitet hatten, ſtiegen die Stufen empor, ließen ſich mit dem geweihten Waſſer beſprengen und das Feuer vor die Stirn halten, was nun ein Zei⸗ chen war, daß ſie reinen Herzens das Heiligthum be⸗ treten wollten. Der Zug bewegte ſich zuerſt zu einem der Seitenaltäre, um welchen Fahnen wehten und auf dem zwei noch nicht ganz geöffnete Lotosblumen geopfert wurden. Von hier begaben ſich die Prieſter
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