696
Ein tief herzinnig Sehnen zieht Nach Dir mich allerwärts,
Denn wo Du biſt, iſt ja mein Fried', Du allerliebſtes Herz!
Schon welkt des Waldes Herrlichkeit, Die Blumen ſtill verweh'n; Ach wann, ach wann kommt Deine Zeit, Du heilig Wiederſeh'n? Mein Herz ſchlägt ſchwer, mein Herz ſchlägt bang, Mein Auge trübe ſchaut, Dieweil ich ſcheiden muß ſo lang Von Dir, mein Liebchen traut!
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Platon und ſeine Zeit. Von Emil Wel⸗ Kaſſel, Verlag von Jungklaus, 1865.
Wir haben uns ſchon früher über verſchiedene Werke unterhalten, welche das Leben des Alterthums
dem modernen Publicum in einer faßlichen und da⸗
bei nicht unwiſſenſchaftlichen, doch höchſt anregenden
Weiſe vorzuführen ſuchten.
In richtiger Erkenntniß der Thatſache, daß in⸗ telligente Leſer in der Jugendzeit mit den Schriften der Claſſiker mehr geplagt als herangebildet werden, pflegten die meiſten Autoren ſolche populär⸗wiſſen⸗ ſchaftliche Werke in Form lebendiger Schilderungen zu halten.
Sie finden nun hier auch den Verſuch, einen ähnlichen Stoff als eine Art Erzählung behandelt zu ſehen, und wenn dabei auch ganz und gar von der jetzt üblichen Leichtſinnigkeit abgeſehen iſt, die ernſte⸗ ſten hiſtoriſchen Themen und die ehrwürdigſten Facta der Wirklichkeit durch ein keckes, unwahrſcheinliches Hinzuerfinden romantiſch zu verſchlingen, ſo läßt ſich doch nicht leugnen, daß die Phantaſie des Leſers durch einen gewiſſen Grad von zuſammenhängender Handlung leichter für die Darſtellung eines Zeitge⸗ mäldes gewonnen wird, als wenn dasſelbe nur in einzelnen culturgeſchichtlichen Beſchreibungen auftritt.
Freilich iſt es ungemein ſchwierig, die Einbil⸗ dungskraft des Publicums nicht zu ſehr im Stiche zu laſſen und doch auch wieder die aus dieſer Bedingung hervorgehende Nothwendigkeit freier Erfindung ſo tactvoll anzuwenden, daß dadurch die Treue des be⸗ abſichtigten Charakterbildes nicht beeinträchtigt wird.
Nicht jeder Stoff, welcher Zeit er auch entſtam⸗ men möge, eignet ſich zu einer ſolchen Bearbeitung, und niemals wird es einem echten Romanſchreiber
per.
Novellen⸗Jeitung.
von Profeſſion gelingen, hierbei die gehörige Zurück⸗ haltung auszuüben. Aber auch ein echter Dichter wird ſich ſchwerlich an eine derartige Aufgabe machen, da ihm dabei die nothwendige peinliche Aufrechthal⸗ tung der realen Wahrheit oft ein Hinderniß bietet, ſein höchſtes Ziel, die poetiſche Schönheit, unbehin⸗ dert zu verfolgen. So fällt denn beſonders jener jetzt nicht geringen Zahl von äſthetiſch gebildeten, für das literariſch⸗künſtleriſche Gebiet erwärmten Schul⸗ männern das Anſtreben ſolcher Verſuche zu.
Nicht leicht läßt ſich wohl in der antiken Welt ein Gegenſtand finden, der ſich ſo wohl wie das Leben und die Zeitepoche des Platon zu einer inſtructiven, biographiſch⸗novelliſtiſchen Schilderung eignet. Die
hohe Perikleiſche Blüthezeit Athens mit ihrer ruhm⸗
vollen Pflege von Kunſt und Wiſſenſchaft und dane⸗ ben dieſe leidenſchaftlichen Parteikämpfe der oligarchi⸗ ſchen und demokratiſchen Tyrannei, in deren Mitte einer der größten Weltweiſen, Sokrates, dem Vorur⸗ theil, dem perſönlichen Haß und den bigotten Um⸗ trieben zum Opfer geſchlachtet wurde, während noch Platon mitten in dem ſtillen Kreis ſeiner Schüler ſtand, um ſich erſt ſpäter als rächender Apoſtel der Sokratiſchen Philoſophie für die Geiſtesherrſchaft ſei⸗
nes Meiſters zu erheben,— dieſe Epoche iſt ſo figu⸗
ren⸗, thaten⸗ und ideenreich und ſymboliſch für die Culturentwicklung aller Folgezeit, daß es für die ge⸗ bildeten Kreiſe des Publicums eine höchſt intereſſante Aufgabe iſt, ihr Auffaſſungsvermögen an dieſem Theil der Hiſtorie zu bethätigen.
Man braucht nicht ängſtlich darüber zu rechten, in wie weit es dem Verfaſſer gelungen iſt, ſeine Auf⸗ gabe an jedem Punkte zu löſen. Seine pſychologi⸗ ſchen Uebergänge ſind zu lückenhaft, und in der Regel taucht er ſeinen Pinſel in zu moderne Farben. Im Allgemeinen kann es ja indeß bei ſolchen Beſtrebun⸗ gen nur Maxime ſein, getreulich anzubringen, was uns die Schriftſteller und Bildwerke des Alterthums an Nachrichten über ihre Zeit hinterlaſſen haben, und in dieſer Weiſe findet ſich hier denn auch des In⸗ tereſſanten vieles an jenen rothen Faden locker ange⸗ reiht, welcher ſich als das Leben Platon's durch das Ganze zieht.
So tritt für den Laien manches Detail zu Tage, das er ohne ein ſolches Werk ſchwerlich kennen ler⸗ nen oder wenigſtens ohne jene Theilnahme leſen würde, welche ſich erſt durch eine Verbindung mit dem warmen Leben herausſtellt.
Ein Beiſpiel davon möge ſich bei der Reiſe zei⸗ gen, die Platon bekanntlich nach Aegypten machte, um das Wiſſen der dortigen Prieſter und jenes Land überhaupt kennen zu lernen.
Paa Sais, wurde⸗ dieſen Fe genderma
„Sa des Nils Jahrhur Stadtr der glu Sais z Kunſtw ſpäter Beſuche bot. D. aus geb fünfig Uchen4. Theile Ein ri Zimme in ihre Burg raden Mitte Aegyp dert 7 lag vo einem mos Sphin ehe mo len ge bäume lisken dem T ein m wachſe men den? feiert Marn bidſe
Anget Pflic zwein Unte man lenge ien langt das


