Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
694
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694 Novellen⸗Zeitung.

kommen, als Warner zu erſcheinen. Beſonders dieſer Lachmansky muß genau beobachtet werden, er ſcheint ein ſchlechtes Subject zu ſein.

Den überlaſſen Sie mir, ſagte Petermann. Ich traue dieſem Patron auch nichts Gutes zu und werde ſeine Schritte daher ſorgſam überwachen.

So ſind wir alſo einig, fügte der Referendar

hinzu,und das Weitere wollen wir nun ruhig ab-

warten. Noch Eins, liebe Schweſter: der Doctor hat mir einen herzlichen Gruß an Dich aufgetragen. Ich danke Dir, ſagte das liebliche Mädchen, hold erröthend,und nicht wahr, fügte ſie lächelnd hinzu,die Schilderungen, welche ich Dir von ſeiner Schweſter machte, leiden nicht an Uebertreibung? Sie iſt ein höchſt liebenswürdiges, anbetungs⸗ werthes Weſen, entgegnete der Bruder,und, fuhr er flüſternd fort,ich will es Dir nur geſtehen, ich glaube, mein Herz iſt heute bei ihr zurückgeblieben. Die Geſchwiſter drückten ſich ſtumm die Hände,

und die drei Verbündeten trennten ſich, einig in dem

Entſchluß, über ihren Freunden und deren Sicherheit zu wachen.

Der Geheimerath war mit ſeiner Tochter Con⸗ ſtantia auf dem Gute angelangt. Beide hatte man ſehr verſchieden, je nach der Stimmung, welche dort herrſchte, empfangen. Herrn von Steinau ſetzte der Beſuch in die beſte Laune; er war dem Hochgebieten⸗ den aus dem Miniſterium mit einer gewiſſen Ehrer⸗ bietung entgegengetreten, da er in ihm einen Mann erblickte, welchem das hohe Amt oblag, über Ruhe und Ordnung zu wachen. Hedwig und ihr Bruder dagegen hegten für den Oheim ſchon an und für ſich keine große Zuneigung; ſeit dem letzten Vorfall, den wir geſchildert haben, war bei den Geſchwiſtern auch noch eine herbe Mißſtimmung zurückgeblieben, und da der Vater in ſeinem gereizten Weſen gegen Doc⸗ tor Sander nicht nachließ und immer wieder auf Aeußerungen zurückkam, welche häufig mit Drohun⸗ gen gegen denſelben vermiſcht waren, ſo betrachteten ſie das Erſcheinen des Oheims, welcher als ein ent⸗ ſchiedener Feind jeder freien ſtaatlichen Entwickelung bekannt war, nur mit großem Mißtrauen. Der Ge⸗ heimerath ſchien übrigens durch dieſe Zurückhaltung

nicht im Mindeſten berührt zu werden; er war ein

ſtolzer, kalter Mann, welcher ſich daran gewöhnt hatte, unter allen Umſtänden eine hervorragende Stellung für ſich in Anſpruch zu nehmen, die er daher auch jetzt, ſeinen nächſten Anverwandten gegenüber, dadurch geltend zu machen ſuchte, daß er um ſeine Perſon gewiſſermaßen einen Kreis zog, welchen zu überſchreiten er Niemand geſtattete. Petermann be⸗ trachtete er nur als eine Nebenperſon, deren Stellung

ſeiner Beachtung nicht werth war; indeſſen kehrte ſich unſer Künſtler ſehr wenig an den Stolz des hohen Beamten und fuhr nach wie vor fort, ſeine Selbſt ſtändigkeit durch ein offenes, freies Weſen, durch die Unabhängigkeit, mit welcher er ſeine Anſichten an den Tag legte, zu behaupten.

Conſtantia zeigte ſich als eine junge Dame, wie man ſie in den norddeutſchen Reſidenzen und nament⸗ lich in Berlin in der höheren Geſellſchaft überwie⸗ gend vertreten findet. Ihre äußere Erſcheinung war keine unangenehme, ſie bot den Anblick einer ſchlank emporgewachſenen Brünette mit feinem Teint, hüb⸗ ſchem Munde und geiſtreichen Augen; aber eine kalte Zurückhaltung, welche in ihrem Weſen hervortrat, ſchwächte dieſen guten Eindruck erheblich ab, die Na⸗ türlichkeit mangelte ihr und die künſtliche Erziehung trat zu ſehr hervor. Dennoch hatte Conſtantia nicht ohne geheime Abſicht ihren Vater nach dem Gute be⸗ gleitet und ihr Herz war dabei nicht unbefragt ge⸗ blieben; ſie war häufig in der Reſidenz mit ihrem Vetter Otto in Berührung gekommen, ſein Aeußeres

und ſein Umgangston hatten, ſoweit dies ihre kalte

Natur zuließ, ihren Eindruck auf ſie nicht verfehlt, und in mancher ſtillen Stunde verſchmähte ſie es

nicht, ſich eine Zukunft an ſeiner Seite auszumalen.

Eine andere Perſon, welche häufig auf dem Schloſſe des Herrn von Steinau erſchien, und die, ſeitdem ſich der Geheimerath daſelbſt befand, dort noch häufiger verkehrte, war der Freiherr von Wie⸗ ſenthal. Er ſtand urſprünglich bei einem Cavallerie⸗ Regiment in der Reſidenz und war dann in Gnaden mit dem Prädicat als Kammerjunker entlaſſen wor⸗ den. Herr von Wieſenthal, welcher ein ſchönes Gut beſaß, hatte übrigens nie an Ueberfülle des Geiſtes gelitten und durch ein mehr als genußreiches Leben war dieſe angeborne Gedankenflachheit allmählich in ziemliche Schwachköpfigkeit übergegangen. Wenn er ſprach, zwinkerte er meiſt mit den Augen und er rechnete es zum guten Ton, zeitweiſe mit der Zunge anzuſtoßen. Uebrigens leiteten auch ihn bei ſeinen, Beſuchen auf dem Gute geheime Abſichten; auch ihm war mitunter der Gedanke gekommen, das Junggeſel⸗ lenleben abzuſtreifen und ſich einen häuslichen Heerd zu begründen, und da er fühlte, daß er einer treuen, nachſichtigen und im Herzen reinen Frau bedurfte, ſo

richteten ſich ſeine Augen auf Hedwig, weshalb er

auch ſeither bemüht geweſen war, ſich ihr von einer ſo liebenswürdigen Seite wie möglich darzuſtellen.

Während man auf dieſe Weiſe auf dem Schloſſe ein Leben führte, dem das geiſtige, harmoniſche Band mangelte und das ſich mehr um die Achſe conventio⸗

neller, von der Höflichkeit gebotener Formen drehte,

hatte der daß wit ſich in d erwerben, ſmeickele im Krlige, Fuͤftigen? zum Beſte Dicke Fri ſehenere man geu im Dorfe verſchriee wenn ihm lich auch ſchaft mit renhauſe v