Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
693
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als bemooſtes Ar de Abneigung

Aagte der alte Herr,

Vierte

Nachdem er ſein Gewehr bei Seite geſtellt und un dem Tiſche, um welchen die Familie verſammelt war, Platz genommen hatte, ſagte er, ſich behaglich ausſtreckend:

Ich habe heute eine Jagd⸗Contravention began⸗ lieber Vater!

So? entgegnete dieſer;nun, zum Glück ſind alle unſere Nachbarn mit uns zu ſehr befreundet, um darüber viel Aufhebens zu machen.

Mit Ausnahme eines Einzigen, entgegnete der Referendar,und von dieſem will ich eben ſprechen.

Du meinſt wohl den Doctor? fragte Herr von Steinau aufhorchend.

Ja. Denke Dir, unachtſam wie ich bin, über⸗ ſchreite ich die Grenze und ſchieße auf ſeinem Jagd revier einen Haſen.

Nun, ich kann das Uebrige ſchon errathen. Wahrſcheinlich iſt Herr Sander hinzugekommen und war erfreut, eine Gelegenheit zu finden, ſeinen Zorn gegen uns auszulaſſen; hat es zwiſchen Euch Beiden

gen,

eine unangenehme Scene gegeben? Im Gegentheil, erwiderte der junge Mann; ſer war die Höflichkeit und Liebenswürdigkeit ſelbſt. Von einer Entſchuldigung wollte er gar nichts wiſ⸗ ſen, ſondern er ſchlug mir ſcherzend vor, uns über dem Todten die Hände zu reichen und die Friedens⸗ pfeife mit einander zu rauchen. Wie, die Friedenspfeife? Wie ſoll ich das verſtehen? fragte mißgeſtimmt der Vater. V Nun, das iſt ganz einfach, entgegnete der Sohn,wir holten gegenſeitig eine Cigarre hervor, teckten dieſelbe in Brand und traten, gemüthlich hlaudernd, den Rückweg an. Ehe wir es uns ver⸗ ſahen, befanden wir uns vor dem Hauſe des Doc⸗ iors, und mit gewinnender Zuvorkommenheit lud er nich ein, einige Minuten bei ihm auszuruhen. Du haſt doch auf jeden Fall ausgeſchlagen? wobei ſeine Stirn ſich verfin⸗

ſewte.

Nein, im Gegentheil, ich habe es angenommen und eine köſtliche Stunde verlebt. Der Doctor ſtellte nich ſeiner Schweſter, einer jungen Dame von acht⸗ ehn Jahren vor, deren Schönheit mich entzückte und heren feines, liebenswürdiges Weſen mich zur Be wünderung hinriß.

Der Baron horchte hoch auf und ſaß einen Au jenblick wie verſteinert da. Aber ein Gewitter war in Anzuge, das ſah man ihm an, und ſchließlich be jann ſich dasſelbe in ſeiner ganzen Stärke zu ent⸗ Uden.

Das muß ich alſo erleben, rief er zornig, diß meine Kinder ſich ſo weit pergeſſen können! Es

Folge.

iſt nicht genug, daß Hedwig bei jeder Gelegenheit die Partie dieſes Mannes nimmt; jetzt bereiteſt auch Du mir noch die Schmach, den Fuß über die Schwelle ſeines Hauſes geſetzt zu haben!

Aber lieber Vater, ſagte der Referendar auf⸗ geregt,der Doctor iſt allgemein als ein Ehrenmann bekannt, und ich begreife daher nicht, wo Du die Schmach ſuchen willſt.

Ein Ehrenmann! lachte Herr von Steinau höhniſch;ich weiß das beſſer! Ein Demagoge, ein gefährlicher Menſch iſt er, und ich verbiete Dir daher jeden ferneren Umgang mit ihm auf das Strengſte.

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Was gehen mich ſeine politiſchen Anſichten an! entgegnete der junge Mann.Nach ſeiner Weiſe mag er Recht haben, Du nach der Deinigen. Ich bin kein Fanatiker und achte in dem Doctor den ſittlichen, den liebenswürdigen Menſchen. Ja, noch mehr, mein Vater, ich kann mich nicht in allen Punkten auf Dei⸗ nen Standpunkt ſtellen.

Und das muß ich aus dem Munde meines Soh⸗ nes hören? rief Herr von Steinau, vor Aufregung zitternd;ich ſage Dir nochmals, der Doctor und ſeine Geſinnungsgenoſſen verfolgen höchſt ſtrafbare Pläne, und wenn man mich heute dazu aufforderte, mitzuwirken, ſie dem Geſetze zu überliefern, ſo würde ich dies als eine Pflicht erachten und keinen Augen⸗ blick Anſtand nehmen, die Hand dazu zu bieten.

Das würdeſt Du nicht! entgegnete mit Feſtig⸗ keit der Sohn;Angeberei iſt eines Ehrenmanns unwürdig, derartige Sachen überläßt man anderen Perſonen, die ich mit ihrem rechten Namen nicht her bezeichnen will!

Genug! rief der Baron, ſich heftig erhebend und auf ſeine Kinder einen zornigen Blick werfend; ſetzt mich nicht in Verſuchung, daran zu zweifeln, daß Ihr von meinem Fleiſch und Blut ſeid! Noch einmal: Jeden Umgang mit dem Doctor, ſelbſt den entfernteſten, verbiete ich auf's Strengſte und dies bitte ich zu beachten! Mit dieſen Worten wendete der alte Herr ſeinen Kindern den Rücken und ent⸗ fernte ſich mit heftigen Schritten, indem er ſich in das Innere des Hauſes zurückzog.

Gott behüte uns davor, unſeren Namen mit der Schmach der Angeberei belaſtet zu ſehen! ſagte der Referendar nach einer kleinen Pauſe;unſer Va⸗ ter iſt ſonſt gut, und doch... o, es iſt nur zu wahr, nichts iſt ſchlimmer, als politiſcher Fanatismus!

Es ſind die Lehren des Onkels, bemerkte Hed⸗ wig mit geſenktem Kopf.Doch was in unſeren Kräften ſteht, ſoll geſchehen, um ein Unglück zu ver⸗ hüten. Laßt uns wachſam ſein, damit wir, wenn es nöthig wird, bei Zeiten die Mittel in die Hand be⸗

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