Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
692
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692 Novellen⸗Jeitung.

ſeine Schliche und Pfiffe gekommen ſind und denſel⸗ ben im Netz haben.

Lachmansky hatte dieſe Rede mit geſenktem Haupte angehört und nur einige Mal gab er durch ein leiſes Kopfnicken ſeinen Beifall zu erkennen. Etwas ſchien ihn aber dabei zu geniren, und das war Herr Peter⸗ mann, welcher, während der Baron die Lobrede hielt, auf ſeine Perſon verſchiedene, eben nicht ſchmeichel⸗ hafte Seitenblicke warf. Er lenkte daher auch von dem bisherigen Gegenſtand des Geſpräches ab und ſagte:

Ich wollte mir eigentlich die Freiheit nehmen und Nachfrage halten, wann denn der Herr Geheim⸗ rath hier einzutreffen gedenkt?

Mein Bruder? entgegnete der Gutsherr.Sie. wiſſen alſo, daß er ſich mit ſeiner Tochter auf einen vierwöchentlichen Beſuch bei mir angeſagt hat?

Dieſe Frage ſchien Herrn Lachmansky etwas in Verwirrung zu ſetzen, denn er zögerte einen Augen⸗ blick, ehe er antwortete.

Steht etwa von der beabſichtigten Reiſe meines Bruders etwas in den Zeitungen? fragte der Baron.

Petermann ließ ein verdächtiges Räuſpern ver⸗ nehmen.Herr Lachmansky hat vielleicht ſeine be ſonderen Quellen, aus denen er ſeine Nachrichten ſchöpft, ſagte er nicht ohne ſtarke Betonung.

Das eben nicht, entgegnete dieſer, welcher ſich inzwiſchen wieder geſammelt hatte, im Tone ſeiner früheren Unbefangenheit;e u

in Freund von mir ſchrieb mir vor einigen Tagen und von ihm erhielt ich die Nachricht. Sie iſt auch ganz richtig, bemerkte der Baron; ich erwarte meinen Bruder wirklich in kürzeſter Zeit und er kann ſich ſchon jetzt auf der Reiſe befinden. Lachmansky hatte ſich erhoben und ſtand eben im Begriff, ſich zu empfehlen, als er durch einen be⸗ ſonderen Umſtand veranlaßt wurde, noch einen Au genblick zu verweilen. Auf der Landſtraße, welche dicht am Herrenhauſe vorbeiführte, zeigte ſich nämlich plötzlich ein Reiter auf einem ziemlich abgetriebenen Klepper, welcher das bekannte Studentenlied: Bemooſter Burſche zieh' ich aus, Ade! Behüt' dich Gott, Philiſterhaus, Ade! hell und luſtig ertönen ließ. Er mochte etwa fünf⸗ undzwanzig Jahre alt ſein, litt aber bereits an einer ziemlichen Corpulenz, wogegen ſein heiteres, lebens⸗ frohes Geſicht den unverkennbaren Stempel der Ori⸗ ginalität bewahrt hatte. Im Uebrigen ſteckte er in einem Paar hohen Kanonenſtiefeln und trug einen mit Schnüren beſetzten Rock, an deſſen linker Seite ein langer Schläger herabhing, während ſein lockiges braunes Haar eine kleine, runde Kappe bedeckte, die

mit den buͤrſchenſchaftlichen Farben Schwarz⸗Roth⸗ Gold beſetzt war.

So wie ſich der Muſenſohn dem Balcon näherte, parirte er ſein mageres Roß, und indem er eine höf⸗ liche Verbeugung machte und gleichzeitig ſeine Kopf⸗ bedeckung etwas lüftete, ſagte er:

Verzeihen Sie, meine hochgeehrten Herrſchaften, wenn ich mir die Ehre gebe, mich Ihnen vorzuſtel⸗ len. Ich cultivire das Jus(Recht) nun bereits ſeit zehn Semeſtern und bin unter dem Namen Lder dicke Fritz» auf allen deutſchen Univerſitäten als bemooſtes Haupt wohl bekannt. Dies hier iſt mein Roß»Ar⸗ min», und da wir Beide eine natürliche Abneigung dagegen haben, unſerem Magen durch langes, unna⸗ türliches Faſten Zwang anzuthun, ſo würden Sie mich ſehr verbinden, wenn Sie mir anzugeben ver⸗ möchten, wie ich auf dem kürzeſten Wege zu meinem hochgeſchätzten Freunde, dem Doctor Sander, gelan⸗ gen kann.

Mit Vergnügen ſtehe ich zu Dienſten, entgeg⸗ nete der Baron, indem er den originellen Redner mit einem Lächeln betrachtete.Schlagen Sie nur den erſten Weg links ein und verfolgen Sie denſel⸗

ben in gerader Richtung, er führt unmittelbar zu der

Wohnung deſſen, den Sie ſuchen.

Gratias! das heißt, ich ſage meinen verbind⸗ lichſten Dank, rief der Sdicke Fritz⸗, an ſeine Mütze faſſend, und indem er ſeinem mageren Klepper die Sporen in die Seiten ſetzte und denſelben hierdurch zu einigen verwegenen Lançaden zwang, ſetzte er ſei⸗ nen Weg fort, wobei er in der heiterſten Laune ein

Steinau, indem er dem Reiter kopfſchüttelnd nach⸗ blickte.Es ſieht mir übrigens ſo aus, als wenn ſich hinter dieſer ungezwungenen Harmloſigkeit ganz andere Dinge verbergen!

Während Hedwig und Petermann zögerten, hier⸗

auf eine Antwort zu ertheilen, hatte Lachmansky, welcher in jeder Beziehung ein vorſichtiger Mann zu ſein ſchien, nur durch ein heimliches Augenwinken

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und durch ein unmerkliches Kopfnicken dem Baron Nnich ſein

ſeine Zuſtimmung zu erkennen gegeben. Da in dem⸗ ſelben Augenblick ein junger Mann in Jagdkleidung in den Hof trat und auf die Geſellſchaft zuſchritt, ſo benutzte er übrigens dieſe Gelegenheit, ſich unter einigen ſtummen Verbeugungen eben ſo geräuſchlos, wie er erſchienen war, wieder zu verabſchieden.

Der zuletzt Angekommene war der Sohn des Barons, welcher in der Reſidenz als Referendar beim Ober⸗Gerichtshof arbeitete, und der ſich jetzt während der Ferien zum Beſuch auf dem Gute befand⸗

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