Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
684
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die Erde und ließ nicht los, bis ich ſeinen Körper ſtarr wer⸗ den fühlte

Ben Aufregung und Anſtrengung erſchöpft lag ich eine Zeit lang auf dem todten Hunde. Um mich her tobte ſtöhnend und heulend ein wirrer Knäuel ringender Menſchen und Thiere, und den wilden Flüchen meiner Cameraden antwor⸗ tete das jubelnde Gelächter der Mauren. Jetzt brauſten die Reiter über uns hin, ufe zertraten die am Boden Lie⸗ genden, und wer von dieſe Runverletzt blieb, folgte zur Bruſt⸗ wehr, wo ſich ein erbitterter Kampf entſponnen hatte. Die Pferde der vorderſten Reiter ſtiegen kerzengrad und ſetzten auf die Krone, die Säcke gaben nach und rollten hinab, Roß und Reiter mit ihnen, aber die Breſche war offen, und immer mehr Reiter drangen durch dieſelbe ein. Von allen Seiten erſcholl das Feldgeſchrei der Araber. Die Mauren gaben die Vertheidigung der Bruſtwehr auf und flohen zu den in der Mitte der Verſchanzung ſtehenden Hütten.

Während der Kampf in dem Innern des Lagers tobte, war an mehreren Stellen der Bruſtwehr Feuer ausgebrochen. Die weggeworfenen Fackeln hatten das dürre Reiſig, welches die Unterlage des Walles bildete, in Brand geſetzt, und ehe die Kämpfenden es merkten, umwogten uns die Flammen. Die Lederſäcke barſten, die erhitzte Luft riß das brennende Korn in die Höhe, eine Wolke von Funken wirbelte über unſeren Köpfen, fiel zündend nach allen Richtungen, verſengte uns Geſicht und Kleidung und trieb das eingeſchloſſene Vieh zur Verzweiflung. Mit betäubendem Gebrüll rannten Ochſen und Kameele in dem engen Raum umher, Alles niederrennend, was ſich ihnen entgegenſtellte. Sie durchbrachen endlich die Bruſtwehr an einer Stelle, welche die Gluth noch nicht er⸗ reicht hatte, und verliefen ſich in dem Walde.

Nach und nach erſchöpfte ſich das Feuer, die Nacht be⸗ deckte wieder den Kampfplatz und verbarg die wenigen Flücht⸗ linge, denen es gelungen war, aus der Verſchanzung zu ent⸗ kommen. Nur zuweilen loderten noch Flammen auf, wenn das verkohlte Pfahlwerk der Hütten zuſammenſtürzte, oder wenn ein Reiter in der Verfolgung über die rauchenden Trümmer ſetzte, daß die Hufe des Pferdes Funken und Brände umherſchleuderten.

Meſſaud ließ jetzt zum Sammeln rufen, die Verfolger kehrten zurück und führten die Gefangenen(Frauen und Kin⸗ der) nach der Mitte des eroberten Lagers, wo dieſe gezählt und gefeſſelt wurden. Ich konnte das Jammern und Klagen nicht lange anhören und verließ den Schauplatz der Verwü⸗ ſtung unter dem Vorwande, nach meinen Wunden ſehen zu wollen. Meine Bruſt war zwar arg zerfleiſcht, die Verletz⸗ ungen waren indeß nicht gefährlich und haben mich nicht einen Augenblick gehindert, zu Pferde zu ſteigen. Eine rechte Freude über unſeren Sieg wollte nirgends aufkommen, das nächtliche Blutbad hatte ſelbſt den von Jugend auf an ſolche Scenen gewöhnten Arabern einen häßlichen Eindruck hinter⸗ laſſen. Außerdem waren unſere Verluſte ſehr bedeutend, und während der folgenden Tage ſtarben noch Viele an ihren Wunden. Am Morgen waren wir voller Thätigkeit; die Einen ſuchten das Vieh auf, das ſich in der Umgebung des Lagers herumtrieb, Andere verfertigten Tragbahren für die Schwerverwundeten. Geier, Raben und Falken bildeten das Leichengefolge. Der Himmel weiß, wo ſie herkamen. Seit wir das Kaſr verließen, hatte ich keine anderen Thiere geſe⸗ hen, als unſere Kameele und Pferde und die Heerden unſerer Gegner; jetzt wimmelte es von geflügelten und vierfüßigen Beſtien, die ſich am hellen Tage um die Leichen der unbeer⸗ digt gebliebenen Mauren balgten. 6.

Novellen⸗ZJeitung.

Madame Eliſabeth.

Unter den zahlloſen Opfern, welche von der erſten franzöſi⸗ ſchen Revolution der Guillotine überliefert wurden, nimmt Madame Eliſabeth, die Schweſter Ludwig's XVI., unter den am meiſten Betrauerten den erſten Rang ein und das mit vollem Recht. Unſchuldiger als dieſe Prinzeſſin hat nie Je⸗ mand das Schaffot beſtiegen. Das Weſen und der wahre Charakter dieſer Märtyrerin iſt übrigens wenig bekannt. Royaliſtiſche Geſchichtsſchreiber haben um die Wette ihren Leſern Madame Eliſabeth in einem dichteriſchen Gewande vorgeführt, aber ſie wenig erkennen laſſen. Sie erheben ſie dem Himmel ſo nahe, daß ſie faſt die Erde nicht mehr be⸗ rührt. Sie hört auf Frau, wirklich und lebend zu ſein, ſie iſt ein engelhaftes, verklärtes Weſen, in welchem die Menſch⸗ heit mit ſeinen Miſchungen und Schwächen verſchwunden iſt; man zeigt ſie uns unveränderlich in ihrer immer erhabe⸗ nen und myſtiſchen Haltung, von einem Heiligenſchein um⸗ gürtet, die göttlichen Gipfel des Gebets und des Opfers be⸗ wohnend, gleich einem Engel des Martyriums über den Schmerzen ihrer Familie ſchwebend und ſie durch ihr Beiſpiel ermahnend, das Unglück zu heiligen. Dieſes Bild entſpricht der Wirklichkeit nicht ganz. Zu einer richtigern Kenntniß der Prinzeſſin gelangt man durch das von F. Feuillet de Con⸗ ches in Paris erſcheinende Werk:Louis XVI, Marie An- toinette et Madame Elisabeth. Lettres et documents inédits, von dem jetzt der dritte Band erſchienen iſt, der bis Ende Auguſt 1791 reicht. Die Correſpondenz der Prin⸗ zeſſin ſetzt jenen ihr gleichenden, aber geſchmeichelten Gemäl⸗ den etwas Schatten hinzu. Das Ideal iſt weniger abstract,

weniger von jeder Wirklichkeit geläutert, die Züge treten deut⸗

licher hervor, der Engel hat weniger Sanftmuth, aber das Großmüthige und Erhabene erleiden keinen Abbruch. Indem ſie um einige Stufen herabſteigt, bleibt die Perſönlichkeit der Prinzeſſin edel und imponirend; ſie iſt einfacher, wahrer, origineller; ſie gefällt uns mehr und bewahrt unſere Hochach⸗ tung.

Zuerſt iſt Madame Eliſabeth eine geiſtreiche Perſon, was ſelbſt der Heiligkeit keinen Schaden zufügt. Sie beſitzt die dem frühern Frankreich eigenthümliche Art von Geiſt, die ſich in der Delicateſſe und Feinheit der Wendungen zeigt, ohne auf große Tiefe und Ausdehnung Anſpruch zu machen. Sie iſt heiter mit einer pointe de malice, das letzte Wort in ſeiner milden Bedeutung genommen. So ſagt ſie:Man muß wohl ein bischen lachen; das thut gut. Madame d'Au⸗ male ſagte mir immer in meiner Kindheit, man müſſe lachen, das dehne die Lungen aus. Dieſen Rath hat ſie behalten; ſie ſpricht ihre Gedanken gern offen aus und erlaubt nicht, daß man darüber im Dunkeln bleibt; ſie iſt eine geſunde, kräftige und offene Natur, das Gegentheil derer, die ſich der Schwermuth hingeben.

Dieſer Frohſinn der kräftigen Conſtitution widerſteht ſelbſt der Traurigkeit der Revolution. Madame Eliſabeth blickt mit Ruhe und einem ironiſchen Lächeln auf das ſchreck⸗ liche Schauſpiel. Ihre etwas ſpöttiſche Heiterkeit bleibt un⸗ erſchütterlich. Iſt das verſtellter Unwille, unterdrückte Bit⸗ terkeit, verfeinerter Stolz oder Blindheit? Nichts von alle dem; weit eher iſt es die ſorgloſe Feſtigkeit einer Seele, die ſich auf ihre Pflicht ſtützt und für das Opfer bereit iſt; vor⸗ züglich iſt es die ſichre Hoffnung auf die Hülfe von oben und ein feſter Glaube an den endlichen Triumph der könig⸗ lichen Sache.

Wenn man ſie ſieht, wie ſie in der Mitte der zuneh⸗

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