Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
680
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680 Novellen⸗Zeitung.

Da iſt mehr als Sichems Auen, Mehr als Jordans heil'ge Fluth,

Himmelsfluren wirſt du ſchauen, Wo in Gott die Seele ruht;

Heil'ges Lied wirſt du vernehmen, Hörſt der Harfen helles Spiel, Siehſt lebend'ge Quellen ſtrömen Das iſt deiner Heimkehr Ziel.

Literariſche Briefe von Otto Banchk.

Ergänzungsblätter. Hildburghauſen, Ver⸗ lag des bibliographiſchen Inſtituts. 1865.

So ſehr auch die Bedürfniſſe der Gebildeten durch mehrere gute deutſche Lexika befriedigt wer⸗ den, ſo iſt doch dieſe Befriedigung keine ſpeciell ge⸗ nügende. Erſtens iſt es keinem Lexikon möglich, über alle Fragen des Wiſſens in ein ſo ausführliches De⸗ tail zu gehen, wie es die Vollſtändigkeit der Ueber⸗ ſichten erfordern würde. Zweitens ſchreitet die Ver⸗ mehrung unſeres Wiſſens in allen Gebieten zu ſchnell fort, um neuen Auflagen zu geſtatten, ihr auf dem Fuße zu folgen. Sie werden daher bei jedem derar⸗ tigen Unternehmen vielfache Lücken gefunden haben, und der gebildetſte Kopf, ja ſogar der Fachmann iſt oft, wenn er Auskunft ſucht oder ertheilen ſoll, in großer Verlegenheit, wie dieſe Lücken momentan zu ergänzen ſind.

In keinem Leſecabinet, in keiner Haus⸗ oder öffentlichen Bibliothek, ja nicht einmal in einer fürſt⸗ lichen finden ſich alle jene engliſchen, amerikaniſchen, franzöſiſchen, deutſchen, niederländiſchen, däniſchen, ſchwediſchen Fachjournale, Induſtrie⸗, Kunſt⸗ und Li⸗ teraturblätter, wiſſenſchaftliche Brochüren, geſammelte Vorträge und Jahresberichte gelehrter Geſellſchaften und Akademien in guter Ordnung verſammelt, welche nothwendig ſein würden, um nach mühevollem und freilich ſehr zeitraubendem Suchen die Antworten auf alle einzelnen Culturfragen herauszuleſen.

Faßt man nun die wirklich ungeheuere Zahl in⸗ telligenter Köpfe in Deutſchland zuſammen, ſo muß das Bedürfniß nach einer überſichtlichen Univerſal⸗ Lectüre ungemein groß erſcheinen.

Dieſem Mangel einigermaßen abzuhelfen, hat Meyer's bibliographiſches Inſtitut in Hildburghauſen unter dem allerdings ſehr beſcheidenen Titel«Ergän⸗ zungsblätter⸗ ein Unternehmen in's Leben treten laſſen, das jetzt bis zum vierten Hefte vorgeſchritten iſt und jährlich zwölf Hefte von 72 Octavſeiten mit

Illuſtrationen verſehen bringen wird, und ganz dazu angethan iſt, ſich als ein vortreffliches encyklopädi⸗ ſches Jahrbuch der Gegenwart darzuſtellen.

Der umſichtige, überaus thätige Redacteur Dr.

Otto Dammer führt dieſes Werk mit den einfachſten

Worten überſichtlich ein.

Wer anregende Unterhaltung ſucht, ſagt er, oder wer ſich gern mit langen Leitartikeln und geiſt⸗ reichen Raiſonnements beſchäftigt, oder wen's gelüſtet, von pikanten, Aufſehen erregenden Neuigkeiten in Form kurzer Feuilleton-Notizen zu naſchen, oder wem's ge⸗ nügt, in periodiſchen Rundſchauen ſummariſch von Geſchehenem Act zu nehmen, oder auch, wer nur ein⸗ ſeitig in ſeinem Fache forſcht und ſich vertieft für Den ſind dieſe Blätter nicht gemacht. Wem aber darum zu thun iſt, mit allen wichtigen Vorgängen auf allen Gebieten des Wiſſens und der menſchlichen Thätigkeit vertraut zu bleiben, wem daran gelegen iſt, daß nichts ſeiner Kenntniß entgehe, was von Ein⸗ fluß und Tragweite auf die Entwickelung des öffent⸗ lichen Lebens iſt, wer Belehrung über die Erſcheinun⸗ gen des Tages in pragmatiſcher Form und einem knappen encyklopädiſchen Styl ſucht, wer, mit einem Wort, nach einem Repertorium der Zeitgeſchichte im weiteren Sinne des Wortes verlangt, dem ſeien unſere Ergänzungsblätter» empfohlen.

Dieſelben werden alle Materien, ſoweit ſie in Handbüchern, Encyklopädien und ſonſtigen Reperto⸗ rien der allgemeinen Bildung vertreten ſind, auf die Höhe ihrer zeitweiligen Entwickelung fortführen, alle neu auftauchenden Erſcheinungen ihrer Wichtigkeit entſprechend behandeln, namentlich über alle unſere Zeit beeinfluſſenden Perſönlichkeiten, Ereigniſſe, Ent⸗ deckungen und Erfindungen berichten, alle zu einer klaren Beleuchtung der Tagesgeſchichte nöthigen Er⸗ klärungen von politiſchen, geſellſchaftlichen, ſtaats⸗ und volkswirthſchaftlichen Inſtitutionen, Erläuterun⸗ gen intereſſanter öffentlicher Vorgänge und Zuſtände, genug Mittheilungen aller neuen, für das praktiſche Leben bedeutungsvollen Ergebniſſe vwiſſeenſchaftlicher, literariſcher und künſtleriſcher Thätigkeit enthalten.

In der That gewahren wir nun in der Führung dieſer Hefte eine außerordentliche Regſamkeit und Umſicht. Sehr bedeutende Gelebrte aus den verſchie⸗ denſten Gebieten ſind zu Mitarbeitern gewonnen wor⸗ den und vertreten fern von der ſonſt bei ähnlichen Werken herrſchenden Anonymität ihre Ausſprüche mit ihrer Namenschiffre oder vollen Unterſchrift.

Hierin müſſen wir einen Hauptfortſchritt aner⸗ kennen. Jene Anonymität iſt für die Verleger nichts weiter als ein zwar für ſie lockendes, aber für die