Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
674
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Dumpf und hohl hallten die Schläge, welche er auf die Fallthüre führte, aus der Tiefe wieder. Da legte plötzlich eine Hand ſich ſchwer auf ſeine Schulter, er wandte ſich um Röschens Bruder ſtand vor ihm.

Was habt Ihr hier verloren? fragte der Stu⸗ dent barſch.Weshalb macht Ihr ſolchen Lärm, als ob Ihr einen Todten wecken wolltet?

Um Euch zu warnen, erwiderte der Maler raſch.Noch in dieſer Nacht wird die Polizei das Gewölbe durchſuchen!

Dem forſchenden Blick Hartwig's entging nicht, daß der Student erbleichte; er wußte genug.Flieht, drängte er,die Polizei iſt genceu unterrichtet!

Bah, weshalb ſoll ich fliehen? fragte Ernſt kalt und gemeſſen.Nach der Vagabundenfreiheit das Gefängniß das iſt nun einmal ſo der Welt Lauf! Vielleicht finde ich dort einen ehrlichen Men⸗ ſchen, den ich bisher vergeblich geſucht habe, und das wäre

Menſch, ſeid Ihr toll, oder hat die Bosheit ſchon ſo viel Gewalt über Euch? rief der Maler entrüſtet.Bedenkt das graue Haupt Eures Vaters, die Schmach, die Ihr

Sie hätten früher bedenken ſollen, daß ich kein Schulknabe mehr war, der ſich bei Waſſer und Brod einſperren ließ! fiel der Student ihm rauh in's Wort.

So denkt an das Herzeleid Eurer Schweſter!

Sie wird ſich tröſten; für Zwei hat kein Men⸗ ſchenherz Raum. Nun Ihr eingezogen ſeid, ziehe ich aus, das iſt auch wieder der Welt Lauf! höhnte Ernſt, der ſich inzwiſchen auf die Treppe geſetzt hatte. Aber wer ſeid Ihr, daß Ihr Euch herausnehmt, mir Moral zu predigen? Wäret Ihr nicht der Bräu⸗ tigam meiner Schweſter und fände ich nicht in Eu⸗ rem Geſicht einen Zug, der mir Vertrauen einflößt, ſo würde ich Euch auf Eure Predigten eine Antwort geben, daran Ihr zeitlebens gedenken ſolltet!

Ich bin nicht allein der Bräutigam Röschens, ich bin auch Ihr Freund, und um Ihnen das zu be⸗ weiſen, kam ich hierher, ſagte Hartwig raſch.

Bah, das weiß ich beſſer! erwiderte der Stu⸗ dent im Tone bittrer Ironie.Nicht um mir Ihre Freundſchaft zu beweiſen, ſondern um von meiner Familie, die ja bald auch die Ihrige ſein wird, die Schande meiner Verhaftung abzuwehren, ſind Sie gekommen!

Wenn ich dieſe Schande fürchtete, ſo würde ich mich mit Ihrer Schweſter nicht verlobt haben, fiel der Maler ihm ruhig ins Wort.Wenn Ihnen das graue Haar Ihrer Eltern nichts gilt, wenn Ihr eige⸗ nes Gewiſſen Ihnen nicht ſagt, daß es nun genug

Novellen⸗

Feitung.

2 ſein müſſe des Kummers und der Schande, welche Sie Ihrer Familie bereitet haben, ſo bitte ich Sie, denken Sie an Anna!

Hölle und Teufel! fuhr der Student wild auf.Menſch, habt Ihr mit der Hölle ein Bünd⸗ niß geſchloſſen? Glaubt Ihr, ungeſtraft mir das bieten zu können?

Hört mich an, fuhr Hartwig mit gemeſſener Ruhe fort;was ich Euch jetzt mittheilen werde, habe ich heute Nachmittag durch einen glücklichen Zu⸗ fall erfahren, und ich glaube, für die Richtigkeit die⸗ ſer Mittheilungen mein Ehrenwort verpfänden zu dürfen.

Schweigend hörte Ernſt den Bericht des Poli⸗ zeibeamten über jenen Vorfall in Heidelberg an; das Haupt auf die Hand geſtützt, blickte er unverwandt den Maler an, nur dann und wann blitzte die dunkle Gluth des Haſſes in ſeinen Augen auf.

Das iſt jetzt Alles vorbei, ſagte er düſter, als Hartwig ſchwieg;hätte ich's damals gewußt,

ja, dann würde ich unter dieſem Geſindel aufgeruͤuml

haben! Aber jetzt

Sehen Sie, da habe ich Sie wieder auf dem⸗ ſelben Punkte, auf welchem Sie damals ſtanden, unterbrach ihn Hartwig ungeduldig.Damals ließen Sie den Muth ſinken, weil Sie nicht die Kraft hat⸗

ten, gegen Ihre Leidenſchaft anzukämpfen; heute

Bah, damals und heute, das iſt ein gewaltiger Unterſchied! fuhr Ernſt auf.

Ich finde dieſen Unterſchied nicht. Blicken Sie auf Ihre Vergangenheit zurück und fragen Sie ſich, wer an dem Zerwürfniß mit Ihren Eltern und dem Bruch mit der Geliebten die Schuld trägt. Sie kein Anderer! Ihr eigenſinniger Trotz, der neben ſeinen einſeitigen Anſchauungen keine anderen gelten ließ; Ihr jähzorniges dem perament, dem Sie ſich willenlos überließen

Was nützt es, mir das Alles vorzuwerfen?

unterbrach Ernſt ihn trotzig.Was einmal geſchehen

iſt, läßt ſich nicht ungeſchehen machen. Damals damals hätte ich das Alles wiſſen müſſen

Sie hätten es wiſſen können, denn die Falle war ſo plump, daß

Brechen wir ab! ſagte der Student barſch. Die, welche mich damals in dieſe Falle lockten, mö⸗ gen es verantworten; ändern läßt es ſich nicht mehr.

Doch, es läßt ſich ändern! fuhr Hartwig mit nehmen Sie mein

herzlicher Wärme fort.Hier, Portefeuille, meinen Hut und meinen Ueberzieher und

verlaſſen Sie augenblicklich dieſen Ort; reiſen Sie nach Breslau, woſelbſt, nachdem ſeit Ihrer Relega⸗ tion eine geraume Zeit verſtrichen iſt, die preußiſche

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Unir legen Ihre Soll 65 3 imme ſchwen

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vor O dieſ kön!

fort Bri⸗ vor Ihn