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Vierte Folge.
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III. Jahrgang.
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Eine muc nenchronik ſr ſir Niterntur, Mune⸗ ſanne FMiſenſchnſten und Geſell ſekaſt.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
n, am 27. October 1865.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Nurch Kampf zum Frieden.
Novelle von Ewald Auguſt König. (Schluß.)
Hartwig war entſchloſſen, ſein Verſprechen ein⸗ zulöſen, wenn er ſich auch ſelbſt dadurch Unannehm⸗ lichkeiten ausſetzte, die unter Umſtänden ſehr ernſter Natur ſein konnten. Er ſetzte den Fall, daß die Polizei ihn in dem Augenblick überraſchte, in welchem er Röschens Bruder zur Flucht überredete; lag die Vermuthung nicht nahe, daß alsdann der Inſpector ihn ſammt dem Vagabunden verhaften würde? Mußte er nicht gewärtigen, daß er in dieſem Falle, voraus⸗ geſetzt Ernſt war der Falſchmünzer, der Mitwiſſen⸗ ſchaft angeklagt würde? Und für wen ſetzte er ſich dieſer Gefahr aus? Für einen Menſchen, der ſeine Freundſchaft zurückgewieſen und ihm Worte geſagt
hatte, für die er von jedem Andern mit der Waffe in der Fauſt Genugthuung gefordert haben würde.— Aber nein, er unterzog ſich dieſer Gefahr für Röschen und deren Eltern, und zudem war es ja auch noch ſehr zweifelhaft, ob er wirklich ſich einer Gefahr aus⸗ ſetzte. Zwar hielt auch er nicht für unmöglich, daß Ernſt, ſei es aus Verzweiflung oder aus anderen Gründen, die Bahn des Verbrechens betreten hatte, aber zweifelhaft blieb dies doch immer.
Als der Maler die Ruine erreichte, war die Sonne bereits untergegangen. Er ließ ſeinen Blick eine Weile auf der Landſchaft ruhen, die von fluͤſſi⸗ gem Golde umſäumt vor ihm lag; dann trat er in den Thurm, um den Eingang zu dem Gewölbe zu ſuchen. Seine Befürchtung, daß die Fallthüre, die unter der Treppe ſo verſteckt lag, daß nur der Ein⸗ geweihte ſie finden konnte, verſchloſſen ſein werde, hatte ihn nicht getäuſcht, und ſo blieb ihm denn nichts Anderes übrig, als durch Pochen und Rufen ſeine Anweſenheit kund zu thun. Zu dieſem Zweck holte er einen ziemlich ſchweren Stein aus der Ruine.


