Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
669
Einzelbild herunterladen

n Carliſten ge⸗ tentblößten

Vierte

und Bekannte wieder erkannten, die das politiſche Glaubens⸗ bekenntniß auf blutiger Bahn ſpäter für immer geſchieden hatte: da bedurfte es des ganzen Anſehens des die Escorte

d...:. 6: 2 Gefehligenden Officiers, um einen im Aufkeimen begriffenen

Tumult, der m dieſen Zeiten ſelten ohne Blutvergießen endete, zu unterdrücken. Die gefangenen Officiere, bis auf einen, welcher nach⸗

weiſen konnte, daß er nur um ſein Leben zu retten für den

Augenblick Dienſte bei den Carliſten genommen, wurden auf dem Stadthauſe in Gewahrſam gebracht, bis der Ausſpruch des Gouverneurs von Alicante über ihr Loos entſchieden ha⸗ ben würde. Dasſelbe Schickſal hatten zwölf Soldaten, die ſich bei Longaſtero's Anweſenheit in Biar als wüthende Ter⸗ roriſten gezeigt hatten. Zwei Kerls indeſſen, die in ihrer pehantaſtiſchen Kleidung einen Abälino oder Fra Diavolo meffend dargeſtellt haben würden, waren eines zweimaligen Maubmordes überführt, gleich dem, mit deſſen gräßlichen Um⸗ ſttänden der Rittmeiſter Torreno uns geſtern in ſeinem Bi⸗ vouak bekannt gemacht hatte. An ihnen ſollte auf Befehl des Gommandanten ſofort das Blutgeſetz vollſtreckt werden. Ein Prieſter wurde herbeigeholt, um die Unglücklichen zum Tode zu bereiten. Frech wieſen Beide den Mann Gottes, einen Greis mit ſilberweißem Haar, zurück, weil ſie ihn als An⸗

hänger der Königin nicht würdig hielten, die Beichte ihrer

zahlloſen Verbrechen zu vernehmen.

Dann wurde das Piket commandirt und ein nach der Kirche hin offenes Viereck gebildet, an deſſen Ende man die Delinquenten, mit dem Geſicht gegen die Wand gekehrt, auf zuvei an ſchnell eingerammten Pfählen befeſtigten Stühlen feſtband. Die Strafe des Verraths und des Raubmordes beſteht nämlich in Spanien darin, daß die Thäter von rück⸗ wärts erſchoſſen werden.

Als man dem Einen die Hände auf den Rücken gebun⸗ den hatte und die dazu Befehligten ſich dem Andern zu dem⸗ ſelben Zwecke näherten, da es war ein empörender An⸗

blick drehte die herkuliſche Geſtalt des Catalanen ſich zu der Menge, zog ein Crucifix aus dem Buſen, warf es auf die

Erde und trat es mit Füßen unter einer unausſprechlichen

Verwünſchung auf alle Pfaffen und Biſchöfe, auf Ferdi⸗ dd VII., Don Carlos und die Königin Chriſtine, ja auf ke, die an dem Verderben des Vaterlandes mitwirkend ge⸗ ſen. Der commandirende Officier gab aber ſchnell das

ichen, wodurch der ſchrecklichen, wenn auch nicht allen

Grundes entbehrenden Läſterung und dem Fluche, der dem Umglücklichen vielleicht noch auf den Lippen ſchwebte, ein Ende Remacht wurde; von ſechs Kugeln wohl getroffen ſtürzte er dröhnend neben ſeinem Leidensgefährten auf dem Steinpfla⸗ ſter zuſammen.

Eine ſchauerliche Stille trat für wenige Minuten ein, nachdem die Todesſalve verhallt war. Während der vorhin mwähnte Prieſter mit der Büchſe pro purgatorio, d. h. für Beiträge zu Meſſen, um die Sünder aus dem Fegefeuer zu möſen, zwiſchen den Verſammelten umherging, blickten die ürigen Gefangenen, die man, um nahe Zeugen der Hinrich⸗ umg ihrer Cameraden zu ſein, in das Quarré geführt hatte, nit faſt erſtarrten Geſichtszügen auf die blutigen Leichen der

Cefallenen. Wie anklagend flogen Anderer Blicke zum Him⸗ nel, und wohl manche noch im Entſtehen begriffene Verwün⸗ ſtung wurde in die Bruſt hinabgezwängt, als Don Pedro

n Caſtroleguas, Oberſt des Dragonerregiments und einſt⸗

wiiliger Stadtcommandant, in den Kreis ritt. Ein Geiſtlicher

n vollen Ornat und ein Rathsſchreiber, der ein Actenſtück

s. waren in ſeinem Gefolge.

Folge. 669

Im Namen der erlauchten Regentin! rief Don Pedro mit erhobener Stimme, und die Reiter ſchulterten die gezoge⸗ nen Säbel.Im Namen der Regentin, der erhabenen Mut⸗ ter der erlauchten königlichen Thronerbin, wiederholte er noch einmal,ſchenke ich den übrigen noch hier anweſenden Gefangenen die Freiheit! Ihr werdet den Eid der Treue und des Gehorſams in die Hand des ehrwürdigen Biſchofvi⸗ cars, den ich dazu berufen, ablegen, ſo richtete er jetzt das Wort an die hochaufhorchenden Gefangenen.Dann aber, fuhr er fort,werdet Ihr Euch ohne Säumen in Eure Hei⸗ math begeben, um die Gnade der Königin denen zu verkündi⸗ gen, die in ihrer Verblendung noch zu den einzelnen Rebellen⸗ chefs ſtehen, die der Barmherzigkeit der Monarchin ſich unwür⸗ dig erwieſen. Schreiben Sie Namen und Wohnort der Am⸗ neſtirten auf, Don Vimeira, und überbringen Sie mir die Liſte, ſo wandte er ſich zuletzt an den Escribano, grüßte die anweſenden Officiere und ritt unter einem letzten verachtungs⸗ vollen Blick auf die Hingerichteten aus dem Kreiſe. Ihm folg⸗ ten die lauten Dankſagungen der Gefangenen, die in ein ſchal⸗ lendes viva! ausbrachen. Und viva! riefen auch die Bürger von Biar, ſobald ſie zur Beſinnung über das gekommen wa⸗ ren, was heute das Rechte war den Feinden zu verzeihen.

Das war eine von den ſchönen menſchlichen Scenen, wie ſie in der letzten Zeit im Heerlager der Chriſtinos immer häufiger vorkamen, nachdem die Grafen Espana und Mo⸗ rato, von Don Carlos aufgegeben, vergebens Zuflucht und Hülfe bei den Gebirgsbewohnern von Catalonien ſuchten, ehe ſie in ihrer wahnſinnigen Verzweiflung einſahen, daß ihre abſolutiſtiſchen Zwecke dennoch vereitelt waren. Die Gefan⸗ genen, die freie ſpaniſche Männer geworden waren, ſobald ſie den Loyalitätseid und die Urfehde geſchworen, wünſchten dem Prätendenten und ſeinem Anhange alles mögliche Böſe auf den Hals, und ließen la libertad aus vollem Herzen hoch leben; dann gingen die Truppen auseinander und die neuen Proſelyten ſuchten für die Nacht ein Unterkommen un⸗ ter den zerfallenen Arcaden des Maurenſchloſſes, wo ſie mit Speiſe und Trank von ihren wiedergewonttenen Brüdern er⸗ quickt wurden.

Gleich nachher war in Biar Alles wieder ſo ruhig, wie am Morgen; nur der jetzt beginnende öffentliche Verkauf des Beutegutes, welcher den Soldaten nach herkömmlicher Weiſe geſtattet ward, und das Blut der hingerichtéten Carliſten, das dicht am Gotteshauſe vorüber wie ein kleines purpurrothes Bächlein die abhängigen Riabrieſelte, gaben noch Zeugniß von einer letzt ſpiſchen Zuckung des fluch⸗ belaſteten ſpaniſchen 81

Eine Silhouette des polniſchen Charakters.

Als mehr und als etwas Anderes möchten wir dieje⸗ nige, wenngleich höchſt intereſſante Unterhaltung nicht bezeich⸗ nen, welche ſich in Bogumil Goltz's neuer Bearbeitung ſei⸗ nes Jugendlebens über die Weſenheit dieſer ſo merkwürdigen als unglücklichen Nation vorfindet. Wenn ſich ſeine Schat⸗ tenſeiten zeigen, ſo ſind ſie durch die Schule der Geſchichte genugſam entſchuldigend motivirt und keine ſympathiſche Theil⸗ nahme, die wir den Polen in ſo verdientem Maße widmen, wird dadurch abgeſtumpft werden. Der Umgangsphiloſoph ſagt:

Man muß dieſe polniſche Race mit ihren bis zur äſthe⸗ tiſchen Virtuoſität ausgebildeten converſationellen Manieren und Talenten in einer Geſellſchaft, man muß ſie auf einem Balle geſehen haben, um zu begreifen, was es z. B. mit dem