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Rappen über den Marktplatz ſprengte. Das Volk, an der⸗ gleichen Vorgänge ſchon vollkommen gewöhnt, ſchien heute um ſo weniger beſorgt, da es bereits bekannt war, daß ſich Cabrera mit dem Reſte ſeines Heeres nach dem oberen Ebro hingezogen hatte. Es waren nur Nachzüglerbanden, die das Land, zumal im Gebirge, welches durch chriſtiniſche Truppen noch nicht gehörig hatte geſäubert werden können, allerletzt noch zu brandſchatzen verſuchten, ehe die Meiſten zu dem von ihnen früher geübten Schmugglergeſchäft, gar Manche auch als Räuber in die abgelegenſten Schluchten der Sierra Mo⸗ rena zurückkehrten. Viele Einwohner, auch einige der zurück⸗ gebliebenen Officiere, beſtiegen die Platform eines kleinen, auf dem höchſten Punkte der Stadt gelegenen Caſtells, um von dem Gange des Gefechts, wenn die Guerilla aus dem Gebirge in die Ebene herabgetrieben ſein würde, Kenntniß zu nehmen. Da wir ohnehin den Ausgang der Dinge in Biar abwarten mußten, begleiteten wir einige der Letzteren auf die hohe, eine weite Ueberſicht gewährende Warte.
Etwa eine kleine Stunde mochte vergangen ſein, als die erſten Schüſſe aus dem Thale das Zufammentreffen der er⸗ bitterten Feinde und den Anfang des von den Carliſten an⸗ genommenen Gefechtes verkündigten. Vom entfernten Kampf⸗ platze ſelbſt konnte man nichts gewahren, da die Ausſicht auf denſelben durch einige vorliegende Hügel und dichte Baum⸗ gruppen verſperrt war. Bald jedoch kam das Gefecht näher, und man erblickte die Tirailleurs beider Theile auch ſchon diesſeits des Gehölzes engagirt. Einzelne Trupps brachen hervor, ſcharmutzirten mit ihren buntbewimpelten Lanzen gleich Koſaken auf die chriſtiniſchen Reiter in der Ebene los,
zogen ſich aber ſchnell vor den Chargen dieſer erprobten Ca⸗ vallerie in den waldigen Hintergrund zurück. Plötzlich er⸗ tönte ein fürchterliches Geſchrei wie Kriegsruf indianiſcher Pampasreiter aus dem Gehölz, und die Carliſten, die zahl⸗ reicher ſein mochten, als man von Seiten der Chriſtinos er⸗ wartet hatte, ſtürzten ſich, wohl in der Meinung, daß der Feind, mit dem ſie es zu thun, nur in den drei Zügen des Dragonerregiments„La Reyna“ beſtände, im raſchen Pfer⸗ deslauf mit hochgeſchwungenen Waffen auf die vom Rittmei⸗ ſter Torreno befehligte Truppe, die ſich in eine ſchon im Be⸗ reich des Weichbildes der Stadt frei vor unſeren Blicken lie⸗ gende Ebene zurückgezogen hatte.
Ungeſtüm war der Angriff des buntſcheckig zuſammen⸗ gewürfelten Corps. Einige derſelben, welche in Militärmützen und graue Röcke gekleidetzgharen, Säbel und Patrontaſche führten, bildeten die Elite des Coops. Die meiſten glichen in ihren rothen herabhängenden Beutelmützen, mit den brau⸗ nen flatternden Mänteln und langſchäftigen Lanzen einem flüchtigen Beduinenſchwarm, während der Reſt mit Helmen von alter Form, mit Czakows und runden Baskenhüten auf dem Kopfe, die einen mit Säbeln bewaffnet, die anderen mit Piſtolen und Carabiner in den Kampf ſtürzten. Der unge⸗ ſtüme Angriff brach ſich jedoch an der feſten Haltung der gut⸗ geſchulten alten Dragoner; die Guerillas ſtoben auseinander wie die ſchäumende Brandung an einem das Ufer ſchützenden Fels. Es gelang den erſteren, die Feinde durch ein wohlbe⸗ rechnetes Manöver in die Mitte zu nehmen und mehrere der⸗ ſelben von den Pferden zu hauen. Da der Feind einſah, daß ihm auch ein wiederholter Angriff in geſchloſſener Maſſe nicht gelingen würde, verſuchte er en débandade ſeine Gegner zu beſchäftigen und dahinter mit dem Reſt ſeines Corps die De⸗ filéen zu erreichen. Einige Dragoner waren bei dieſem Ver⸗ fahren des Feindes ſchon verloren gegangen, als eben zur rechten Zeit die andere Hälfte aus ihrer Stellung hervorbrach,
Novellen⸗Zeitung.
dem retirirenden Feinde den Weg verlegte und wüthend in die Carliſten einhieb, die ſich, zu ihrem Nachtheil, in einen dichten Knäuel auf dieſem Wege zuſammengedrängt hatten. Nun war es bald um ſie geſchehen. Von zwei Seiten ange⸗ griffen vermochten ſie den ſtandhaften Angriffen eines alten Regimentes nicht zu widerſtehen, das ſich ſchon gegen die franzöſiſchen Gardedragoner bei Vitoria die Ritterſporen erworben hatte. Einige der Gegner ſuchten Schutz in den nahen Klüften und Wäldern, indem ſie von den Pferden und Maulthieren ſprangen, die ſie im Stiche ließen; andere ſpreng— ten in wilder Flucht auf dem Wege nach Caſtalla von dannen, wo ſchon ein Corps chriſtiniſcher Infanterie zu ihrem Em⸗ pfange bereit ſtand; die meiſten jedoch wurden von den Sie⸗ gern, die etwa 18 Todte und Verwundete hatten, in der erſten Wuth niedergehauen. Bei dem Anblick des wirklich glorreich errungenen Sieges über eine überlegene Macht er— hoben die Zuſchauer auf dem Thurme ein allgemeines Freu⸗ dengeſchrei; dann eilten ſie die ſteilen Stiegen wie im Fluge hinab, um nicht die Letzten am Thore zu ſein, die tapferen Sieger zu begrüßen.
Wir durften nicht allzulange dort warten; bald ſpreng⸗ ten einige Dragoner herein, um dem Stadtcommandanten im Dienſtwege die Meldung davon zu machen, und eine halbe Stunde ſpäter nahte auch ſchon die Spitze der Colonne. Voran kamen, wie zur Zeit der altrömiſchen Triumphzüge, die er⸗ oberten Beuteſtücke, eine Menge Pferde und Maulthiere, die in Ermangelung anderer Schätze mit der Bagage und den Feldkeſſeln der geſchlagenen Feinde und mit den ihnen abge⸗ nommenen Waffen, auch einigen jungen Frauen beladen wa⸗ ren, die ihren Liebſten oder Gatten in den heiligen Kampf für Don Carlos und die heilige Religion treulich gefolgt und ihnen mitunter auch wohl als Büchſenſpanner gedient hatten. Ihre Augen funkelten zwar noch, aber ihre Haltung zeigte ruhige Ergebung in ihr Schickſal. Zwei luſtig blaſende Trom⸗ peter ritten dem Zuge voran, dann folgte die erſte Hälfte der Schwadron, den Rittmeiſter, der aus einer leichtverbundenen Armwunde blutete, an ihrer Spitze. Er grüßte doppelt freund⸗ lich im Bewußtſein einer eben ſo rühmlich als ſchnell voll⸗ brachten Siegesthat. Jetzt folgten in einer langen Reihe die je zwei und zwei mit Fouragirleinen zuſammengekoppelte Gefangenen; ihnen ſchritten ſechs gleichfalls gefeſſelte Off ciere voran, denn die Chriſtinos thaten jetzt nach dem Bei ſpiele, wie es ihnen zuerſt von den fanatiſirten Carliſten ge⸗
geben war. Soldaten und Officiere ſchritten mit entblößtem
Haupte zwiſchen den ſie umgebenden Dragonern vom Regi⸗ mente der Königin. 1
Welche Schmach, die das übel berathene ſpaniſche Kö⸗ nigshaus über ſein ſonſt ſo ſtarkes, einiges und treues Volk gebracht hatte! Gleich Miſſethätern führten Spanier die gefangenen Brüder auf den großen Platz! Alle hatten laut des letzten vor vier Wochen erlaſſenen Manifeſtes der Köni⸗ gin, das auf die Convention von Bergara begründet war, den Tod verdient. Man war auf ein ſchreckliches Schauſpiel gefaßt; ja viele Bürger von Biar freuten ſich auf die Aus⸗ übung des Vergeltungsrechts, nachdem, noch nicht lange vor⸗ her, auf Geheiß des blutdürſtigen Cabrera ſo viele Unſchul⸗ dige in der Stadt hingerichtet worden waren.
Als nun Freund und Feind mit glühenden Augen einan⸗ der betrachteten, als hie und da ein Bürger in den um die Ge⸗ fangenen gezogenen Kreis eindrang, um auf der Stelle Juſtiz an einem Carliſten zu üben, den er einmal unter Longaſtero's Würgeengeln in ſeinem oder in einem ihm befreundeten Hauſe erblickt hatte; als ſich auch wohl hie und da ehe malige Freunde
und B⸗ bekenn hatte: bejell Tumul zu ni weiſen Augenb dem St des Go ben w ſich be roriſte phant treffen Naube ſtände vouak Comm Prieſte zu bere Greis hänge zahllo
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