Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
664
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664 Novellen⸗Zeitung.

Das Vaterhaus.*)

Heut' ſchüttle ich den Staub von meinen Füßen, Heut' darf ich wieder meine Heimath grüßen, Die wandernd ich ſeit Jahren nicht geſeh'n. Wohl ſchwankten Bilder wechſelnd in der Ferne; Doch feſt, wie an dem Himmel ew'ge Sterne, Und treu und innig blieb die Heimath ſteh'n.

Dort ſteht das Haus mit ſeinen hohen Linden, In deren Schattengängen nimmer ſchwinden

Die Träume, die ich einſt als Kind geträumt; So freundlich ſchau'n mich an die rothen Ziegel, Die Pforte öffnet hurtig ihre Riegel,

Und in das Zimmer tret' ich ungeſäumt.

O Vaterhaus, wie köſtlich iſt dein Segen! Die Eltern kommen freundlich mir entgegen, Den lang' entbehrten Sohn umarmen ſie; Die Schweſter auch mit liebendem Gemüthe, Die ſtill daheim, derweil ich fern, erblühte, Die kleinen Brüder ſchmiegen ſich an's Knie.

Noch hab' ich keine Ruh'. Des Gartens Räume Durchſtreif' ich eilig, grüße Blumen, Bäume,

Die Laube und den langen Buchengang,

Und weiter eil' ich zu des Waldes Schatten,

Ich ſinke nieder auf die grünen Matten

Und lauſche wieder auf der Vögel Sang.

Dann ſteige ich empor zu jenem Berge,

In deſſen Schooß der lieben Todten Särge Vermodernd ruhen in dem ſtillen Grab;

Ich ſinne ernſt. Mir iſt's, als ob der Flügel Der ew'gen Liebe rauſche von dem Hügel

Zu meinem Vaterhauſe leiſ' herab.

Und wieder tret' ich ein in ſeine Pforte;

Nun fließt der Strom der heitern Wechſelworte Von Mund zu Mund in dem vertrauten Kreis. Der Vater horcht, wie ich den Schatz verwendet, Den er dem Wand'rer reichlich hat geſpendet, Und was ich denke, was ich glaub' und weiß.

Nun wird geplaudert von der Näh' und Ferne Die Kleinen hören zu, ſie hören's gerne

Bis wohlbeſetzt der Tiſch uns ladet ein;

Da klappern denn die Löffel an die Teller,

Die Flaſche wird heraufgebracht vom Keller,

Und ſeiner Haft entrinnt der gold'ne Wein.

Das Glas ergreif' ich mit den gold'nen Tropfen

Ich höre laut das Herz im Buſen klopfen

*) Aus: Gedichte von Hermann von Loeper. Leipzig. F. A Brockhaus. 1865. 3

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Und trink' auf's Wohl der lieben Meinen aus. Wohl ſchwanken Bilder wechſelnd in der Ferne; Doch feſt, wie an dem Himmel ew'ge Sterne, Und treu und innig ſteht das Vaterhaus.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Der Gefangene von Küſtrin. Von Kon⸗ rad von Bolanden. Mainz. Verlag von Kirch⸗ heim, 1865.

Nicht nur der bekannte engliſche Geſchichtsſchrei⸗ ber vom LLeben Friedrich's des Großens, ſondern auch manche Deutſche haben, wenn auch weniger rück⸗ haltlos, die Bewegungen innerhalb dieſes merkwürdi⸗ gen Charakters zu enthüllen geſucht. Auch in die Romanliteratur finden Sie dieſen Stoff hinübergezo⸗ gen und von keiner Feder wohl ſo ausführlich, als von der der Gattin Theodor Mundt's. Dennoch iſt dieſe Epoche von der erzählenden Literatur noch nicht ſo ausgebeutet, um ihr Intereſſe in den weiteren Kreiſen abgeſtumpft zu nennen.

Dankenswerth iſt es, dieſen Gegenſtand, wenn auch einſeitig, ſo doch in einer Richtung behandelt zu ſehn, die fern davon iſt, die preußiſch-patriotiſche genannt zu werden. Eine ſolche Auffaſſung hat der in dieſen Blättern ſchon erwähnte, für die öſterreichiſche Politik erwärmte Bolanden unternommen.

Seine Darſtellung iſt hiſtoriſcher gehalten, als ſonſt wohl ſolche großentheils ſalope Schilderungen zu ſein pflegen, und ſchließt ſich im»Gefangenen von Küſtrin» natürlich nur der Jugendzeit Friedrich's an.

Ohne Zweifel kann man nicht Gewicht genug

auf die pſychologiſche Schlußfolgerung legen, daß die Begebenheiten, die den Kronprinzen trafen, einen un⸗ berechenbaren Einfluß auf ſein ſpäteres Handeln als König hatten. Jene erſten traurigen Vorfälle, die des jungen Mannes blühendſte Lebenszeit verbitter⸗ ten, ja entblätterten, hatten ihn durch ihre Tragik gezwungen, ſeinen Unterthanen, dem Heere, ja der ganzen Welt in einem bedenklichen und zweideutigen Lichte zu erſcheinen. Sie waren weder geeignet, zu ſeiner Offenheit, noch zu ſeiner Männlichkeit Ver⸗ trauen faſſen zu laſſen. Seine religiöſe Haltung mußte beunruhigen und er hatte ſeinem Vater gegen⸗ über eine Sünderrolle geſpielt, die mehr für einen Fürſten als für einen Privatmann eine gewiſſe Gra⸗

virung zurückließ. Es war als der raſchere Weg

wünſchenswerth, durch eine entſchiedene Rolle der Gegenwart, wie ganz beſonders ſeinen eigenen Unter⸗ gebenen eine imponirende Charakterkraft zu zeigen. Eine Reihe von Thaten mußte zu dieſem Ziele am

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