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den Inſtinct der Pferde zu verlaſſen, und nach mehreren angſtvollen Stunden hielten dieſe edlen Thiere vor dem Per⸗ ron meines Hauſes. Ganz mit Schnee bedeckt trat ich in den Saal, welcher mit Masken angefüllt war. Es war ja Weihnachten!— e.
Misrellen.
Welch tiefen Eindruck das plötzliche Hinſcheiden der Königin Louiſe von Preußen in allen Kreiſen machte, beweiſt auch ein Brief des alten Marſchalls Vorwärts, den er an einen ſeiner Freunde ſchrieb, als er die Nachricht von dem Tode der Königin erhalten hatte:
„Lieber Eiſenhart!
Ich bin wie vom Blitze getroffen. Der Stolz der Wei⸗ ber iſt alſo von der Erde geſchieden. Gott im Himmel, ſie muß vor uns zu guht geweſen ſein. Schreiben Sie mich ja, alter Freund, ich bedarf uffmunterung und unterhaltung. Es iſt doch unmöglich, daß einen Staht ſo viel auf einander vollgendes unglück treffen kann, als den unſrigen. Uebrigens gebe der Himmel, daß ſich alles, was Ihr letzter Brief enthält, beſtättigt, in meiner jetzigen Stimmung iſt mich nichts lieber, als daß ich erfahre, die Weld brenne an allen vihr Enden. Immer derſelbe
Blücher.“
Vom deutſchen Büchermarkt.
Geſammelte Werke von Adolf Böttger. Leipzig, Verlag der Dürr'’ſchen Buchhandlung. 1865.
Zu den klangvollſten und angenehmſten Sängern der modernen Lyrik gehört ohne Frage Adolf Böttger, deſſen zahlreiche Verehrer im deutſchen Publicum durch alle deut⸗ ſchen Lande verbreitet ſind. Obgleich viele Werke von dem genannten Poeten ſehr elegant, ja ſogar glänzend ausgeſtat⸗ tet erſchienen ſind, ſo fehlte es doch bis jetzt noch immer an einer Geſammtausgabe, die gewiſſermaßen unter demſelben gaſtlichen Dache alle jene lebendigen Geſtalten verſammelt, welche wir der Schöpfungskraft der Böttger'ſchen Muſe verdanken. Hier nun ſtellt ſich eine ſolche gleichmäßige Vereinigung dar und die ſchöne in geſchmackvollem Format arrangirte Ausſtattung kommt allen Wünſchen der Litera⸗ turfreunde entgegen.
Faſt dieſelben Eigenſchaften, welche den Geibelſchen Dichtungen eine ſo große Beliebtheit erworben haben, ſin⸗ den ſich auch bei Adolf Böttger vor. Es ſind beſonders die ſprachlichen Reize, die durch eine zartige Politur des äußerſt wohlklingenden Verſes wirken, und deſſen muſikali⸗ ſches Element in den Vordergrund treten laſſen. Zugleich
656 Novellen⸗Zeitung.
wird der Leſer durch eine blühende farbenreiche Friſche der Schilderung eingenommen und nicht leicht tritt ihm unter dieſer großen Menge von Poeſie ein Lied entgegen, da nicht ſeine Phantaſie in höhere Schwingungen, ſein Ge⸗ müth dagegen in eine wirklich poetiſche Stimmung verſetzt. Dieſer ſirenenhafte Zauber der Stimmung iſt es ja eben, wodurch die Lyrik ihre ſchönſten Wirkungen zu erzielen fähig iſt.
Auf dieſem geheimnißvollen Wege verſteht es Bött⸗ ger zu allen möglichen Regungen des Menſchenherzens einen Zugang zu gewinnen, und die ſcheinbar unbedeutend⸗ ſten Vorgänge der täglichen Wirklichkeit bieten der lyri⸗ ſchen Klangfülle ſeiner immer angeregten Seele Gelegen⸗
Leid auszutönen.
In demſelben Grade, in welchem ſich des Dichters ſubjective Lieder durch rhythmiſchen Schmelz, Zartheit der Empfindung und innige Liebesſehnſucht auszeichnen, ſtechen ſeine größeren mehr epiſchen Schöpfungen durch den Pomp ergreifender, Pft gedankenſchwerer Schilderungen, kühner Bilder undaſtiſcher Wendungen der Compoſition hervor. Der ſchöne Fall der Rhetorik reißt den Leſer mit all ſeiner Einbildungskraft in den Gang der Handlung hinein und er wird zum mitleidenden oder mitbeglückten Theilnehmer am Schickſale des Helden gemacht.
Einen Tendenzdichter im bedenklichen Sinne des Wortes kann man Böttger nicht nennen. Die Wahl ſeiner Stoffe hält ſich von vergänglichen Tagesintereſſen fern, neigt ſich aber mit Vorliebe den rein menſchlichen, immer neu und ewig jung bleibenden Gegenſtänden und Fragen zu. Eine richtige Werthſchätzung auf den ſchönen Schein legend, der bei allem, was Kunſt heißt, mit dem innern We⸗ ſen der Sache in Eins zuſammenfließen ſoll, bevorzugt ſeine Muſe beſonders ſolche ideelle oder hiſtoriſche Vor⸗ gänge, die einen effectvollen Hintergrund, eine maleriſche Staffage, ein elaſſiſches Coſtum, eine gewiſſe graziöſe vor⸗
heit dar, die hingebende Mitempfindung von Freude ·
Vier
nehme Haltung im Fühlen und Denken geſtatten und dem
Poeten Gelegenheit geben, ſeine Phantaſie in den Bahnen
eines edelen Geſchmackes zu bewegen.
Ein ſolcher immer fortſchreitender“—— verdient, dem Publicum in ſeinen geſammelten. Derrem noch bei Lebzeiten vorgeführt zu werden. A. S.
* König.— Literariſche Briefe von Otto Banck. Feuilletan. Reminiscenzen aus den ſpaniſchen Kriegen. Von E. Heuſinger. I. Bild.— Die Reiſe eines ruſſiſchen Wählers.— Mis⸗ cellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.
Inhalt: Durch Kampf zum Frieden. Novelle von Ewald Auguſt
Im Verlage von J. Frike in Halle erſchienen:
Wunderliche Reiſen.
Bruchſtücke aus dem Leben von A. Freiherrn von Seld. Preis 1 Thaler, gebunden 1 Thaler 10 Ngr.
Ja, wirklich wunderliche Reiſen eines alten Burſchen, der gut zu erzählen verſteht!
Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung iſt erſchienen:
Ein Dichterherz.
Hiſtoriſche Novelle
von
Ferdinand Pflug. broſch. Preis 24 Ngr.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ollo Friedrich Dürt in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.


