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Vierte
ſicht bei der Discuſſion betheiligten. Der mit Wahlangele⸗ ſenheiten vertrautere Adel führte dieſe allein, die Bauern nachten wohl einige Bemerkungen, welche ſich aber nicht auf den vorliegenden Gegenſtand bezogen.„Es iſt bedauerlich,“ ſagten ſie,„daß dieſe Angelegenheit in ſolcher Weiſe behan⸗ delt wird; wir ſollen ſofort wählen, und kennen doch faſt feinen einzigen von Euren Rednern, und Ihr kennt keinen von den unſrigen. Der Marſchall hat uns wohl einige Na⸗ men bezeichnet, aber es wäre doch beſſer, wenn wir uns vor⸗ her verſammelten, um uns darüber zu verſtändigen und nach den betreffenden Perſonen zu erkundigen.“ Nach anderthalb⸗ ſtindiger Verhandlung wurde beſchloſſen, nach der von dem Marſchall vorgeleſenen Liſte, und zwar nach alphabetiſcher Dednung zu wählen. Niemand wendete etwas dagegen ein, denn man war es überdrüſſig, knoch länger zu warten, und nan wollte nun ſo bald als möglich mit den Wahlen be⸗ gimnen.
Der Adel ſtand auf der Liſte obenan. Deshalb— und das war ſeine Abſicht— wurde die Wahl auch bei ihm be⸗ gonnen. So viel ich mich erinnere, gingen die erſten zehn dder zwölf Namen ſämmtlich durch. Da begännen aber die Hauern untereinander zu flüſtern, und man hörte Bemerkun⸗ gem wie:„Man wählt alſo nur Adelige!“ Von dieſem Au⸗ jenblick an verringerten ſich die weißen Kugeln und vier Adelige erhielten nur ſchwarze. Ich ſelbſt war als vierzehn⸗ er oder fünfzehnter eingeſchrieben und hatte nur eine geringe Mehrzahl von weißen Kugeln. So war nun die zehnte bendſtunde herangekommen und man hatte erſt die Hälfte der vorgeſchriebenen Anzahl der Abgeordneten. Es wurde vougeſchlagen, die Beendigung der Wahlen bis morgen zu derlegen, aber der Marſchall, welcher fürchtete, die Wähler würden abreiſen, wodurch ſämmtliche Wahlen annullirt wor⸗ den wären, bat uns, beiſammen zu bleiben und die Handlung in Ende zu führen. Ich geſtehe, daß mir dieſer Vorſchlag ſhr ungelegen kam. Ermüdet von der Reiſe nach einer ſhlafloſen Nacht, ohne ſeit dem Morgen einen Biſſen genoſ⸗ ſi zu haben, konnte ich mich kaum noch auf den Beinen er⸗ zalten. Ich bat den Koſaken, der an der Thür ſtand, mir was zu eſſen zu holen. Dieſer Wohlthäter brachte mir iin ſchauderhaftes Stück Gelatine, das ich mit Gold aufwie⸗ jen mußte. Einer der Anweſenden ließ mir ein Stück Fleiſch ſuikommen und der Marſchall bot mir ein Glas Thee an, delches ich mit Vergnügen annahm. So ging es mit den Wahlen langſam vorwärts; gegen Mitternacht hatten wir irſt 26 Perſonen gewählt. Von da an wurde das Werk was lebhafter gefördert, denn alle Welt war abgeſpannt. Als die Reihe an die Bauern kam, lehnten mehrere unter ihnen nie Ehre ab, Deputirte zu werden; die Mitglieder der Geiſt⸗ ſchkeit nahmen dagegen die Wahl ſehr gern an. Endlich um 14· Uhr des Morgens verkündigte der Adelsmarſchall, daß iie Zahl der Deputirten und Stellvertreter erreicht und die ötzung aufgehoben ſei. Das Wahlreſultat war folgendes: 11 Namen waren zum Scrutinium gelangt, hiervon 41 ge⸗ vihlt worden, unter denen ſich 20 Edelleute, 7 Prieſter, Kaufleute, 1 Bürger und 8 Bauern befanden. 6 Edel⸗ litte, 4 Prieſter, 2 Kaufleute und 4 Bauern hatten ſchwarze ngeln erhalten. Diejenigen von den 41 Gewählten, welche ni geringſte Anzahl weiße Kugeln hatten(2 Edelleute, 2 Prie⸗ ter und 1 Bürger), wurden als Stellvertreter bezeichnet.
So beſtand denn die Hälfte der aus den Grundbeſitzern ie Diſtricts von Buzuluk gewählten Abgeordneten aus ldelleuten, obgleich dieſe kaum um ein Drittheil ſtärker wacen, als die übrigen Anweſenden. Das kam daher, weil
Folge. 65⁵ ſie, gewandter und aufgeklärter, die Wahlen dirigiren konnten. Die Bauern ſind übrigens, wie ich mich im Geſpräch mit ihnen habe überzeugen können, weit davon entfernt, ſich über die neuen Einrichtungen Rechenſchaft abzulegen, namentlich beſorgen ſie, daß die Pflichten eines Deputirten ihnen zu viel Zeit rauben und ſie ihren Beſchäftigungen entziehen könnten. Die Auslöſungsgelder hatten nichts Beſtechendes für ſie, während ich beobachtet hatte, daß dieſe ſehr viele der adeligen Grundbeſitzer anlächelten. Man darf mit demſelben Recht behaupten, daß auch die Geiſtlichkeit über die neuen Einrich⸗ tungen ſich im Unklaren befindet, und daß ſie ihre Miſſion zum großen Theil darin ſuchte Mittel zur Verbeſſerung ihrer Lage aufzufinden. Dies, ſcheint mir, war der Hauptgrund aus welchem ſie zu Abgeordneten gewählt zu werden wünſchten.
Als ich in mein Zimmer zurückkehrte, empfand ich ein ſchwer zu beſchreibendes Gefühl der Befriedigung, und be⸗ ruhigt in meinem Gewiſſen, meine Pflicht erfüllt zu haben, ſchlief ich den Schlaf des Gerechten auf der großen, mit Eiſen beſchlagenen, bunten Truhe.
Am anderen Morgen verließ ich die Diſtrictshauptſtadt. Nachdem ich ungefähr fünf Werſt gemacht hatte, holte ich mehrere Wagen ein, in welchen ich mit Vergnügen meine Wahlcollegen von geſtern Abend erkannte, die ebenfalls über dieſe Begegnung höchſt erfreut zu ſein ſchienen. Ich ſtieg aus meinem Schlitten und legte ein Paar Werſt in der Un⸗ terhaltung mit ihnen zurück. Natürlich ſprachen wir über die Wahlen. Sämmtlich drückten ſie ihr Bedauern aus, daß man damit ſo geeilt hätte, und daß ſie hätten abſtimmen müſ⸗ ſen, ohne zu wiſſen, was ſie thäten, daß mehrere Adelige nicht gewählt worden ſeien, obgleich ſie es verdient hätten, und daß ſogar ſehr würdige Männer gar nicht genannt wor⸗ den wären. Sie ſagten mir ferner, daß ſich jetzt natürlich nichts thun laſſe, daß ſie ſich aber in Zukunft vorher verſam⸗ meln und verſtändigen würden, um ihre Stimmen mit Be⸗ wußtſein abzugeben. Dieſe Bauern gehörten zum größeren Theil zur Secte der Molokans, die im Diſtrict von Buzuluk ſehr zahlreich ſind und von denen mehrere weitläufige Lände⸗ reien beſitzen.
Nachdem ich die Molokans verlaſſen hatte, erreichte ich wieder den Wald, der unter den Stößen eines herannahenden Sturmes zu ſeufzen begann. Und, in der That, als wir die Steppe vor uns hatten, verfinſterte der Schnee, welcher zu⸗ gleich vom Boden aufgewühlt wurde und vom Himmel her⸗ abfiel, die Luft. Zum Ueberfluß ging auch noch die Sonne unter und die Nacht nahete. Es iſt ſchwer zu ſchildern, was wir auf dieſer Rückreiſe leiden mußten; vierzehn Stunden brauchten wir zu den dreißig Werſt bis zu meinem Nachbar, bei dem ich ſchon auf dem Hinwege angehalten hatte. Wenn wir anſtatt unſerer vortrefflichen und tüchtigen Steppenpferde ſolche ſchöne Araber gehabt hätten, die von den Liebhabern ſo theuer bezahlt werden, ſo iſt es entſchieden, daß wir den Tod gefunden hätten, ſtatt unſer Nachtlager zu erreichen.
In der Morgendämmerung kamen wir völlig erſchöpft und halberfroren bei meinem Nachbar an, wo uns die herz⸗ lichſte Gaſtfreundſchaft empfing. Der Sturm dauerte den ganzen folgenden Tag an, und ich begab mich erſt den näch⸗ ſten Morgen wieder auf den Weg. Es ſtand aber im Buche des Schickſals geſchrieben, daß wir eine ſchlechte Reiſe haben ſollten. Ein heftiger Wind, der ſich von Nenem erhob und den Schnee umher jagte, artete wieder in Sturm aus, ſodaß wir abermals vom Wege abkamen, den wir auch trotz unſerer Anſtrengungen nicht wiederfanden. In dieſer erſchrecklichen
Lage blieb uns nichts übrig, als uns einzig und allein auf


