Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
653
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Vierte Folge.

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hell beleuchte fixe abwärts dildeten dunklen

ber immer näher kommend, wurde ein ſich vermehrendes dleingewehrfeuer deutlich vernehmbar. Wie vom Zitteraale des Orinoco berührt, fuhr der Officier, der ſich kaum zu wir geſetzt hatte, in die Höhe; aber das Feuern, vermengt wit dem Rufeabache los cavachos! kam näher und nä⸗ ſer, und es wurde ein Krachen und Rufen im Gebüſch und ſn Traben auf der Heerſtraße laut, als wenn der wilde Jä⸗ jer mit ſeinem ganzen hölliſchen Troſſe im Anzuge wäre. Wer war froher als ich? Hülfe war nahe und die Verwir⸗ nung von vorhin erfaßte jetzt unſere Beſieger. n Der feindliche Officier ſah mich einen kurzen Moment Madnah nit ſeinen großen, blitzenden Augen an; dann rief er lachend: ſer ald ine n'est pas trahison! aber es ändert die Sache; à re⸗ aiſehn wiei roir, mon camarade! 4 Säbel unter und Dann blitzte wieder ſein Säbel hoch wie vorher, und mit dem Rufe:Laissons les Anglais; les armes au bras! bar le flanc droit, pas accéléré! jettons sur les brigands espagnols!

Im nächſten Augenblicke ſchon war er mit den Seinigen dom Schauplatze ſeines kurzen Sieges verſchwunden. Wir Anderen aber ſaßen eben ſo ſchnell auf unſeren Pferden, die ſum Theil ſchon von den flinken Voltigeurs am Zügel gefaßt waren, und ſprengten die camina reale hinab, von wo wir

das ſtärkſte Feuern der Spanier vernommen.

Dieſes dauerte nur noch eine kurze Zeit fort, dann klang § ferner; endlich verhallte es bis auf einzelne Stöße. Nach⸗ dem wir in Verbindung mit einer Abtheilung ſpaniſcher Lan⸗ tieros die Feinde eine Zeit lang verfolgt und einige dreißig

ſtimme da aft zu und das Com⸗

teriſcher Sprul, ien, wa

Bei dieſer be⸗ es Wachtmeiſten nach Abzug da

ſtehendes Häll derſelben zu Gefangenen gemacht hatten, rückte ich links von war, ſtand 9. der Straße auf eine kleine Ebene vor, wo ich nach Meldung n, als in ihren der von mir abgeſchickten Ordonnanz den ſpaniſchen Anfüh⸗

ter treffen ſollte; es war ein Oberſtlieutenant mit einem Ba⸗ willon von der Gebirgsdiviſion des General Copons, welches bon demſelben in den Hinterhalt gelegt worden war, nachdem im Bauer, den die Franzoſen als Wegweiſer zu meiner Stel⸗ uunng gepreßt, dieſen entwiſcht war und ihm noch zeitig am Abend Meldung von dem beabſichtigten Coup gemacht hatte. Statt zu fangen, gerieth nun der größte Theil des feindlichen b chements in die Hände der Spanier, die ihre Feinde ben nicht beſonders freundlich bei ſich aufnahmen. ils der Tag graute, erblickte ich den kühnen feindlichen umſuyrer, welcher verwundet im ſpaniſchen Lager an einer Korkeiche lehnte. Faſt keiner der neben ihm ſtehenden gefan⸗ genen Voltigeure war ohne Wunde, ein Zeichen, daß ſie nicht füge die Waffen geſtreckt hatten. On est bien mauvais ici! rief er mir, den Schmerz ſäner tiefen Kopfwunde verbeißend, mit einem Anfluge von Heiterkeit entgegen, ſobald er mich gewahr wurde; man (kann bei dieſen Herren Spaniern weder auf Höflichkeit noch anf Bequemlichkeit rechnen. Ich ſtieg ſogleich vom ferde und bedauerte das Mißgeſchick, das ihn getroffen. Monsieur, c'est la guerre! entgegnete er ruhig; der Soldat muß darauf gefaßt ſein! In demſelben Augenblick kehrte auch die Ordonnanz zu⸗ ick, welche ich mit der Meldung des nächtlichen Vorfalles an den Commandirenden unſerer Avantgarde in Biar ge⸗ ſcyickt hatte. Sie brachte den Befehl, mich mit dem Regi⸗

der alten Gane

10 Dragoner zagen

Schuß, ud

eingeſchloſſe baft hätte en⸗

muir des ais mente zu vereinigen, welches außerhalb Biar an der Straße ae aus der nuch Vilena ein Bivouak bezogen hatte. Als ich meinem 1ge rtterlichen Feinde, deſſen Bekanntſchaft ich auf ſo unerwar⸗ 45,toat 4 ätte Weiſe in der vergangenen Nacht gemacht hatte, zum Ab⸗ 9, 4 nuinlo ſc iede die Hand reichte, ſagte er ſcherzend:Je moublie- 45 Juug jamais la petite jolie affaire. Peut-étre que nous aer Ertf

igen

1 4 M.

non.

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nous reverrons un jour, mon camarade, peut-étre que Mais la belle France et l'Empereur, j'espère les revoir avant que je meurs!

Aber wir haben uns nicht wiedergeſehen. Der Brave iſt vielleicht früher ſchlafen gegangen, als ſeine Cameraden bei Leipzig und Waterloo, und hat wohl den Hunger mit ſei⸗ nen gefangenen Gefährten auf der berüchtigten Ratteninſel Cabrera getheilt, nicht aber die Qualen gefühlt, von denen die Herzen der eiſernen alten Garden zerfleiſcht wurden, als ſie die Waffen ſtrecken mußten vor der jungen preußiſchen Landwehr, wenige Tage zuvor, als das Denkmal ihrer glän⸗ zendſten Waffenthaten die Vendomeſäule des Bildes beraubt wurde, dem ſie in abgöttiſcher Verehrung zwanzig Jahre lang ihre blutigen Opfer gebracht hatten.

(Schluß folgt.)

Die Reiſe eines ruſſiſchen Wählers.

Obgleich ich keine beſonders merkwürdigen Abenteuer zu ſchildern vermag, wird der Bericht von meiner Reiſe nach der Stadt Buzuluk, der Hauptſtadt des Diſtricts gleiches Namens im Geuvernement Samara, dennoch nicht ohne alles Intereſſe ſein, denn er wird Denjenigen, welche die entle⸗ genſten Winkel Rußlands nicht kennen, den Beweis liefern, daß es bei uns nicht ſo ganz leicht iſt, die einfachſten Pflich⸗ ten des Bürgers zu erfüllen. Doch möge der Leſer ſelbſt urtheilen.

Buzuluk iſt etwas über hundert Werſt von meinem Wohnort entfernt, ich war alſo, um mich bei der zum 27. December(1864) anberaumten Verſammlung der Wähler aus dem Stande der Grundbeſitzer einzufinden, genöthigt, am Morgen des zweiten Weinachtsfeiertags aufzubrechen. Einen Weg von mehr als hundert Werſt mitten im Winter, im dichteſten Schneegeſtöber zurücklegen, heißt nicht blos eine Reiſe machen, ſondern einen Kampf gegen die Elemente unter⸗ nehmen, und erfordert mancherlei Vorkehrungen. Zunächſt hat man damit zu beginnen, ſich ſehr warm zu kleiden, ohne zu ſchwere Hüllen zu wählen, damit man ſich im Nothfalle frei bewegen kann; dann muß man ſich mit hinreichendem Mundvorrath verſehen, denn es kann ſich ereignen, daß man ſich bei einem Schneeſturm verirrt und etwa drei Tage in irgend einem Graben eingeſchneit liegen bleiben muß. Auf das Beſte ausgerüſtet, begab ich mich am 26. December nach dem Frühſtück auf den Weg. Mein leichter Schlitten war mit drei Pferden, jedoch nicht neben einander, ſondern hinter einander beſpannt, denn auf andere Weiſe iſt auf unſeren Nebenſtraßen nicht fortzukommen. Ich beabſichtigte, mich unterwegs bei einem Nachbar auszuruhen, welcher ungefähr fünfunddreißig Werſt von mir entfernt wohnt; das Schnee⸗ geſtöber war aber am Abend vorher ſo heftig geweſen, daß hohe Maſſen alle Wege bedeckten. Wir fuhren in gerader Linie über die Felder, wobei wir alle Mühe hatten, die Rich⸗ tung inne zu halten, und, kamen erſt ſehr ſpät in der Nacht bei meinem Nachbar an. An Ruhe war nicht zu denken. Wir hatten noch ſiebenzig Werſt zu machen und mußten noch vor Mittag in Buzuluk eintreffen. Nach zwei Stunden ſetzten wir unſere Reiſe fort; der Nachbar gab uns einen Führer mit, denn mein Kutſcher hatte nur ſehr unvollkommene Kenntniß von dem Wege, außerdem war es Nacht und es be⸗ gann ein Schneeſturm. Unter einem Schneeſturm verſteht man bei uns einen heftigen Steppenwind, welcher ganze Schneewolken mit ſich fortführt, die die Atmoſphäre verfin⸗ ſtern, während die herabfallenden Flocken die Augen der