Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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auch heute auf Sir Robert und mich ſeine volle, magiſche Wirkung äußerte. Es war, wie geſagt, im Monat Mai. Das Innere der Capelle gewährte eine erquickliche Kühle. Draußen aber buhlten im nahen Gebüſche die Nachtigallen frohlockend mit den vom Blüthenduft gewürzten Lüftchen. Al⸗ les war geeignet, ſobald man ſich die Soldaten hinwegdachte, das Bild einer durch Frieden beglückten Landſchaft zu verge⸗ genwärtigen, in welcher der gütige Vater Alles für Alle in Fülle zum Genuß geſchaffen hatte.

Bei längerem Beſchauen der Umgegend wurden wir ſchnell aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurückge⸗ führt. Beſonders war es Sir Robert, der ſich derſelben vor⸗ zugsweiſe ſehr lebhaft erinnerte, da ihm zur Zeit des Frei⸗ heitskrieges ganz auf derſelben Stelle ein Abenteuer paſſirte, deſſen Mittheilung auch für Andere, als für die, welche einſt zunächſt dabei betheiligt waren, von Intereſſe ſein dürfte, be⸗ ſonders für unſere jungen deutſchen Krieger, denen ein ruhm⸗ voller Felddienſt jetzt über Alles gehen muß!

Mein Regiment, ſo erzählte der ehemalige Rittmeiſter vom 20. Dragoner⸗Regiment,war kaum einige Tage zur Beſetzung der Vorpoſten in Biar eingerückt, als die Reihe der Feldwache an mir ſtand. Es war faſt Nacht geworden, als ich mit meinem aus 30 Pferden beſtehenden Trupp die Ca⸗ pelle hier erreichte, die mir als Standort vom Brigade⸗Ad⸗ jutanten angewieſen war. Ueber die äußerſten Vedetten hinaus etwas zu recognosciren, hatte ich bei der ſchnell ein⸗ getretenen Dunkelheit keine Gelegenheit mehr, vermuthete übrigens auch keine außergewöhnliche Gefahr, da Herr de Rurynes, der mich auf den Vorpoſten führende Adjutant, mir nur die Beobachtung der ſich etwa in Büchſenſchußentfernung vor den Vedetten kreuzenden Wege zur beſonderen Pflicht ge⸗ macht hatte. Nachdem die Vedetten zum erſten Male abge⸗ löſt waren, machte ich ſelbſt eine Patrouille eine Strecke weit auf den beiden bezeichneten Wegen hinaus und kehrte um 11 Uhr zur Capelle zurück, ohne Verdächtiges bemerkt zu haben. Die Nacht war ungewöhnlich friſch, und ich erlaubte den Leuten, weil kein Verbot dagegen erlaſſen war, ein Feuer an⸗ zuzünden, an dem ſie ſich theils ſitzend, theils neben den Pfer⸗ den ſtehend, den Zügel in der Hand, behaglich erwärmten. Mein Leibdragoner hatte mir ſo gut als thunlich ein Abend⸗ eſſen bereitet, welches er hier auf denſelben Altarſtufen auf⸗ trug, wo wir unſere Plätze gefunden, nachdem ich mich, in meinen Mantel gehüllt, niedergelaſſen hatte.

Aus der offenen Thür konnte ich meine Leute überſehen und ich bemerkte mit Vergnügen, wie auch ſie ſich ihr Abend⸗ brod gut ſchmecken ließen, und wie die in Biar reichlich ge⸗ füllten Feldflaſchen unter luſtigem Schwatz die Runde mach⸗ ten. Mit beſonderer Theilnahme gewahrte ich, wie mein Wachtmeiſter ſein wahrhaft ſchönes iriſches Vollblutpferd mit in Wein getränktem Schiffszwieback fütterte, und wie die zu⸗ nächſt ſtehenden Pferde ſich zutraulich näherten, um ihrem Cameraden einen ſo leckeren Biſſen vom Munde zu ſchnap⸗ pen; wie ſie endlich alle im Kreiſe dem Feuer ſich näherten, um die ſchönen Köpfe daran zu erwärmen.

Einige Zeit betrachtete ich dieſes Treiben der Roſſe, wel⸗ ches im Verein mit der ganzen Umgebung, die ſchwach erleuch⸗ tete Capelle im Hintergrunde, ein gar hübſches Bild für einen Kriegsmaler gegeben haben würde, als ich plötzlich bemerkte, wie bald das eine, bald das andere dieſer klugen Thiere die Ohren abwechſelnd ſpitzte oder den Kopf mit geöffneten Nü⸗ ſtern in die Luft ausſtreckte. Ohne darin für den Augenblick ein beunruhigendes Symptom zu erblicken, folgte ich jedoch vieſen Bewegungen, in der Hoffnung, meine Kenntniß der

Novellen⸗Jeitung.

Naturgeſchichte der mir über alle andern Thiere ſo werthen Pferde zu bereichern. Aber wie ward ich überraſcht, als ich, von einzelnen Streiflichtern des Feuers hell beleuchtet, dort unten, etwa funfzig Schritte vom Crucifixe abwärts, Bajonnete vor dem vom Waldgeſtrüpp gebildeten dunklen Hintergrunde funkeln ſah!

«Aufgeſeſſen!» donnerte ich mit einer Löwenſtimme der wie vom wirklichen Donner gerührten Mannſchaft zu und warf den Helm auf den Kopf. Kaum aber war das Com⸗ mandowort von meinen Lippen, und die Leute hafteten noch mit einem mir ſtets unvergeßlich bleibenden Blick auf meinem Angeſicht, während ich wüthend, wie einſt König Richard nach einem friſchen Pferde, nach meinem Schlachtroſſe rief, als ein franzöſiſcher Officier, ſchön und kriegeriſch anzuſehn wie ir⸗ gend ein Homeriſcher Held, mit gezücktem Säbel unter uns trat.

A bas les armes! lautete ſein gebieteriſcher Spruch, als mein Wachtmeiſter, der jetzt erſt zu merken ſchien, was mich, wie auf den Biß eines Scorpions, von den Stufen des Altars ſo jählings aufgeſchnellt hatte, den verwegenen Ein⸗ dringling mit den Worten:damned that french dog!- am Kragen packte, um ihn zum Gefangenen zu machen. Kei⸗ neswegs erboſt über das ſo unhöfliche Compliment meines Yorkſhireman, zeigte dieſer nur lachend nach dem nahen Gebüſche, aus dem jetzt im Sturmſchritte etwa ſechzig Volti⸗ geure mit gefälltem Bajonnete debouchirten. Bei dieſer be⸗ deutungsvollen Pantomime ſank die Hand des Wachtmeiſters von der Schulter des Franzoſen, und mein nach Abzug der Vedetten noch aus ſechsundzwanzig Mann beſtehendes Häuf⸗ lein, von denen kaum die Hälfte zu Pferde war, ſtand wie vom Anblick des Gorgonenhauptes getroffen, als in ihrem Rücken ſich noch etwa dreißig Grenadiere von der alten Garde, wie aus der Erde gewachſen, vom Boden erhoben.

Wie von einer ehernen Mauer umringt, ſtanden wir feſt eingekeilt, als das fatale Commandowort:à bas les ar- mes! dieſesmal nachdrücklicher als zuvor, aus dem Munde des feindlichen Anführers ertönte. Einzelne Dragoner zogen die Säbel; aber von unſeren Gegnern fiel kein Schuß, und es ſollte auch ſo war es nach momentaner Ueberleg meinerſeits beſchloſſen keiner fallen. Was mir, ohne n loſe Tollkühnheit zu zeigen, zu thun übrig blieb, bedurfte ner ſcharfſinnigen Deduction, nachdem ich von meinem etwas erhöhten Standpunkte die Lage der Dinge ganz genau mit möglichſter Kaltblütigkeit erkannt hatte. Wir waren von einer ganzen feindlichen Compagnie dermaßen eingeſchloſſen, daß nicht ein Mann lebendig der Gefangenſchaft hätte ent⸗ rinnen können. So rief ich denn den feindlichen Officier zu mir heran und erklärte mich mit meiner Feldwache als ſeine Gefangenen. Er war artig genug, die Annahme meines Sä⸗ bels zu verweigern, nachdem meine Leute unter manchem wüthendendamned! die Waffen auf den Boden gewor⸗ fen hatten. Dagegen nahm er plötzllich wieder ganz heiter gelaunt meine Einladung zu dem frugalen Lagereſſen an, das ich nicht im Stiche zu laſſen geſonnen war, obgleich der Feind es mir augenblicklich etwas arg verſalzen hatte.

Eh bien, il faut convenir que messieurs les Anglais sont toujours bien arrangés, pour recevoir des amis, ſagte er lächelnd, indem er einige gute Züge aus der ihm dargereichten Feldflaſche that.

Ah, pour cela, entgegnete ich lachend,toat cela serait bien mieux arrangé, quand j aurais eu le moindre presentiment Piff! Paff!viva Espaüa! er⸗ tönte es da plötzlich ringsum, und aus einiger Entfernung,

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