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Novellen⸗Zeitung.
Zeuilleton.
Reminisrenzen aus den ſpaniſchen Kriegen. Von E. Heuſinger. I. Bild.
1 Es war im Jahre 1842, als ich mit Vergnügen der Einladung folgte, Sir Robert Crawford auf einer längs der ſüdöſtlichen Küſten Spaniens von ihm beabſichtigten Reiſe zu begleiten. Der Baronet, früher Rittmeiſter im tapferen 20. engl. Dragonerregimente, einſt durch Waffenbrüderſchaft eng mit mir verbunden durch die Jahre, in denen ſein Re⸗ giment mit dem unſrigen eine Brigade formirte, ruhte jetzt auf ſeinen Lorbeeren, d. h. außer dem Genuſſe des wohl ver⸗ dienten Halbſoldes war er Erbe des Titels und der ſchönen Beſitzung ſeines Vaters auf der immer grünen Inſel Wight geworden. Die Zeit verging ihm raſch unter Studien, Wett⸗ rennen und Jagen, und— was er beſonders liebte— unter öfterem Beſuch der Schlachtfelder, wo die britiſchen Heere allererſt den hohen Ruf ihrer Tapferkeit und Ausdauer unter Lord Wellington begründeten.— Dieſes Mal hatte er ſein Augenmerk auf Spanien gerichtet, und zwar auf die Theile, wo der Bürgerkrieg eben im Verglimmen war. Es war der Boden von Valencia und Catalonien, wo auch wir noch im Jahre 1813 zuſammen gegen den Erbfeind gekämpft. Das doppelte Intereſſe, welches jene Gegenden ſeiner Meinung nach auch für mich haben mußten, war die Urſache ſeiner an mich nach dem Feſtlande ergangenen Einladung. Es war im Mai, als wir bei Alicante landeten, wo wir nach ſeinem Plane deshalb die altromantiſche Küſte betreten ſollten, weil die letzten engliſchen Truppen, mit ihnen unſer deutſches Regiment, unter ſeinen Mauern ausgeſchifft wurden, die ſpäter unter Lord William Bentink's und General Clinton's Anführung beſtimmt waren, das ſüdöſtliche Spanien von Marſchall Suchet's Heere zu befreien undK önig Ferdinand VII. freien Einzug in ſein lang entbehrtes Reich zu verſchaffen.
Neben den unſrigen mit guten Päſſen von dem Gou⸗ verneur der Feſtung verſehen, der ſich bei näherer Bekannt⸗ ſchaft als ein altconſtitutioneller und jetzt der Königin Chri⸗ ſtine treu ergebener General erwies, kamen wir am zweiten Tage nach unſerer Landung in Caſtalla an, unter deſſen Mauern wir im April 1813 den bis dahin nicht beſiegten Marſchall Suchet, Herzog v. Albufera, nach blutiger Schlacht zum Rückzuge nach Valencia genöthigt hatten.
Am nächſten Morgen hielten wir ſchon mit den erſten Strahlen einer ſüdlich glühenden Sonne unter den halb⸗ zerſtörten Ringmauern von Biar. Es iſt ein gar freund⸗ liches Städtchen, das wie ein Schwalbenneſt rund um einen mit Blüthengeſträuch überwachſenen, duftenden, grünen Hügel erbaut iſt, der ſein Haupt wie eine hellſchimmernde Pyramide aus einem weiten Kreiſe von Pinien⸗, Oliven⸗ und Kaſtanienwäldern erhebt.
Hier betritt man ſchon die natürliche Grenze zwiſchen Valencia und Murcia. Die Spuren caſtiliſcher Grandezza, welche in andern Theilen von Spanien der freien Bewegung überall hindernd in den Weg treten, fangen an ſich zu ver⸗ wiſchen. Jetzt erſcheinen die faſt alle im Viereck erbauten weißangeworfenen Häuſer, bei den Reichen mit minaretartigen Thürmchen verſehen, auf deren Altanen in buntfarbigen Ge⸗ fäßen prachtvolle Gewächſe den ſüßberauſchenden Duft aus⸗ ſtrömen, der das Land des ewigen Sommers verkündet,
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während auf den platten Dächern der gewöhnlichen Bevöl⸗ kerung auch allerlei Wimpel und Flaggen wehen, die ſich bei näherer Beſchauung als eine große Wäſche ausweiſen, die auf weit geſpannten Seilen auf den ſonnigen Plattformen zum Trocknen ausgehängt iſt. Raſcher als im übrigen
Sonne gewöhnt, zu jeder Tageszeit im Freien umher. Muskelſpiel iſt kräftiger, und die Geſichtszüge, jeder einzelne derſelben redet ſeine beſondere bedeutungsvolle Sprache. Eine hohe Stirn und die kühn gebogene Naſe, das funkelnde Auge verrathen den Stolz und das kriegeriſche Feuer, wie es das unvertilgbare Eigenthum der arabiſchen Stämme ge⸗ blieben iſt. Auch die innere Einrichtung der meiſten Häuſer, die vergitterten Balkone mahnen an orientaliſche Heimlich⸗ keiten in Abſonderung der Geſchlechter. Aber die unter den hohen, ſchön geſchweiften Brauen hervorblitzenden Augen der Frauen, deren Feuer der leicht verhüllende Schleier den Vorübergehenden nicht zu verbergen vermag, lehren dem Fremden, daß ſich hier unter dem faſt glühend die Erde be⸗ rührenden Sonnenſtrahl auch die Gluth der weiblichen Ge⸗ fühle geſteigert hat.
Biar iſt ein Markſtein, wie für die Menſchen, auch für die Vegetation. Wie auf einen Zauberſchlag öffen ſich nicht weit von ſeinen Thoren, ſobald man aus den dunkeln Felſen⸗ ſchluchten von Caſtalla heraustritt, die Pforten zu den be⸗ zaubernden Blüthenhainen, untermiſcht mit Wein⸗ und Frucht⸗ geländen, die von manchem Schnell⸗Reiſenden gewöhnlich nur als die eigentlichen Kennzeichen von Granada geſchildert werden. Hier blüht ſchon die Roſe von Damascus in ihrer ewig jungfräulichen Schönheit. Im dunkelgrünen Laube der roth und weiß blühenden Myrthe, welche die Zugänge und Gehege der Landhäuſer bildet, flötet, den Winter nicht fürchtend, die Nachtigall ihren Liebesgeſang, während als Wahrzeichen der früher hier hauſenden Völkerſchaften die aus dem räthſelhaften Orient übergeſiedelte Dattelpalme, gleich einer Königin, aus der ſie umgebenden Blüthenpracht, über den Goldfrüchten der Orangen und des Granatbaums, über den Limonien- und Mandelbäumen und über allen andern ſchönen Kindern Florens und Pomonens, wie ſie be⸗ ſchirmend, hervorragt. In dieſen geſegneten, paradies⸗ gleichen Fluren war es, wo Abyſſiden und Ommajaden aller⸗ letzt ſich noch zuſammenſchaarten, ehe die von ihnen mit Weisheit und Gerechtigkeit geführte, Jahrhunderte durch Kunſt und Wiſſen ſich auszeichnende Herrſchaft dem blinden Fanatismus des Chriſtenthums weichen mußte.
Ich fand es beim Wiederſehen dieſer entzückenden Land⸗ ſchaft ganz natürlich, daß die Calabreſen und Neapoli⸗ taner im engliſchen Dienſt, während ſie mehrere Monate einſt zugleich mit uns dieſes Paradiesthor auf Vorpoſten bewachten, nirgends in Spanien ſich ſo heimiſch fühlten als in Biar, und daß auch Engländer und Deutſche mit gleich wehmüthigen Geſichtern ſchieden, wenn wir durch andere Truppen von dem Poſten abgelöſt wurden, der in nächſter Nähe des Feindes zu den allerbeſchwerlichſten ge⸗
einſchließende Land konnte ſich mit den entzückenden Gefilden
Rothſeidene Wimpel flattern von den Villen des Adels,
Spanien ſchreiten dort die Männer gleich ihren Vorgängern, den Abkömmlingen der heißen Steppen, an eine glühende
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hörte. Nur das den blühenden Buſen von Neapel ringsum
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