Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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ihm den Vorwurf der Zudringlichkeit machen werde. Er erwiderte, daß die Ruine, die er heute Nachmit⸗ tags beſucht habe, die Krone aller romantiſchen Punkte ſei und daß er dort ſeine Mappe um ein herrliches Blatt bereichert haben würde, wenn er nicht durch einen Menſchen, deſſen Gegenwart ihm unheimlich geweſen ſei, geſtört worden wäre. An dieſe Antwort knüpfte Hartwig eine Schilderung des Fremdenz er beſchrieb ſein Aeußeres, ſeine Kleidung und ſein ro hes, verletzendes Benehmen, ohne aber ſeine Begeg⸗ nung mit dem Landmann zu erwähnen.

Düſtere Wolken umſchatteten das vorhin noch ſo heitere Antlitz des Pfarrers.

Dieſer Fremde war mein Sohn Ernſt, ſagte er leiſe.Wenn Sie wüßten, wie viel Herzeleid er mir bereitet hat, welch unſäglichen Kummer er mir noch immer bereitet!

Ihnen zu ſagen, wie ſehr ich an dieſem Schick⸗ ſale Theil nehme, ſind Worte zu ſchwach, erwiderte Hartwig, indem er dem alten Manne die Hand reichte. Aus den Reden, die er führte, habe ich errathen, daß er Ihnen nahe ſtehen müſſe; aber ich wollte mich nicht in Ihr Geheimniß eindrängen. Laſſen Sie den Schleier ruhen, den aufzudecken Ihnen nur ſchmerz⸗ lich ſein kann.

Nein, nein! ſagte der Pfarrer raſch;ſeitdem

Sie hier weilen, hat mir dieſes Geheimniß ſtets auf

der Zunge geſchwebt, aber ich konnte es nicht über die Lippen bringen. Nun der Bann gelöſt iſt, ſollen Sie auch Alles erfahren, es iſt ja ohnedies kein Ge⸗ heimniß mehr, jedes Kind in dieſer Gegend kennt es, und das iſt nächſt meinem Vertrauen auf die Güte und Gnade Gottes mein Troſt, daß Alle, die mich kennen, ihre Liebe und Freundlichkeit verdoppeln, um mir die ſchwere Laſt zu erleichtern. Warten Sie bis nach dem Vesperbrod; wenn meine Familie zugegen iſt, fühle ich den Druck nicht ſo ſehr, dann ſollen Sie Alles erfahren!

Unſer Ernſt war ſtets ein talentvolles, aufge⸗ wecktes Kind, nahm der Pfarrer das Wort, nachdem Röschen den Tiſch abgetragen hatte.Sein heiteres, drolliges Weſen, die klugen Antworten und die nai⸗ ven Fragen machten ihn zum Liebling des ganzen Dorfes. Jeder hätſchelte das Kind, jeder fügte ſich in ſeine Launen, und leider waren auch ich und meine Frau blind gegen die Fehler und Unarten des Kna⸗ ben. So wuchs das Kind auf, und erſt, als es zu ſpät war, bemerkten wir mit Schrecken, daß Trotz, Eigenſinn und Herrſchſucht die Grundzüge ſeines Cha⸗ rakters bildeten. Unſere Ermahnungen fruchteten nicht, Strafen erzielten nur für den Augenblick ein Reſul⸗

Zeitung.

tat. Wir ſchickten den Knaben in's Gymnaſium; der Lehrer, deſſen Obhut ich ihn anvertraute, war mit mir befreundet; er verſprach mir, über ihn zu wa⸗ chen. Die unnachſichtliche Strenge, mit der das Kind jetzt behandelt wurde, erſtickte die letzten guten Keime, Trotz und Eigenſinn bildeten ſich mehr und mehr aus, und es kam ſo weit, daß mir mein Freund endlich ſchrieb, er könne den Knaben nicht mehr bändigen.

Wir verloren die Hoffnung nicht, unſere Ermahnun⸗ gen ſchienen ein offenes Ohr zu finden, und ſo dach⸗

ten wir denn, die Strenge jenes Lehrers habe allein Mit einem glänzen⸗ Er wollte Jura

dieſen ſtörriſchen Trotz geweckt. den Zeugniſſe kehrte Ernſt heim. ſtudiren; ich rieth ihm ab, hielt ihm vor, daß die Juriſten lange auf eine Anſtellung warten müßten, wir aber nicht die Mittel beſäßen, ihn acht Jahre hindurch zu unterſtützen, und bat ihn, eine andere Laufbahn zu wählen. Das wollte er nicht, und in dem Wortwechſel, der ſich darüber entſpann, lernte ich ſeinen Trotz und ſeine Eigenliebe gründlich ken⸗ nen. Ich gab endlich nach und ſchlug die Univerſität in Bonn vor Ernſt wählte Heidelberg. Dort trat er ſofort in eine Verbindung ein, dringend davon abgerathen hatte. Die Cameraden, an welche er ſich anſchloß, waren reicher Leute Söhne,

ſie ließen etwas drauf gehn, und mein Sohn wollte natürlich nicht hinter ihnen zurückſtehen. Da er aber

wußte, daß ich ihm das Geld nicht ungezählt ſchicken konnte, daß meine Einkünfte eben ausreichten, meine Familie zu ernähren, und ich auch nicht geneigt war, ſeinetwegen Schulden zu machen, ſo verſchonte er mich mit Forderungen, die ich, wie er wohl wußte, nicht gewähren durfte. Nichtsdeſtoweniger führte er

eine Lebensweiſe, die ſelbſt der reichſte Vater 11 f

gebilligt haben würde. Das Alles erfuhr ich erſt im dritten Jahre, als es bereits zu ſpät war. Ich er⸗ hielt eines Tages von einem Unbekannten brieflich die Nachricht, daß mein Sohn wegen groben Straßen⸗ unfugs, Verletzung der Sitte und Mißhandlung einer

unbeſcholtenen Dame auf offenem Markte relegirt Hiobspoſt erſchüt.

worden ſei. Wie ſehr mich dieſe terte, können Sie denken, Herr Hartwig. Bisher hatte ich das Beſte gehofft; wenn auch Ernſt nicht oft ſchrieb, wenn auch ſeine Briefe in der Regel kalt

und theilnahmlos waren, wir glaubten doch, aus

ihnen entnehmen zu dürfen, daß er ſeinen Studien fleißig obliege, und gern ſchickte ich ihm die Summen, die er bedurfte, obgleich wir dafür unſere Bedürfniſſe auf das Nothwendigſte beſchränken mußten. Ich reiſte augenblicklich nach Heidelberg, und was ich dort er⸗

fuhr

Es war eine trübe, traurige Zeit, ſeufzte die

trotzdem ich ihm 1

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